Neun der zehn Formel-1-Teams haben in dieser Saison bereits WM-Punkte eingefahren. Nur Alpine steht noch mit null Zählern da. Abgeschlagen auf dem letzten Platz der Konstrukteurswertung, beträgt der Rückstand zum Vorletzten Sauber bereits sechs Punkte, da Nico Hülkenberg für die Schweizer Mannschaft im ersten Rennen in Australien ein Top-Resultat holte. Bei Alpine war hingegen P11 von Pierre Gasly in Melbourne das Maximum.

Nach dem starken Endspurt von Alpine im vergangenen Jahr, der das Team aus Enstone bis auf P6 in der Konstrukteurswertung gebracht hatte, lagen die Erwartungen für diese Saison entsprechend hoch. "Ich denke nicht, dass die aktuelle Situation die wahre Performance des Autos widerspiegelt", bilanziert Gasly im Vorfeld des vierten Saisonrennens in Bahrain. Der Franzose argumentiert, dass die Königsklasse in diesem Jahr noch einmal enger zusammengerückt sei.

Das Ergebnis werde im Qualifying sichtbar: "Letzte Woche haben wir Q3 um vier Hundertstel verpasst. Gleichzeitig waren wir nur sechseinhalb Zehntel weg von der schnellsten Runde", blickt Gasly auf das Japan-Qualifying zurück. Im vergangenen Jahr hätte in Suzuka der Rückstand auf die Bestzeit noch für den Q3-Einzug gereicht. "Das Feld liegt extrem eng zusammen. Es gibt nicht ein einziges Auto ohne eine ordentliche Performance", so Gasly.

Alpine kämpft mit Power-Problemen beim Renault-Aggregat

Alpine-Fahrer Pierre Gasly im Parc Ferme
Mit schwächerer Power Unit hat Alpine insbesondere auf Vollgas-Kursen einen Nachteil, Foto: IMAGO / Every Second Media

Im Kampf um WM-Punkte macht Alpine vor allem der Renault-Motor zu schaffen. Gasly und Jack Doohan lassen ihre Zeit zwischen den Kurven liegen - dort, wo die Power Unit am meisten gefragt ist. Die Verluste können nur mit einer Verringerung des Luftwiderstands angegangen werden. Das würde dann allerdings den Abtrieb und die Kurven-Performance beeinträchtigen. Pierre Gasly: "Das ist ein berechtigtes Urteil. Es gibt Möglichkeiten, den Top-Speed auf den Geraden zu erhöhen. Im Moment bleibt uns nur, den Heckflügel zu reduzieren."

Entsprechend muss Alpine den Kompromiss eingehen und den Top-Speed auf den Geraden gegen die Abtriebsverluste in den Kurvenpassagen abwägen - keine Hilfe im Kampf um wichtige Konstrukteurspunkte gegen Williams und Co. "Es ist aber nicht so, dass wir in einer chancenlosen Position sind", betont Gasly. "Es wird wichtig sein, dass wir alles aus dem Paket herausholen." Viel Spielraum zur Verbesserung gibt es nicht, Alpine kämpft lediglich um eine Zehntelsekunde. Doch dieser kleine Unterschied könnte über den Einzug in Q3 entscheiden.

Im Detail geht Gasly nicht auf die Power Unit ein, allerdings verriet er: "Wir kennen genau unsere Stärken und die Bereiche, in denen wir vermutlich eingeschränkter sind als andere." In der vergangenen Saison zog Alpine deshalb auf Motoren-Seite endgültig den Schlussstrich. Nach der bereits beschlossenen Schließung der Motorenfabrik in Viry-Châtillon kam die Verkündung, dass der französische Rennstall ab 2026 die Power Unit von Mercedes beziehen wird.

Den Mercedes-Motor bezieht auch McLaren. Probleme mit der Power Unit hat das Team zwar nicht, allerdings fehlt dem Konstrukteurs-Weltmeister die Brutalität im WM-Kampf gegen Max Verstappen, wie Formel-1-Experte Christian Danner hier im Video erklärt:

Stallregie? Danner: McLaren fehlt Brutalität gegen Verstappen! (07:02 Min.)