McLaren meldete sich zwei Wochen nach dem kleinen Durchhänger in Kanada mit einem äußerst starken Qualifying in Österreich wieder zurück. Besonders durch Lando Norris, der der Konkurrenz mit einer 1:03,971 über eine halbe Sekunde zum Nachdenken gab. Dabei, so analysiert das Team, spielte der Fahrer sicher eine Rolle. Aber es gibt auch gute technische Gründe. Vor denen sich die Gegner wohl fürchten könnten.
"Es ist eine Kombination an Faktoren", meint Teamchef Andrea Stella am Samstagabend in Österreich. Zuerst einmal ist es sehr wohl eine vorteilhafte Streckencharakteristik des Red Bull Ring: "In ein paar Kurven konnten wir hier sehen, dass unser Auto signifikantes Tempo halten kann, und das hängt denke ich damit zusammen, in welcher Hinsicht unser Auto von einer Entwicklungsperspektive optimiert ist."
Die Kurven mit kurzen Radien scheinen dem MCL39 in Österreich in die Hände zu spielen. Da kommt nun der Faktor Fahrer ins Spiel: Norris lieferte in den langsamen Kurven 3 und 4 eine brutale Vorstellung ab, gewann dort über drei Zehntel. Das ist nicht nur das Auto, meint Stella: "Lando ist definitiv ein kleiner Österreich-Spezialist."
McLaren-Updates schlagen in Österreich voll ein
Das bringt Stella zum dritten Faktor: "Es ist ein Fakt, dass wir hier auch Upgrades geliefert haben." Auf einen neuen Frontflügel in Kanada folgte in Österreich eine neue Verkleidung der Vorderradaufhängung plus neue vordere Bremskühlschächte. Die Teile arbeiten in einer Einheit - ein "System-Upgrade", wie es Stella nennt. "Das hat uns erlaubt, das Auto aerodynamisch effizienter zu machen. Genauer gesagt haben wir so mehr Grip bei bestimmtem Luftwiderstand."
"Es war nicht leicht, bei einem jetzt schon so guten Paket wie dem MCL39 Verbesserungen zu finden", lobt Stella seine Aerodynamiker. Die extreme Dominanz von Norris hat aber noch einen zusätzlichen Update-Faktor - nämlich die in Kanada erstmals eingeführte neue Vorderachs-Geometrie.
McLaren feiert Fortschritt auf der Suche nach besserem Feeling
Der MCL39 ist seit Saisonbeginn für ein stumpfes Gefühl der Vorderachse bekannt, was vor allem Norris Probleme bereitete. Das Lenkgefühl stumpfte ab, wenn die Vorderreifen nahe dem Blockieren sind - und im Qualifying-Trimm fährt man ein Formel-1-Auto am Limit immer nahe am Verbremser, erklärt Stella: "Normalerweise nützen die Fahrer hierfür Hinweise aus verschiedenen Quellen, und die Lenkung ist eine davon."
"Wir wollen unseren Fahrern auf der Bremse ein besseres Gefühl dafür geben, was passiert", verdeutlicht Stella. Das Kanada-Update ist hier kein Performance-Update, sondern quasi eine zusätzliche Setup-Option, die das Gefühl leicht ändert. "Für sich genommen erhöht es den verfügbaren Grip nicht", sagt Stella. Norris bevorzugt das Gefühl der neuen Vorderachse, Oscar Piastri das der alten.
Für Norris kommt das genau richtig, zeitgleich scheint er ohnehin in Form zu kommen: "Er stand in Monaco auf Pole, er war bis zur Wandberührung in Kanada auf Kurs zur Pole, und hier hat er eine sehr überzeugende Pole eingefahren." So sind in Österreich jetzt wieder beide McLaren an der Spitze des Feldes zu finden, und die Konkurrenz fürchtet schon ein Schaulaufen im Rennen.
Aber Stella warnt: "Das war bloß mit neuen Reifen, mit leeren Tanks, im Qualifying. Jetzt werden wir sehen, wie es im Rennen aussieht." Wobei die Update-Party noch nicht ganz vorbei ist: "Das ist der erste Teil mehrerer Updates, die wir in zukünftigen Rennen anliefern werden. Dann aber kommen so ziemlich nur mehr kleine Dinge für den Rest der Saison." Dann zählt nur mehr 2026.
Oscar Piastri kam in Österreich aber nicht nur nicht mit Lando Norris mit, er blieb sogar in der zweiten Startreihe hängen. War das jedoch nur Pech mit gelben Flaggen? So erklärt Piastri seinen ernüchternden dritten Platz:



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