Die Saison 2025 der Formel 1 wird in Sachen Renn-Action nicht in Erinnerung bleiben. Im letzten Jahr der Ground-Effect-Regeln sind im Trockenen Einstopp-Prozessionen mit minimalen Positionsverschiebungen ab Runde 2 an der Tagesordnung. Das hat in den letzten Wochen die Idee einer Zwei-Stopp-Pflicht aufkeimen lassen. Doch es gibt aus gutem Grund Skeptiker.

Bisweilen ist das Thema bei weitem noch nicht in einem Stadium von konkreten Konzepten angelangt. Es wird aber voraussichtlich beim nächsten Treffen der F1-Kommission wieder auf der Tagesordnung stehen. In diesem Körper diskutieren und bestimmen F1-Teams, F1-Regelhüter FIA und die F1-Eigentümer von Liberty alle Regeländerungen.

Die Idee wird aber jetzt schon von den Strategie-Abteilungen der Teams einmal in verschiedenen Formen durchgespielt. Maximale Stint-Längen? Verpflichtung des Verwendens von allen drei Reifenmischungen? Zwei Stopps verpflichten, alles andere offenlassen? Die Optionen sind recht zahlreich. Nur sind das auch die Gefahren.

Formel 1 vor großem Regel-Umbruch gewarnt: (Noch) nichts ändern

"2026 ändert sich so viel, dass wir besser erst einmal schauen sollten, was für eine Art von Rennen wir bekommen, bevor wir auf der technischen Seite und auch bei den sportlichen Regeln Hand anlegen", warnt etwa McLaren-Teamchef Andrea Stella. 2026 wird die Formel 1 schließlich komplett auf den Kopf gestellt.

Die Ground-Effect-Ära endet, die neuen Aerodynamik-Regeln sind ein riesiger Schritt. Darunter ist auch das Ende von DRS, wie die Formel 1 es seit der Einführung des Klappflügels kennt. Stattdessen werden neue Überhol-Modi über die ebenfalls komplett neuen Power Units eingeführt. Was für eine Art von Racing das alles auslösen wird, weiß aktuell noch niemand.

"Ich würde zu Vorsicht mahnen", meint Stella daher. Sein Williams-Kollege James Vowles ergänzt zusätzlich: "Der Schlüssel ist, den Reifen-Abbau und die Lücken zwischen den Reifen richtig hinzubekommen. Dann habe ich kein Problem mit erzwungenen Regeln, aber da, wo wir jetzt stehen, fürchte ich, dass es weniger Abwechslung im nächsten Jahr geben würde."

Mehr Stopps der Schlüssel? Formel-1-Teamchefs widersprechen

Die Teams sind sich auch da einig: Die Anzahl der Stopps ist es nicht, die Action auslöst. Action wird in der modernen Formel 1 aktuell durch die Variable Reifen-Abbau ausgelöst. Ein Reifen, der zu lange hält, oder ein Reifen, den man besonders gut managen kann, oder zu kleine Lücken zwischen den Reifenmischungen - das sind alles Faktoren, welche die Strategie neutralisieren. "Meine größte Angst wäre, dass wir alle auf die gleiche Runde die identische Strategie fahren", so Vowles.

F1-Plan: Mehr Sprints, kürzere Rennen! Geil oder Schnapsidee? (22:47 Min.)

So könnte ein zweiter Stopp es sogar potenziell noch langweiliger machen. "Du brauchst Reifen, die zwei Stopps erzwingen, sonst fährt jeder die gleiche Strategie und du hast den gegenteiligen Effekt", meint auch Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane. So entsteht auch Überholen in der Formel 1 heute oft dadurch, dass ein Auto die Reifen stärker verschleißt als das andere. Je mehr Stopps es gibt, desto geringer ist hingegen die Wahrscheinlichkeit, dass es ausreichend Abbau gibt.

Außer Pirelli baut Reifen, die signifikant schneller abbauen. Aber dann braucht man sowieso keine Zweistopp-Plicht. Erwischt Reifenhersteller Pirelli eine gute Reifen-Auswahl für eine Strecke, so sah man sowieso auch in den letzten zwei Jahren spannende strategische Rennen. Beispielsweise als Charles Leclerc 2024 in Monza oder Lando Norris 2025 in Ungarn mit Einstoppern ihre zweistoppenden Gegner übertölpelten.

"Rennen, in denen Einstopper gegen Zweistopper kämpfen und der Einstopper von den Zweistoppern gejagt wird, würden natürlich verschwinden", stellt Permane da auch klar. "Wir müssen vorsichtig sein und das sind wir. Die F1-Kommission wird es sicher debattieren und wir werden sicher die richtige Antwort finden."