Sensationell hatte Nico Hülkenberg am Freitag bei der Formel 1 in Austin ausgesehen. Davon blieb am Samstag wenig übrig. Erst crashte er im Sprint, dann schaffte er es im Qualifying nicht mehr aus Q2 heraus. Immerhin - nach dem Unfall haben sich die bei McLaren über ihn erhitzten Gemüter wieder halbwegs beruhigt.

Hülkenberg war in einem unglücklichen Sandwich-Szenario in der ersten Kurve ja mit Oscar Piastri und Fernando Alonso kollidiert, was auch Lando Norris aus dem Sprint riss. Von McLaren-Seite machte man Hülkenberg verantwortlich. Im Fall von Motorsportchef Zak Brown gegenüber Sky UK mit sehr harten Worten: "Richtige Amateur-Aktion. Ein paar Fahrer da vorn schießen unsere zwei Jungs ab. Ich muss das Replay noch mal sehen, aber Nico fuhr ganz klar in Oscar rein und hatte da nichts zu suchen."

Nun - Brown hat bis nach dem Qualifying das Replay noch einmal gesehen. "Ich denke, ich habe meine Meinung geändert. Das kann ich nicht wirklich auf Nico abwälzen. In der Hitze des Gefechts hat es mich natürlich aufgeregt, was ich gesehen habe, haufenweise Zwischenfälle in Kurve 1. Aber das lag nicht an Nico."

"Gut, dann sind wir ja alle einer Meinung", freut sich Hülkenberg über den Rückzieher. "Wir kämpfen alle. Fernando war da innen, ich wusste nicht genau, wo im toten Winkel er war. Dann kommt Oscar plötzlich aggressiv zurück, für den Kurvenausgang. Und da war ich leider. Bitter für uns alle."

Auch wenn McLaren-Teamchef Andrea Stella die Geschichte noch nicht ganz so kulant abgehakt hat wie sein Boss: "Nach dem Sprint sprach ich von etwas mehr Bedacht, mit dem Fahrer mit so viel Erfahrung handeln sollen, besonders wenn sie in einer guten Position sind. Das ist immer noch meine Meinung."

Hülkenberg-Highlights enden im Austin-Qualifying

Hülkenberg frustrieren die vergebenen Punkte noch: "Das Auto war stark, wären wir dort geblieben, hätten wir ziemlich sicher gepunktet. Hätte, wäre, wenn." Die zweite Chance im nachmittäglichen Qualifying konnte er nicht mehr so gut nutzen wie noch im Sprint-Qualifying am Vortag. Am Samstag änderten sich Wind und Gripverhältnisse. Der mit eher engerem Arbeitsfenster gesegnete Sauber war hierfür zu anfällig.

"Die letzte Runde war nicht so sauber, da bekam ich mehr Probleme mit der Hinterachse und im letzten Sektor ging es verloren", so Hülkenberg. Seine beste Q2-Runde war stattdessen die erste, mit gebrauchten Reifen. "Nicht ideal. Nicht normal." So blieb er auf dem elften Platz hängen, hat aber immerhin noch Chancen, um Punkte mitzukämpfen.

Deutlich weniger gut läuft es für Teamkollege Gabriel Bortoleto, mit P16 im Qualifying: "Es ist das erste Wochenende dieses Jahr, an dem ich so richtig Schwierigkeiten habe." Seit Freitag sucht er Antworten, um das Auto über eine ganze Runde stabil zu halten: "Im ersten Sektor bin ich stark, aber gegen Ende von Sektor 2 und in Sektor 3 kann ich nicht pushen. Kommt mir vor, als würde ich es dauernd verlieren, dauernd untersteuern. Ich bin einfach mit dem Auto nicht verbunden dieses Wochenende."

"Aber ich muss mich anpassen, nicht das Auto", ist Bortoleto selbstkritisch. Hülkenberg schätzt, dass es eine Frage der Erfahrung auf dem schwierigen Circuit of the Americas ist: "Es ist schwierig mit den Wellen, dem Wind. Wenn du das kennst, ist das ein Bonus. Beim ersten Mal ist das schwierig, eine Herausforderung."