Was tun mit dem zweiten Formel-1-Cockpit bei Alpine? Jack Doohan wurde nach sechs Rennen degradiert, sein Nachfolger Franco Colapinto hat nur einen befristeten Vertrag bekommen. Alpines Chefberater und Interim-Teamchef Flavio Briatore will 2025 als Testlauf nutzen, auch bei den Fahrern. Könnte das eventuell wieder eine Tür für Mick Schumacher öffnen? Ein schwieriges Thema, in einer turbulenten Pressekonferenz mit Briatore.

Schumacher ist seit dem Vorjahr beim Alpine-Konzern unter Vertrag, aber als Einsatz-Pilot in der Langstrecken-WM. Anwärter auf das F1-Cockpit war er schon vor 12 Monaten gewesen, hatte aber intern gegen Jack Doohan den Kürzeren gezogen. Doohan wurde wiederum in Imola gegen den erst im Winter verpflichteten Colapinto ausgetauscht, dessen Platz auch nicht sicher ist.

Chefberater Flavio Briatore, der nach dem Ausscheiden von Oliver Oakes bei Alpine jetzt klarer Alleinherrscher ist, will nun aussortieren. So viel stellt er in einer sonst turbulenten und verworrenen Pressekonferenz klar - zum ersten Mal war Briatore in Barcelona nämlich wieder in der offiziellen FIA-Pressekonferenz gesessen, nachdem er 2009 den Teamchef-Posten bei Renault nach dem Crashgate-Betrugsskandal hatte räumen müssen.

"Wir müssen eine Sekunde warten, bevor wir Franco bewerten", stellt Briatore in Spanien klar. Die offiziell mit fünf Rennen kommunizierte Vertragsdauer hatte Briatore in Interviews schon in Imola nicht wirklich als harte Deadline gesehen.

Wie lange bleibt Franco Colapinto im Alpine-Cockpit?

Wie lange Colapinto also fix im Auto sitzt? Briatores Antworten in der Pressekonferenz in Barcelona sind zum Fahrerthema ein wilder Ritt. "Rennen? Ich weiß nicht. Ich sag' es nie. Wir schauen uns Colapintos Performance an, wenn er das Auto fährt. Wenn er nicht abliefert, dann werden wir sehen. 2025 ist ein Jahr, in dem wir uns für 2026 vorbereiten. Welche Experimente ich auch machen muss - ich werde sie machen."

Pressekonferenz mit Christian Horner (Red Bull) und Flavio Briatore (Alpine)
Flavio Briatore in seiner ersten offiziellen F1-Pressekonferenz seit 2009, Foto: IMAGO / PsnewZ

Dass dazu ein Absägen von Colapinto gehören kann, daran lässt Briatore keine Zweifel: "Aktuell weiß ich nicht, ob Franco die ganze Saison bleibt oder nicht. Hängt von der Performance ab. Aber wir schauen auf die Performance. Sonst auf nichts." Dann stellt sich die Frage, wer nach ihm im Auto sitzen würde.

So wurde Briatore schließlich am Freitag in Spanien auf Mick Schumacher angesprochen. Das F1-Urgestein Briatore hat nicht zuletzt auch eine lange Verbindung mit dem Namen Schumacher. Für Vater Michael setzte er 1991 Himmel und Hölle in Bewegung, um ihn zu seinem damaligen Team Benetton zu lotsen. 1994 und 1995 gewann das Duo Schumacher und Briatore zwei Fahrer-Titel.

Wilder Briatore-Ritt: Schumacher? Nächste Frage! Gasly? Keine Ahnung

Aber Mick Schumacher? "Nächste Frage!", kommt bloß von Briatore. Bitten einer Klarstellung verweigert er sich: "Ich will nicht darüber sprechen." Die logische Wahl wäre Schumacher wohl eigentlich sowieso nicht, schließlich hatte er bereits vor einem Jahr gegen Jack Doohan den Kürzeren gezogen. Aktuell hat Alpine mit Paul Aron immer noch einen Test- und Simulatorfahrer auf der Ersatzbank.

Wer Briatore am Freitag in Barcelona aber zuhörte, der wurde sowieso auf einen wilden Ritt mitgenommen. Selbst seinen etablierten Stammfahrer Pierre Gasly wollte Briatore lieber nicht zu sehr loben. Oder überhaupt: "Wenn du kein wettbewerbsfähiges Auto hast, dann ist es sehr schwer zu verstehen, wo du mit deinem Fahrer stehst."

"Der Fahrer braucht die Balance im Auto, um wettbewerbsfähig und stark zu sein, und momentan ist es schwierig, Gaslys Level zu verstehen, wenn du ihm kein wettbewerbsfähiges Auto gibst", lautet Briatores Fazit. "Bauen wir erst einmal ein wettbewerbsfähiges Auto, und dann sehen wir, wo wir mit dem Fahrer stehen."