McLaren sah sich im Formel-1-Sprintrennen in Belgien gut gewappnet für den Kampf gegen Red Bull und Max Verstappen. Oscar Piastri sicherte sich am Freitag überlegen die Sprint-Pole, sein Teamkollege Lando Norris ging von Platz drei ins Rennen - zwischen ihnen: der Niederländer im Red Bull.

Die Ardennenachterbahn in Spa-Francorchamps ist jedoch dafür berüchtigt, dass die Pole nicht unbedingt die beste Ausgangslage für die Startrunde ist. Die lange Kemmel-Gerade vor Les Combes ist für Windschattenspiele prädestiniert. Gesagt, getan: Verstappen hängte sich am Start durch La Source und Eau Rouge in den Windschatten von Piastri und überholte den Australier schon in der ersten Runde vor Les Combes. Danach blockte er 15 Runden lang alle Überholversuche des WM-Führenden ab und sicherte sich seinen zwölften Sprintsieg.

"Ich habe mein Bestes gegeben, um mich auf der Geraden abzusetzen und nicht zu viel Windschatten zu geben", reflektierte Piastri die Anfahrt zur Kemmel-Geraden in Runde 1. "Aber das hat nicht funktioniert." Nach Eau Rouge und Raidillon war Verstappen nah genug am führenden McLaren dran und zog mit ordentlich Geschwindigkeitsüberschuss dank seines kleinen Heckflügels komfortabel vor Kurve 5 vorbei. Verstappen war 15 km/h schneller, wie die folgende Auswertung aus Runde 1 zeigt:

Mit größerem Heckflügel waren die Papayas wiederum im kurvigen Mittelsektor überlegen. An Verstappen führte allerdings kein Weg vorbei. "Es ist schon ein bisschen frustrierend, dass ich nicht überholen konnte", konstatierte Piastri. Jedoch ist sich der Australier bewusst: "Es ist nur der Sprint. Die wichtigen Punkte gibt es morgen." Mit dem zweiten Platz und sieben WM-Punkten verliert er nur einen Zähler auf Verstappen und macht seinerseits einen Zähler auf seinen eigentlichen WM-Rivalen und Teamkollegen Lando Norris gut.

Nicht nur der Sprint-Verlauf bringt Spannung in die Setup-Ausrichtung für den Grand Prix. Auch das Wetter hält die Ingenieure am Belgien-Wochenende in Aufruhr. Entgegen anfänglichen Prognosen kann die Königsklasse am Samstag auf trockene Bedingungen setzen. Am Sonntag ist nicht nur Regen, sondern entsprechend auch die Notwendigkeit von mehr Abtrieb und einem größeren Heckflügel wahrscheinlicher. "Das Wetter sieht für morgen schlecht aus. Da willst du nicht zu viel Flügel wegnehmen. Ich will aber nicht wiederholen, was wir gerade hatten", so Piastri.

Lando Norris belauert "Wartespiel" nach Fehler

Lando Norris im McLaren
Lando Norris blieb nicht mehr als der dritte Platz übrig, Foto: Horst Bernhardt / Speedpictures

Auch Lando Norris wurde Verstappen nicht gefährlich. Nach dem Start ging es sogar einen Schritt zurück für den Briten. Ferrari-Pilot Charles Leclerc sog sich auf der Kemmel-Geraden heran und quetschte sich in Kurve 5 auf der Außenbahn vorbei. "Ich hätte mich besser positionieren können, damit Leclerc nicht überholen kann", gab Norris zu. Wie Verstappen nutzte auch Norris die lange Kemmel-Gerade, um sich in Runde 4 den dritten Platz von Leclerc zurückzuholen.

Norris gelang es in der Folge, sich an das Führungsduo heranzuarbeiten, er fand seinerseits aber auch keinen Weg vorbei. "Es wäre schwer gewesen, Max [Verstappen; d. Red.] zu überholen. Er hat sich gut positioniert", zollte der WM-Zweite dem Sprintsieger Respekt. "Ich habe gehofft, dass sie sich gegenseitig duellieren, aber Red Bull ist auf der Geraden einfach zu schnell gewesen." Mitverantwortlich dafür war Verstappens Energie-Management, das er je nach Abstand Piastris angepasst hatte. Wie in der Grafik zu sehen, nutzt der Niederländer etwa in Runde 11 bis zum Ende ihn die volle Energie. Bei anderen Umläufen wird er bereits vorher langsamer.

Ohne den schier unüberholbaren Verstappen hätte auch Norris eine starke Pace abliefern können. Über eine Zehntelsekunde schneller als Verstappen sicherte er sich die schnellste Rennrunde im Sprint. "Nachdem ich Charles [Leclerc] überholt hatte, war es wie ein Wartespiel, um zu sehen, ob etwas passiert. Aber es passierte nichts", schilderte der Drittplatzierte.

Insbesondere Piastri brillierte am Spa-Freitag mit einem Streckenrekord und wies die Konkurrenz auf dem Circuit de Spa-Francorchamps in die Schranken. Für das Qualifying ist der 24-Jährige deshalb positiv gestimmt: "Das Qualifying ist mega hier. Ich freue mich auf ein paar gute Runden heute Nachmittag."

Nicht nur McLaren hat Schwierigkeiten, Red Bull und Verstappen gefährlich zu werden. Bei Mercedes und Ferrari lief es am Spa-Freitag überhaupt nicht. Bringt das Ferrari-Update nichts? Hier alle Neuigkeiten im Video:

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