Die scharfe Kritik von Ferrari-Präsident John Elkann gegen Charles Leclerc und Lewis Hamilton sorgte für Schlagzeilen. "John Elkann donnert gegen Leclerc und Hamilton", titelte die Corriere della Sera. "Ferrari in Schwierigkeiten, aber Präsident Elkann greift nur Fahrer an", schrieb die italienische Gazzetta. Die Ohrfeige des Ferrari-Präsidenten kam überraschend, auch wenn Ferrari durch den Doppelausfall beim Formel-1-Rennen in Brasilien in der Konstrukteurswertung auf Platz vier abrutschte. Motorsport-Magazin.com-Redakteur Florian Niedermair verteidigt die Piloten. Sein Plädoyer an den Ferrari-Boss gibt es hier:
Auch für Formel-1-Experte Christian Danner überschritt Elkann mit seinen Aussagen eine Grenze. Vor allem die Behauptung, die Ferrari-Mechaniker und -Ingenieure hätten mit ihrer Arbeit praktisch die WM gewonnen, stieß ihm sauer auf. "Ich kann nicht sehen, dass sie das Auto so stark verbessert haben. Wenn die Mechaniker, Ingenieure und das Management alles richtig gemacht haben, wieso gewinnt Ferrari dann nicht konstant Rennen? Da würde es helfen, bei der Wirklichkeit zu bleiben", ermahnte der ehemalige F1-Fahrer Elkann, sich auch selbst an der Nase zu nehmen.
Ein netterer Umgangston würde dem strauchelnden Team und vor allem Lewis Hamilton guttun, ist Danner überzeugt. Der Rekordweltmeister war nach seinem Renn-Aus in Interlagos niedergeschlagen und nannte seine erste Ferrari-Saison einen Albtraum. Laut Elkann sollen die Piloten lieber fahren, anstatt zu reden. "Du kannst einem modernen Formel-1-Fahrer nicht das Sprechen verbieten. Diese Aussage könnte von Bernie Ecclestone stammen", spielte Danner auf die kontroversen Aussagen des früheren F1-Chefs aus dem Jahr 2016 an. Damals sagte Ecclestone, Fahrer sollten nicht reden dürfen, nachdem die GPDA eine Veränderung in der F1-Chefetage verlangte.
"Lauda-Methode" als Rettung für Ferrari?
Klar ist jedenfalls, dass der Haussegen in Maranello schiefhängt. "Friede, Freude, Eierkuchen ist anders. Es ist Sand im Getriebe, aber der lässt sich unter Umständen noch herausfiltern", hat Danner noch Hoffnung. Seine Empfehlung an Elkann: die Niki-Lauda-Methode.
"Der hat völlig emotionslos und gnadenlos analysiert. 'Das ist so. Warum geht das nicht? Warum kannst du das und der kann dies?'", beschreibt Danner die Vorgehensweise des dreifachen F1-Champions. Lauda erwarb 2012 zehn Prozent der Mercedes-Teamanteile und war bis zu seinem Tod 2019 eine präsente Figur in der Garage. So eine starke Leitfigur bräuchte es auch jetzt bei Ferrari. "So einer, wenn es ihn den gibt, täte Lewis und Ferrari sehr gut", so der Experte.
Im Gegensatz zum Formel-1-Team von Ferrari bekam der WEC-Gegenpart nur Lob von Elkann ab, denn die Roten gewannen beide WM-Wertungen der Langstrecken-Weltmeisterschaft. Elkmanns Lobgesang gibt es hier zu lesen:



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