Auf dem Weg zum Podium streckt er für die Fotografen demonstrativ den Daumen nach oben. Wieder ein dritter Platz, wieder Big Points in der Fahrerweltmeisterschaft. George Russell ist nach dem Grand Prix in China zufrieden. Ein völlig anderes Bild zeigt sich fünf Rennen später im Fürstentum von Monaco. Im Qualifying musste Russell seinen W16 aufgrund eines elektronischen Problems ausgelöst aufgrund einer Bodenwelle abstellen.

Danner verteidigt Russell-Manöver in Monaco

Im Rennen verstieß Russell mit den Worten "Scheiß drauf" absichtlich gegen die Regeln und kassierte freiwillig eine Strafe, um dem Bummelzug angeführt von Williams-Pilot Alex Albon zu entgehen. "Er wollte damit das 'erratic driving' [unberechenbare Fahrweise; Anm. der Red.] von Williams aufzeigen, sprich, dass ihre Fahrweise gefährlich ist. Das geht am besten, wenn man den Gegner überholt – in diesem Fall die Strecke verlässt – und sofort wegfährt. Ich finde, das ist Russell gelungen", verteidigte Christian Danner das Manöver von George Russell.

Am Ende verließ der Brite Monaco trotzdem ohne Punkte. In der Fahrerwertung liegt er – wie auch nach dem China GP - auf dem vierten Platz, allerdings beträgt sein Rückstand auf WM-Leader Oscar Piastri bereits 62 Punkte. In der Konstrukteurswertung ist Red Bull bis auf vier Punkte an Mercedes herangekommen. "Der Druck auf Mercedes ist immer da", weiß der Formel-1-Experte. Vielmehr als die Nullnummer beim Monaco-GP geben Danner die Schwierigkeiten von Mercedes eine Woche zuvor in Imola zu denken. Bereits auf dem Weg zur Startaufstellung hatte Russell das Gefühl, dass am W16 irgendetwas kaputt sei.

Mercedes: Fragezeichen hinter Reifenproblemen

Die Mercedes-Ingenieure konnten allerdings nichts finden. Nach etwa einem Drittel des Rennens funkte Russell die Befürchtung, dass die Spurstange am Wagen gebrochen ist. Doch die Daten widersprachen seiner Befürchtung. Vielmehr kämpfte der Mercedes-Bolide aufgrund der relativ hohen Streckentemperaturen mit Überhitzung an der Hinterachse. "Das machte es schwierig, die Reifen im richtigen Fenster zu halten, was sich in unserer Pace widerspiegelte. Im Hinblick auf unsere Pace war heute wahrscheinlich der schlechteste Tag seit Jahren für das Team", resümierte Russell nach dem Rennen in Imola.

George Russell und Kimi Antonelli stecken hinter Willams fest
Rundenlang hing Russell hinter Williams fest, Foto: IMAGO/PsnewZ

Danner gibt ihm Recht: "Was wir in Imola gesehen haben, war wirklich bitter.“ Doch nach Imola ging es Schlag auf Schlag – erst Monaco, jetzt Spanien. Mercedes gab zwar an, das Auto einer gründlichen Fehleranalyse zu unterziehen, doch Danner gibt zu Bedenken, dass das Problem gravierender sein könnte. "Die Hinterreifen erzeugen zum einen durch die Kraftübertragung, zum anderen durch die Bremsscheiben extreme Hitze. Das richtig zu steuern, ist das Geheimnis eines modernen Formel-1-Autos im Sinne des Reifenmanagements. Wenn Mercedes da einen Fehler drin hatte, dann gibt es für Barcelona Hoffnung. Wenn da kein Fehler drin war, dann wird es bei Mercedes auf mittelmäßigem Niveau weitergehen."

Williams zu langsam? Danner: Hätte es wie Russell gemacht! (04:16 Min.)