Ferrari-CEO John Elkann hat einen rausgehauen. In einem Interview bei Sky Italia nahm er das Formel-1-Team der Scuderia in die Kritik, ganz besonders aber die beiden Piloten. "Wir haben Fahrer, die sich mehr auf das Fahren konzentrieren und weniger reden sollten", ging er Leclerc und Hamilton an, auch ohne dabei deren Namen zu erwähnen.
Dazu kam auch noch etwas versteckte Kritik am Teamspirit. Lobend hob er nur die Mechaniker für ihre guten Boxenstopps hervor - da hat er einen Punkt - und die Ingenieure dafür, dass sie das Auto so stark verbessert hätten. Bei solchen Aussagen frage ich mich doch: Hat der Ferrari-Boss dieselbe Saison gesehen wie wir? Bei allem Respekt vor den Ferrari-Ingenieuren, aber der SF-25 ist derzeit genauso wenig siegfähig wie zu Saisonbeginn, für ein Podium hier und da ist er gut genug, aber mehr dann auch nicht.
Von einer WM-fähigen Maschine ist der Ferrari ohnehin weit entfernt, und das ist ja die Forderung, die nicht nur Elkann stellt, sondern welche schon in der DNA von Ferrari verankert ist. Aber das ist ja noch eine Sache, Rückendeckung für die Ingenieure will ich einem Konzernboss nicht anlasten. Auch wenn die Formulierung in diesem Fall den Eindruck erwecken könnte, dass er die Formel 1 2025 nur am Rande verfolgt habe.
Bei Ferrari läuft es nicht - und daran sollen nun die Fahrer schuld sein?
Was den Ferrari-Vorsitzenden aber dabei geritten hat, seine beiden Fahrer anzugehen, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären. Wie fühlt sich wohl Charles Leclerc, der einen Tag zuvor komplett schuldlos mit einer Podium-Perspektive aus dem Brasilien-GP gecrasht wurde, und auch darüber hinaus eine mehr als überzeugende Saison fährt? Was soll an seinen Auftritten nicht passen? Wo redet er zu viel?
Leclerc ist ein Fahrer, der selten die große Öffentlichkeit sucht und seine medialen Auftritte praktisch auf das Pflichtprogramm an den Rennwochenenden konzentriert. Abgesehen von den heutzutage für einen Profi-Sportler unerlässlichen und auf PR-Kommunikation fokussierten Social-Media-Posts. Davon, eine Plaudertasche zu sein, ist Leclerc genauso weit entfernt, wie Reinhold Messner von einem Tiefsee-Taucher. Davon, ein abgelenkter Fahrer zu sein, erst recht.
Bei Lewis Hamilton kann man ein gewisses Maß an Kritik noch eher verstehen, aber auch dabei schießen derartige Kommentare weit übers Ziel hinaus. Ja, der Rekord-Weltmeister ist vor allem bei anhaltendem sportlichem Misserfolg gerne mal ein bisschen deutlicher in seiner Wortwahl - wenn er dann überhaupt mehr als einsilbige Antworten gibt. Als erfolgreichster Fahrer des Sports auch sein gutes Recht. So präsentierte Hamilton sich schon in den letzten Jahren bei Mercedes. Und diesen Mann hat anschließend Elkann nach Maranello geholt, nur um ihm nach weniger als elf Monaten Dienstzeit einen Strick daraus zu drehen?
Damit haben die Aussagen von Elkann aber noch kein Ende gefunden, denn durch die Blume stellte er mit einem Vergleich zum erfolgreichen WEC-Team auch noch den Zusammenhalt in der Formel-1-Mannschaft in Frage. Eine Ansage, die nur an Fred Vasseur gehen kann. Wenn dem so sein soll, warum hat man dann erst im Sommer den Vertrag mit dem Teamchef verlängert? Warum hat ihm Elkann vor weniger als einem Monat noch den Rücken gestärkt? Fragen über Fragen. Doch letztendlich laufen sie alle auf eine Antwort zusammen: Zu viel geredet hat bei Ferrari in den letzten Tagen nur einer.



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