88 Punkte: Kein Team der Formel 1 hat in den letzten drei Rennen mehr Punkte geholt als McLaren. Die Konkurrenz von Ferrari (65) und Red Bull (62) kann in diesem Zeitraum nicht die 70er-Marke knacken. Aber es gibt einen Wermutstropfen: Bei allen drei Rennen wurde ein McLaren knapp Zweiter, doch ein Sieg wollte einfach nicht gelingen. Besonders beim letzten Grand Prix in Kanada wurde eine Chance vertan. An der Spitze geht es mittlerweile um die Details.

Verlorener Kanada-Sieg tut Norris weh: Geht nicht mehr um Platz 9 oder 10

"Wenn du um Platz 10 kämpfst und es vielleicht um Platz 9 geht, dann denkst du dir, okay, das sind ein oder zwei Punkte. Aber wenn man Zweiter wird und denkt: Ich hätte ein Rennen gewinnen müssen...", ärgert sich Lando Norris vor dem Spanien-GP. Noch einmal will er das nicht zulassen: "Es tut ziemlich weh, aber gleichzeitig ermutigt es uns auch, denn mit dem Wissen, dass wir hätten gewinnen müssen, gehen wir motivierter in das nächste Rennwochenende und wollen versuchen, das letzte Rennen wieder gut zu machen."

McLaren-Fahrer Lando Norris im Paddock
Lando Norris hadert mit dem Kanada Grand Prix, Foto: LAT Images

Der Kampf um den Sieg ist für die Formel 1 zuletzt wieder so etwas wie Neuland. Bis vor kurzem kannte die Königsklasse quasi nur einen Sieger. Das ruft auch Norris in Erinnerung: "In den letzten vier, drei Jahren konnte sich Max [Verstappen] wahrscheinlich viele Fehler erlauben und trotzdem leicht gewinnen. Und das Team [Red Bull] hat vielleicht Fehler gemacht und er konnte trotzdem leicht gewinnen." In Kanada gab es aber das gegenteilige Bild: "Er hätte letztes Wochenende in Montreal nicht gewinnen sollen, aber er war wahrscheinlich einfach der konstanteste Fahrer im Rennen. Er und sein Team haben die wenigsten Fehler gemacht."

Kanada hat erneut bewiesen: McLaren muss bei allen Details Spitze sein

McLaren und Norris patzten bei der Strategie: "Wenn man an das Safety-Car denkt, hätten wir an die Box gehen müssen. Dadurch haben wir die Führung verloren. Ich habe eine Chance verloren, um den Sieg zu kämpfen." Aber nicht nur sie. Auch auf einen weiteren Konkurrenten weist der Brite hin: "George [Russell] hatte das schnellste Auto und war das ganze Wochenende über extrem gut unterwegs. Von der Pace her gesehen, und wenn er nicht ein paar Fehler gemacht hätte, hätte er wahrscheinlich auch eine Chance gehabt, das Rennen zu gewinnen."

Montreal war nur eine weitere Bestätigung dessen, was Norris als Marschroute ausgibt: "Wir haben es immer gewusst. Es ist nicht so, dass wir einfach ein besseres Auto haben und dann losfahren und alles andere vergessen können. Jetzt ist es sogar noch wichtiger, die richtige Strategie zu finden und die kleinen Dinge richtig zu machen. Denn am Ende des Tages, wenn die Autos von der Pace her so ähnlich sind, machen diese Dinge einen großen Unterschied aus."

Oscar Piastri: Man darf in der Formel 1 keine Fehler machen

Teamkollege Oscar Piastri erinnert daran, dass diese Situation nicht nur für die junge Fahrerpaarung, sondern auch für das Team ungewohnt ist: "Deine Fehler kosten etwas mehr. Du kämpfst gegen Teams, die - im Falle von Red Bull, Ferrari und Mercedes - im Grunde schon seit einem Jahrzehnt an der Spitze stehen. Wir sind erst vor kurzem an die Spitze zurückgekehrt, also sind wir in gewisser Weise weniger erfahren als andere."

Das letzte Mal fuhr McLaren in der Saison 2012 regelmäßig um Siege. Damals saßen mit Lewis Hamilton und Jenson Button aber auch zwei Fahrer im Auto, die bereits Weltmeister waren und zahlreiche Rennen gewonnen hatten. Als Ausrede will Piastri die mangelnde Erfahrung an der Spitze aber nicht gelten lassen: "Man darf keine Fehler machen. Man darf niemandem eine kleine Chance geben, denn es gibt Leute, die sie nutzen, und das kostet uns."

McLaren-Fahrer Oscar Piastri in der Pressekonferenz
Mangel an Erfahrung ist für Oscar Piastri keine Ausrede, Foto: LAT Images

Trotz aller Details muss am Ende aber natürlich auch noch die Leistung des Autos stimmen. Was das angeht, haben die McLaren-Piloten vor Barcelona Vertrauen in den MCL38. "Ich denke, wir sollten ziemlich zuversichtlich sein, dass wir dabei sind", gibt Piastri an. Norris ist ebenfalls zuversichtlich: "Wir waren bisher in allen Rennen gut, also erwarte ich nicht, dass sich die Dinge allzu sehr ändern werden. Ich erwarte nur, dass es mit Ferrari und Red Bull sehr eng zugeht." Womit wir dann wieder bei den Details wären.