Letztendlich stehen 0,302 Sekunden bei Max Verstappen. So groß ist sein Rückstand auf Polesetter Oscar Piastri im Qualifying der Formel 1 in Spanien. Ein dritter Platz ist nach einem bislang guten Barcelona-Wochenende und mit einer guten Auto-Balance dann doch eine Ernüchterung. Als es drauf ankommt, kann der Red Bull die Performance auf eine Runde nicht abrufen. Das weckt bei Verstappen auch für das Rennen Zweifel.

Verstappen hatte es vorab schon geahnt, dass das nichts wird: "Es war in Ordnung. Ich war denke ich konstant gleich weit weg. Q1, Q2, Q3." In Q1 fehlten Verstappen 0,247 Sekunden auf Piastri, in Q2 0,360 Sekunden, und in Q3 waren es schließlich eben 0,302 Sekunden. Der erste Sektor und der Soft-Reifen vertragen sich beim Red Bull einfach nicht.

Verstappens Problem-Sektor: Erste Barcelona-Kurve lässt verzweifeln

Über zwei Zehntel gingen in den ersten vier Kurven verloren. "Je höher die Temperaturen und je langgezogener die Kurven, umso schwerer bauen wir Grip auf", erklärt Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko gegenüber Motorsport-Magazin.com. Wenn der RB21 erst einmal auf Touren kam, ging es deutlich besser. Im letzten Sektor war Verstappen in Q3 dann sogar Schnellster.

Aber der erste Sektor wiegt schwer. "Die erste Kurve war nie wirklich gut, obwohl ich verschiedene Ansätze versucht habe, da schien ich nie Grip zu finden", ärgert sich Verstappen. Stärker bremsen, früher ans Gas gehen, nichts schien zu helfen. Deshalb war er im ersten Q3-Versuch auch so weit weg. Der Griff nach dem letzten Strohhalm: "Wir haben eine andere Outlap versucht. Das hat nicht geklappt." Trotzdem waren die Reifen nicht im Arbeitsfenster.

"Sonst war es gut, das Auto ist in einem guten Fenster", unterstreicht Verstappen den guten Balance-Eindruck des Freitages. Marko wundert sich nur, wieso man im ersten Sektor partout keinen Grip aus dem Soft bekam: "Für die Sektor-3-Bestzeit muss der Reifen gehalten haben. Das sind Ungereimtheiten. Wir verstehen immer noch nicht, warum wir auf dem Medium richtig wettbewerbsfähig waren und auch die Longruns gut waren."

Red Bull baut auf gute Barcelona-Rennpace, doch Qualifying lässt zweifeln

Dass der Reifen aber die ganze Runde durchhielt und sogar die Bestzeit im letzten Sektor ermöglichte, stimmt besonders Marko für das Rennen zuversichtlich. Schon am Freitag hatte sich Verstappen in den Longruns gut mit den McLaren gematcht: "Und wir haben alle Reifensorten für morgen." Bei noch unklarer Lage bezüglich einem oder zwei Stopps sieht sich Red Bull da im Vorteil.

Außerdem ist der Weg zur ersten Kurve mit über 600 Meter in Barcelona unglaublich lang. "Zeit für mich, in der ersten Kurve zu glänzen, zu dritt rein, für die Fotos!", grinst Verstappen nach dem Qualifying in der Pressekonferenz. "Warum nicht!" Er mag noch scherzen, aber die erste Kurve war besonders zwischen ihm und Polesetter Oscar Piastri schon zwei Mal in diesem Jahr ein Hotspot, der den Sieg entschied.

Zuletzt setzte sich Verstappen von P2 kommend in Imola durch. In Barcelona ist P3 bis zu einem gewissen Grad sogar ein Vorteil, weil man auf doppelten Windschatten der Fahrer in der ersten Reihe bauen kann. Einmal in Führung, hätte Verstappen saubere Luft und könnte die am Freitag starke Rennpace voll ausspielen. Nach dem Qualifying bremst er aber den Enthusiasmus diesbezüglich: "Wenn du dir heute die Lücke anschaust, dann wird das morgen schwer werden, einen guten Fight zu liefern."