Die Heckflügel-Saga rund um das Mini-DRS von McLaren, die seit dem Baku-Rennen die Formel 1 beschäftigt, sollte mit dem Eingreifen der FIA am Freitag eigentlich ausgestanden sein. Der Motorsport-Weltverband kündigte an, dass McLaren leichte Adaptionen an seinem Heckflügel vornehmen wird, um die leichten Biegungen unter hoher Geschwindigkeit zu stoppen.
Doch aus der Welt ist das Thema damit noch nicht. Während die Konkurrenz sauer ist, hat Teamchef Andrea Stella dafür nur ein müdes Lächeln übrig und glaubt, dass die Diskussionen um die Legalität seines Boliden der Mannschaft aus Woking sogar in die Hände spielen könnten. "Ich als McLaren-Teamchef finde, dass es gute Nachrichten sind, wenn unser Heckflügel so viel Aufmerksamkeit erhält, denn das bedeutet, dass sich unsere Konkurrenten nicht auf sich selbst fokussieren" so Stella.
Andrea Stella: Die anderen verschwenden ihre Zeit
Anstatt daran zu arbeiten, ihr eigenes Auto zu verbessern und die eigenen Probleme auszumerzen, habe die Konkurrenz vermehrt nur den Heckflügel der Papaya-Orangen im Blick, ist er sich sicher: "Zeit und Energie ist begrenzt und sie benutzten ihre Zeit und Energie, um etwas zu verfolgen, dass meiner Meinung nach nur falsche Fährte ist."
"Sie stecken Arbeit rein, führen Analysen durch und sprechen mit der FIA", zählt er auf. "Wir versuchen uns weiter auf uns selbst zu fokussieren. Wir wollen technische Lösungen finden, die die Regeln ausloten, aber mit dem Reglement zu vereinbaren sind. Falls die anderen sich lieber ablenken lassen, dann können sie das ruhig gerne weiter machen. Das sind für uns nur gute Nachrichten", erklärt er seine Philosophie.
In Woking habe er der Belegschaft schon öfters dieses Prinzip eingebläut, wie der Italiener erklärt. Ganz ohne Zeitverlust zieht das Heckflügel-Thema aber wohl auch an McLaren nicht vorbei. Denn schließlich musste sich das Team dadurch mit der FIA auseinandersetzen und sogar leichte Anpassungen vornehmen. "Wir wollten proaktiv mit der FIA in Verbindung treten, als es so aussah, als ob das eine große Geschichte wird. Wir wollten transparent machen, dass wir Veränderungen vornehmen", beschrieb Stella das Vorgehen von McLaren.
Revanchiert sich McLaren bei Red Bull und Co für die Vorwürfe?
"Aus Sicht der Performance wird es keine großen Konsequenzen geben", ist er sich sicher. Die Revanche gegen die Konkurrenz, die McLaren bei den Regelhütern angeschwärzt hatte, folgt auf dem Fuß: "Das gab uns die Möglichkeit die FIA daran zu erinnern, dass wir auch unsere Sorgfaltspflicht beachten, indem wir andere Leute studieren. Wir haben der FIA mitgeteilt, was wir denken, was dort passiert."
In anderen Worten: Andere Teams spielen in den Augen von McLaren auch am Rande der Legalität oder möglicherweise sogar darüber hinaus und die FIA sollte auf diese "nicht so sichtbaren Probleme" vermehrt ein Auge werfen. Um welche Rennställe es sich dabei handelt und welche technischen Spitzfindigkeiten Stella damit meint, wollte er in Bezug auf "Vertraulichkeit" nicht weiter erörtern.
"Ich will nicht, dass meine Leute bei McLaren zu Rennen gehen und denken, dass andere nur gewinnen, weil sie eine bessere Lösung haben", schloss Stella wieder an seine ursprüngliche Philosophie an, wonach das Breittreten technischer Verstöße der Konkurrenz nur Ablenkung sei. Im Moment gibt es für die britische Mannschaft ja auch kaum einen Grund dazu, sich etwas bei der Konkurrenz abzuschauen - denn auch im Singapur-Qualifying war keiner schneller als Lando Norris.



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