Der Trainingsfreitag in Monza ging ohne Red-Bull-Beteiligung an der Spitze zu Ende. Ganz im Gegenteil: Während Lewis Hamilton knapp vor Lando Norris und ähnlich knapp vor Carlos Sainz, Oscar Piastri und Charles Leclerc die Spitzenposition einnahm, landeten Max Verstappen und Sergio Perez abgeschlagen auf den Rängen 14 und 15.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die schlechten Positionen der beiden Bullen kamen nur deshalb zustande, da beide keine vergleichbare schnelle Runde auf den weichen Reifen durchzogen. Die Stimmung im Red-Bull-Lager ist nach dem Trainingsfreitag deshalb angesichts der Positionen überraschend optimistisch. "Wir sind besser, als wir aussehen", ist Motorsportberater Dr. Helmut Marko überzeugt.

Max Verstappen: Parabolica-Problem verhindert schnelle Runde

"Auf der Qualifying-Simulation hatte Max einen Rutscher in Parabolica. Bis dahin lag er nur zwei Zehntel hinter Norris", so Marko. Die Daten geben ihm recht, Verstappen lag tatsächlich vor der Einfahrt in die letzte Kurve der 5,793 Kilometer langen Strecke nur 0,26 Sekunden hinter der Bestzeit. Umgerechnet käme das auch nur P6 gleich.

Doch auf dafür glaubt Marko eine Erklärung parat zu haben: "Wir fuhren nicht mit unserer normalen Motorleistung", behauptet der Österreicher. Eine Erklärung, die er in den letzten Monaten wiederholt nach schwachen Trainings heranzog, dennoch konservierte die Konkurrenz – vor allem bei McLaren – öfters den Freitags-Vorsprung für das restliche Wochenende. Der Red-Bull-Berater ist sich trotzdem sicher: "Wir sind viel besser als in Zandvoort." Dort war das Verstappen-Team im Rennen pacemäßig nur die dritte Kraft.

Red Bull baut auf den Longrun; Nur das Graining bereitet Sorgen

Was in Monza für Optimismus sorgt, ist der Longrun. Verstappen fasste zusammen: "Wir haben heute einige Dinge ausprobiert. FP2 hat sich anfangs nicht gut angefühlt, aber dann auf dem Longrun sahen wir etwas konkurrenzfähiger aus." Marko erkannte ein ähnliches Muster. Seine Bilanz: "Bis das Graining startete, waren wir im Longrun sehr konkurrenzfähig."

Besonders viele Sorgen bereitet ihm die Reifenkörnung allerdings nicht, und zwar aus zwei Gründen. "Das Graining begann nach fünf bis sieben Runden, aber erst als er langsamer machte. Solange er voll fährt, ist das Problem gelöst", sagte Marko. Erst in der Folge machten sich die bekannten Handling-Probleme am Red Bull wieder bemerkbar. Sowohl Perez als auch Verstappen hatten außerdem einen Verbremser zu verzeichnen.

Der zweite Grund ist die Strecke an sich. Der frisch asphaltierte Kurs in Monza erwies sich am Trainings-Freitag noch als sehr grün. Aber Marko ist davon überzeugt, dass er schnell Grip aufbauen wird. Denn neben der Formel 1 fahren mit der F2 und F3 auch zwei mit Pirellis bereifte Nachwuchsserien an diesem Wochenende, die jeweils Grip auf die Strecke bringen werden. Je mehr Grip auf der Streckenoberfläche, desto geringer ist das Graining-Risiko.

"Wir bewegen uns mit dem Setup in eine gute Richtung", ist sich Verstappen sicher. "Vier Marken sind vorne mit von der Partie", prognostiziert Marko mit Blick auf Mercedes, McLaren, Ferrari und Red Bull. Ein wirklicher Favorit für das restliche Rennwochenende hat sich dabei noch nicht herauskristallisiert.

Sergio Perez von Problemen geplagt: Getriebewechsel und schlechtes Setup

Ob Sergio Perez in diesem Hersteller-Vierkampf vorkommt, darf angesichts der letzten Monate bezweifelt werden. Für seine Probleme im zweiten Training in Monza konnte er laut eigener Aussage jedoch wenig. Denn nach einem Getriebe-Wechsel startete der Mexikaner erst mit einiger Verspätung in die Session und kämpfte auch dort noch mit einem mechanischen Folgeproblem.

"Wir hatten immer noch ein paar Probleme, weil alles so schnell erledigt wurde", so Perez. Diese sollten bis morgen auskuriert sein. Während des Longruns hatte er genauso wie sein Teamkollege ein gutes Gefühl, auch wenn das allgemeine Setup noch nicht so richtig saß: "Wir waren noch im Nirgendwo mit dem Setup, das Fahrgefühl änderte sich jede Kurve."