Bernie Ecclestone regierte die Formel 1 über 40 Jahre mit harter Hand und machte aus ihr ein gnadenloses Business. Mit seiner kantigen Persönlichkeit und seinen oftmals provokativen Sprüchen wurde er dabei selbst zur Legende. Bernard Charles "Bernie" Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in St. Peter South Elmham, einem winzigen Nest in der Grafschaft Suffolk, als Sohn eines Fischkutter-Kapitäns geboren. Bereits mit acht Jahren zeigte Ecclestone unternehmerische Qualitäten: Er trug Zeitungen aus und verkaufte am Schulhof Sandwiches aus einem Koffer heraus.

Aufstieg zum F1-Boss

Als Erwachsener arbeitete er als Gebrauchtwagenhändler in der Warren Street - einem Stadtviertel in London, das für seine skrupellosen Praktiken und schnellen Gewinne bekannt war. Ende der 50er Jahre versuchte er sich als Rennfahrer – allerdings erfolglos. Schnell konzentrierte sich Bernie Ecclestone auf die Rolle des Managers, nahm 1957 den aufstrebenden britischen Piloten Stuart Lewis-Evans unter seine Fittiche und avancierte in den 60er Jahren zum Manager von Jochen Rindt. Dessen Tod im Jahr 1970 traf Ecclestone schwer. "Ich hatte einen sehr engen Freund und Vertrauten verloren. Manche sagen, dass ich geweint habe. Ich möchte es nicht verneinen", erzählte er später in einem Interview anlässlich Rindts 50. Todestags.

In den 70er Jahren gelang Ecclestone der Aufstieg zum einflussreichsten Mann der Formel 1. Gemeinsam mit anderen Teamchefs wie Frank Williams, Colin Chapman und seinem langjährigen Weggefährten Max Mosley gründete Ecclestone 1974 die Teamvereinigung Formula One Constructors Association (FOCA), deren Vorsitzender er 1978 wurde. Dieser Coup ebnete ihm den Weg zur kommerziellen Herrschaft über die Formel 1. Ecclestone verantwortete die kommerzielle Seite, handelte TV-Verträge aus und fädelte neue Deals mit Rennstrecken auf der ganzen Welt ein. Als Geschäftsführer der Formula One Group unter der Leitung von CVC Capital verwandelte er die Formel 1 in ein Milliarden-Business und trieb die Globalisierung des Sports immer weiter voran.

Skandale & Ende einer F1-Ära

Über 40 Jahre regierte Ecclestone die Formel 1 mit harter Hand und geriet dabei immer wieder ins Kreuzfeuer. 2009 ging ein "Times"-Interview mit ihm um die Welt, in dem er sich äußerst fragwürdig über Adolf Hitler ausließ. "Es ist sicher schlimm, das zu sagen. Aber abgesehen davon, dass Hitler abgehoben ist und sich zu Dingen hat hinreißen lassen, von denen ich nicht weiß, ob er sie machen wollte oder nicht, war er jemand der Leute im Griff hatte und Dinge geregelt bekam." Im Zuge der Gribkowsky-Affäre erhob die Staatsanwaltschaft München im Jahr 2013 Anklage gegen Ecclestone wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall. Später wurde die Klage gegen eine Zahlung von 100 Millionen Dollar fallengelassen.

Auch um sein Frauenbild steht es nicht zum Besten. "Frauen sollten ganz in Weiß gekleidet sein, so wie all die anderen Haushaltsgeräte." Im Januar 2017 beendete Ecclestone seine Ära als starker Mann der Formel 1. Liberty Media übernahm seine Anteile, es folgten sein Rücktritt als CEO und sein Abschied von allen offiziellen Funktionen 2020. Mit 90 Jahren wurde er nochmals Vater eines Sohnes. Natürlich wurde es danach nicht still um den Briten - das wäre nicht sein Stil. Zuletzt äußerte er den Verdacht, dass McLaren im aktuellen WM-Duell Lando Norris bevorzugt. Mehr dazu hier: