"Mehr fahren, weniger reden." Die Kritik von Ferrari-Präsident John Elkann an Charles Leclerc und Lewis Hamilton nach dem Großen Preis von São Paulo sorgte für allerhand Schlagzeilen. Doch wer ist der Nachfolger von Sergio Marchionne, der dem Ferrari-Duo verbale Ohrfeigen verpasste? Motorsport-Magazin.com hat sich auf Spurensuche begeben.
John Elkann lieferte einen unerwarteten Frontalangriff gegen die Ferrari-Fahrer. Unerwartet und unnötig, findet Florian Niedermair. Weil die Kritik weder Hand noch Fuß hat. Mehr dazu:
John Elkann wurde am 1. April 1976 in New York als Sohn von Margherita Agnelli und des Schriftstellers Alain Elkann geboren. Als Spross der Agnelli-Dynastie wächst er international auf – in New York, England, Brasilien und Frankreich. Mit gerade einmal 21 Jahren holte ihn sein Großvater Gianni Agnelli, der allgemein als "L’Avvocato" (der Anwalt) bekannt war, in den Verwaltungsrat von Fiat. 2004, mit 28 Jahren, steht er allein an der Spitze des Fiat-Konzerns, der 1899 von seinem Urgroßvater in Turin gegründet wurde.
Sein Großonkel Umberto Agnelli ist gerade verstorben; wenige Jahre zuvor hatte der Clan den extravaganten Gianni sowie den Thronfolger Giovannino verloren, der im Alter von 33 Jahren an einer aggressiven Krebserkrankung starb. "Ich habe vor allem Herausforderungen und Verantwortung geerbt", erzählt John Elkann in einem späteren Interview über diese Zeit. Unterstützung holt er sich in Person von Sergio Marchionne. Um den strauchelnden Konzern wieder auf Erfolgskurs zu bringen, schreckten Elkann und Marchionne auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurück: Marchionne fuhr für Elkann einen harten Sparkurs, baute intern Bürokratie ab und reduzierte die Entwicklungszeit für neue Modelle drastisch.
2009 fädeln beide die Übernahme des US-amerikanischen Automobilherstellers Chrysler ein. 2016 wird auch Ferrari an die Börse gebracht. Mit dem Tod von Marchionne im Juli 2018 endet die Ära Elkann-Marchionne abrupt. Mit Mike Manley setzt Elkann erstmals einen Nicht-Italiener an die Spitze des Konzerns. Manley soll die Elektrifizierung des Autobauers vorantreiben – ein Kurs, gegen den sich Marchionne aus Profitabilitätsgründen lange gesträubt hatte. Um die Agnelli-Dynastie zukunftssicher aufzustellen, geht der 49-Jährige strategisch vor. Er internationalisiert das Unternehmen, knüpft eifrig Kontakte zur Tech-Branche und nach Asien.
Als Präsident und Verwaltungsratsvorsitzender der Exor-Holding, in der die Beteiligungen der rund 100 Agnelli-Erben gebündelt sind, ist Elkann mit rund 29 Prozent der größte Aktionär. Die Exor-Holding ist unter anderem beteiligt an:
- Ferrari
- Stellantis (Peugeot, Jeep, Fiat, Maserati ...)
- Juventus Turin
- La Stampa*
- La Repubblica*
- The Economist*
- Philips
- Iveco
- CNH
- Institut Mérieux
- Christian Louboutin Shoes
*Im Oktober 2025 gab Elkann bekannt, sich aus dem Mediengeschäft zurückziehen zu wollen.
Erbstreit endet mit Sozialstunden
Erst im September dieses Jahres erklärt sich Elkann bereit, ein Jahr Sozialdienst zu leisten und eine Vergleichszahlung zu entrichten, um ein Steuerstrafverfahren im Zusammenhang mit dem Erbe seiner Großmutter Marella Caracciolo beizulegen. Elkann und seine Geschwister Lapo und Ginevra werden gemeinsam 183 Millionen Euro an die italienischen Steuerbehörden zahlen. Es geht um nicht versteuertes Vermögen aus dem Nachlass von Marella Caracciolo, die 2019 verstarb. Die Behörden schätzten dieses auf rund 800 Millionen Euro. Im Rahmen des Vergleichs wird das Strafverfahren gegen Elkann eingestellt.
Der Fall ist Teil eines langjährigen Erbstreits innerhalb der Agnelli-Familie, der nach dem Tod von Gianni Agnelli ausbrach. Im Zentrum steht ein Konflikt zwischen Margherita Agnelli, Giannis Tochter, und drei ihrer acht Kinder, darunter John Elkann. Margherita Agnelli hatte damals 1,2 Milliarden Euro geerbt, kämpft nun jedoch darum, frühere Vereinbarungen aus dem Jahr 2004 anzufechten, um einen Teil des Vermögens ihren fünf Kindern aus zweiter Ehe zukommen zu lassen. John Elkann ist seit 2004 mit Lavinia Borromeo verheiratet – sie haben zwei Söhne und eine Tochter.



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