104 Punkte hatte Oscar Piastri vor dem Italien-GP Vorsprung auf Max Verstappen angehäuft. Seitdem hat Verstappen mit einer sensationellen WM-Aufholjagd 64 Punkte davon in vier Rennen ausradiert - und jetzt hat er noch fünf, um die restlichen 40 wettzumachen und den fünften Formel-1-Titel zu holen. Seine Fahrer-Kollegen sind beeindruckt, und doch skeptisch.
"Wenn das Auto nah genug dran ist, wird Max den Unterschied machen, das ist keine Überraschung", meint der stets Verstappen lobenden zweifache Weltmeister Fernando Alonso erst einmal. Das ist generell der Konsens im Fahrerlager der Formel 1. Wenn einer so eine Aufholjagd umsetzen kann, dann ist es auf jeden Fall Verstappen. Doch der Weg ist noch weit.
Verstappen im WM-Rennen: Einfacherer Job als McLaren?
"Je nach Blickwinkel ist er in einer besseren Position als die anderen zwei, weil er nichts zu verlieren hat, also hält er einfach voll rein", schätzt Mercedes-Pilot Kimi Antonelli. "Mit Max in dieser Form würde ich niemals nie sagen. Ich denke, er hat eine ziemlich gute Chance."
Ein Gedankengang, den auch Williams-Pilot Carlos Sainz teilt: "Mit dieser Philosophie von 'nichts zu verlieren' spürst du weniger Druck auf den Schultern, du fährst einfach und machst. Ich denke, mit dieser Philosophie maximiert er seine Chancen. Mit den kommenden Strecken, besonders Mexiko, berühmt für die erste Kurve, auch Vegas mit Überholchancen und einer schwierigen ersten Kurve - das öffnet die ganze Meisterschaft."
Für den Sauber-Rookie und Verstappen-Fan Gabriel Bortoleto ist es jetzt schon eines der größten Comebacks aller Zeiten, unabhängig vom Ausgang: "Er hatte für den Großteil des Jahres nicht das beste Auto, oder nicht einmal ein Top-3-Auto, und sich da so lang im Titelfight zu halten, bis sie endlich gutes Zeug im Auto gefunden haben. Es ist jetzt schon Geschichte."
Die Zweifel an der Verstappen-WM: Jeder Fehler wäre das Ende
"Was ich nur sagen würde, ist: Er kann sich kein schlechtes Rennen leisten", mahnt Sainz jedoch. "Dann ist die ganze gute Arbeit beim Teufel." Genau das denkt auch Alonso: "Mal schauen, wie es bis Abu Dhabi läuft. Dinge können sich Rennen für Rennen sehr schnell ändern, ja, Tag für Tag. Du fühlst dich in einem Training gut, aber das Rennen ist das Gegenteil."
Verstappen profitierte in den letzten vier Rennen auch von einem konstant hinter den Möglichkeiten des Autos zurückbleibenden McLaren-Duo. Obendrauf fuhr McLaren die Auto-Entwicklung zurück. So ist Charles Leclerc auch nicht wirklich überrascht, dass es Verstappen so weit geschafft hat: "Max fährt immer auf hohem Level, und im Angesicht der Tatsache, dass McLaren denke ich wie wir früher stoppte, während Red Bull wie auch Mercedes noch weiter gepusht hat, ist es keine totale Überraschung."
"Ich wäre sehr überrascht, wenn er von diesem Punkt aus den Titel holt", meint Realist Leclerc infolgedessen. "Er hat immer alles im Griff und fährt sehr stark, aber 40 Punkte sind signifikant. Wenn ich einen Dollar wetten müsste, dann würde ich ihn wohl auf die McLaren-Fahrer setzen. Aber Max kannst du nie ausschließen." Und welchen McLaren? Da will sich Leclerc nicht festlegen.
Oscar Piastri: Ich denke nicht über Max Verstappens Aufholjagd nach
Auf der McLaren-Seite bemüht man sich strikt um Ruhe. "Er war an den letzten Wochenenden sehr konstant und stark, das lässt sich nicht abstreiten", so der Gejagte Oscar Piastri. "Aber mir bringt es nichts, mir darüber Sorgen zu machen oder mich darauf zu konzentrieren. Was mir für diesen Titel helfen wird, ist das meiste aus mir, aus dem Auto, und aus dem Team herauszuholen, ohne auf jemand anderen zu schielen."
Und ähnlich will Verstappen selbst auf keine Gedankenspiele einsteigen: "Ehrlich gesagt ist es überraschend, dass wir noch im Rennen sind. Aber ich nehme es. Jetzt müssen wir perfekt sein, aber für mich ist das positiver Druck. Ich liebe, was ich mache. Ein wettbewerbsfähiges Auto macht viel mehr Spaß. Jedes Rennen weißt du jetzt, dass du dir bis zum Ende kein Pech oder Fehler erlauben kannst. Aber dieses Team hat in der Vergangenheit gezeigt, dass wir gut unter Druck abliefern." Mit "Tape-Gate" versuchte Red Bull zuletzt den Druck schon zu erhöhen - Lando Norris lacht darüber:



diese Formel 1 Nachricht