Der letzte Vorteil von McLaren in der Formel 1 scheint verpufft. Nach dem Qualifying von Austin lässt sich der Umschwung des Kräfteverhältnisses zugunsten von Red Bull nur mehr schwer auf Strecken und dergleichen abwälzen. Lando Norris' Weg zu Platz zwei mit drei Zehnteln Rückstand war ein schwieriger. Die Situation stellt sich als doch ernster als erwartet heraus.

Am Freitag noch bis auf eine Zehntel dran an der Pole, rutschte Norris am Samstag ab: "Es war einfach ein größerer Kampf heute aus irgendeinem Grund. Gestern fühlte ich mich gut. Ich weiß nicht, ob sich alle anderen verbessert haben. Oder ob der Wind uns mehr geschadet hat." Letztendlich war fahrerisch alles für Norris im Qualifying ein Krampf. Fehler häuften sich, keine Runde kam locker.

"Jede Runden heute war was, drei bis fünf Zehntel weg von Max?" meint Norris. Das Endergebnis sieht womöglich noch passabel aus, weil Verstappen aufgrund von schlechtem Timing seine letzte Q3-Runde gar nicht fahren konnte. "Er wäre wohl noch einen guten Schritt schneller gewesen. Diese Leistung heute macht mir nicht gerade viel Hoffnung."

Fahrwerks-Höhe in Austin als Schlüssel: McLaren-Crash löst Probleme aus

McLaren-Teamchef Andrea Stella bemüht sich nach dem Qualifying, die Lage aufzudröseln. Es beginnt mit dem Doppel-Aus nach Crash in der ersten Kurve im Sprint. An einem Sprint-Wochenende ist das Kurzrennen eigentlich essenziell, um bei den sensiblen Ground-Effect-Autos festzustellen, wie hoch man sie im Rennen fahren muss, um mit Sicherheit eine ganze Grand-Prix-Distanz zu überstehen, ohne den Unterboden bis zum Rande der Legalität abzuschaben.

"Ein Millimeter ist bei dieser Auto-Generation eine signifikante Menge an Millisekunden", meint Stella. McLaren musste mangels Sprint-Daten nun ein eher konservatives Setup wählen. "Das mag unsere Leistung beeinflusst haben. Aber in Millisekunden. Dann sehen wir die Lücke zu Verstappen. Die ist in Zehnteln messbar. Zwei Zehntel sind sicher eine faire Lücke."

"Ich denke, wir müssen einräumen, dass Verstappen und Red Bull momentan das schnellste Auto stellen", meint Stella daher. "Die Lücken, die wir jetzt zu Verstappen haben, die kann man nicht nur auf das Strecken-Layout schieben. Es ist denke ich klar, dass Red Bull einen Schritt nach vorn gemacht hat. Auf unserer Seite müssen wir jetzt schauen, wie wir mehr aus dem Paket bekommen."

Stella glaubt dennoch: Bessere McLaren-Strecken werden kommen

Stella vermutet basierend auf den sich häufenden Kommentaren aus dem Red-Bull-Lager bezüglich Fahrkomfort, dass das Team mit seinem letzten Unterboden-Update in Monza hier einen letzten aerodynamischen Durchbruch erzielt hat. So ist es für McLaren absolut realistisch, davon auszugehen, dass Verstappen in allen verbleibenden Rennen um den Sieg kämpfen wird.

Trotzdem sollten zumindest Brasilien, Katar und Abu Dhabi den MCL39 zumindest besser passen. Dort gibt es die geliebten langgezogenen Bremszonen hinein in lange Kurven, während auch Austin teilweise sehr direkte Anbremsphasen bietet. "Aber ich hätte eine kleinere Lücke erwartet, also müssen wir objektiv auf die Fakten schauen", mahnt Stella. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass Max und Red Bull womöglich bei jedem der verbleibenden Rennen das schnellste Auto sind."

Vielleicht kann Norris aber im Rennen in den USA bei Hitze mit der alten Stärke Reifenmanagement zumindest über die Distanz zurückschlagen. "Wir wissen, Samstage waren nie ganz so gut, also hoffe ich, dass wir morgen ein bisschen aufdrehen können", meint Norris. Aber der verpasste Sprint schwebt im Hintergrund: "Ich habe keine Ahnung, ob es herausragend oder grauenvoll wird. Mit den Bodenwellen, dem Aufsitzen und dem Wind wird es auf jeden Fall unberechenbar."