Für George Russell endete das zweite Formel-1-Training in Singapur nach nur 18 Minuten in der Wand. In der letzten Schikane des Marina Bay Street Circuit verlor er das Heck seines Mercedes-Boliden und vergrub die Nase in den Wasserkanistern. Er konnte sich zwar den kurzen Weg von Kurve 16 in die Box zurückschleppen, doch der Schaden an seinem W16 war zu groß, um wieder an der Session teilzunehmen.
Wie es zu dem Unfall kam, weiß Russell selbst nicht: "Es ist ein bisschen seltsam, um ehrlich zu sein. Ich habe ein bisschen früher gebremst und bin langsamer in die Kurve gefahren, aber dann war das Heck weg", beschrieb der Brite. Auch das Team konnte noch nicht klären, was passiert war. "Wir haben noch nichts Schlüssiges gefunden. Seine Räder haben in der Runde mehrmals blockiert, da müssen wir uns noch die Details anschauen", sagte Mercedes-Kommunikationschef Bradley Lord nach dem FP2 zu ServusTV.
Ein Wermutstropfen ist, dass wenigstens nur die Front des Autos beschädigt wurde, die sich relativ leicht tauschen lässt. "Es tut mir leid für das Team, aber besser heute als morgen", zeigte sich Russell positiv. Nichtsdestotrotz ist es frustrierend, die wertvolle Trainingszeit zu verpassen. In Singapur ist das zweite Freie Training um einiges wichtiger als die anderen Sessions, denn die dort vorherrschenden Temperaturen kommen dem Qualifying und Rennen am nächsten.
Mercedes verzichtet in Singapur auf Qualifying-Simulation
Dazu kommt, dass auch das erste Freie Training für die Silberpfeile nicht ideal verlief. "FP1 war eine Herausforderung. Wir konnten die Reifen nicht auf Temperatur bringen und hatten Probleme mit der Balance. Das wurde in FP2 besser, aber es war bei weitem nicht unser bester Freitag", lamentierte Russell.
Mercedes entschied sich, in der ersten Session nur auf Hard- und Medium-Reifen zu fahren und verzichtete auf Qualifying-Simulationen. Ohne eine vergleichbare schnelle Runde auf der Tafel schaffte es Russell nur auf Platz 11, Kimi Antonelli auf Platz 14. Beiden fehlte über eine Sekunde auf die Bestmarke von Fernando Alonso. Der Plan, sich im zweiten Training auf das Qualifying vorzubereiten, fiel für Russell dank seines verfrühten Ausfalls ins Wasser.
Doch auch Kimi Antonelli schrieb den ganzen Freitag keine Runde auf den roten Reifen an. Er musste seinen ersten schnellen Versuch auf den Soft-Pneus wegen einer gelben Flagge im letzten Sektor abbrechen. "Seine Runde hätte ihn in die Top-3 gebracht", ist sich Lord sicher. Tatsächlich trennte ihn nach zwei Sektoren nur knapp eine Zehntelsekunde von Oscar Piastris damaliger Bestzeit. Danach entschied sich Mercedes, den Rookie entgegen dem restlichen Feld auf Longruns zu schicken.
Eine gewagte Strategie, denn es ist Antonellis erster Ausflug auf dem 4,927 Kilometer langen Straßenkurs. Doch der fühlte sich am Freitag wohl zwischen den engen Wänden, auch wenn seine Rundenzeit das nicht widerspiegelte. Im FP2 fehlten ihm zwei Sekunden auf Piastri. Mit einem 18. und 20. Platz im zweiten Freien Training ist es einer der schlechtesten Freitage des Jahres für Mercedes, doch die asynchronen Trainingspläne verzerren die wahren Kräfteverhältnisse.
Trotz des Ergebnisses setzt sich der Rookie große Ziele für Samstag: "Wir können noch einiges verbessern. Da ich zum ersten Mal hier fahre, gibt es natürlich auch bei meiner Fahrweise noch viel Luft nach oben. Wenn wir sowohl beim Auto als auch bei mir einen Schritt nach vorne machen können, dann haben wir eine Chance, morgen um eine gute Startposition zu kämpfen."



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