Dr. Helmut Marko ist seit mehr als 18 Jahren der starke Mann bei Red Bull. In welcher Funktion genau der Österreicher beim Team angestellt ist, kann er allerdings nicht genau sagen. "Ich habe erst seit kurzem einen Vertrag und da ist kein Titel drinnen", gestand Marko im Interview mit Motorsport-Magazin.com . Der genaue Titel ist aber auch nicht so wichtig, denn der studierte Jurist, ehemalige Rennfahrer und Unternehmer lässt die Erfolge für sich sprechen.

Denn seitdem Dr. Marko im Jahr 2005 eine tragende Rolle beim Formel-1-Team des Brauseherstellers aus Fuschl am See übernommen hat, konnte Red Bull in verhältnismäßig kurzer Zeit beachtliche Erfolge feiern. Mittlerweile ist das einstige Jaguar-Team in den elitären Kreis der Teams mit 100 Grand-Prix-Siegen aufgestiegen. Fünf Konstrukteurs-Titel durfte Red Bull ebenfalls feiern, ein sechster wird nach der Saison 2023 höchstwahrscheinlich dazu kommen. Doch wie lange kann das Traumpaar Marko und Red Bull noch zusammenarbeiten, vor allem angesichts seines mittlerweile fortgeschrittenen Alters von 80 Jahren?

Diese und weitere Fragen, unter anderem zur Zukunft von Max Verstappen und dessen Teamkollegen bei Red Bull Racing, verrät Dr. Marko unserem Christian im exklusiven Video-Interview:

Dr. Marko Interview: Verstappen Rücktritt? Norris zu Red Bull?: (34:30 Min.)

Helmut Marko: Vertrag bei Red Bull noch bis 2024 - und dann?

Der Zeitpunkt für den endgültigen Ruhestand würde sich derzeit theoretisch anbieten. Marko könnte das Team auf einem absoluten Höhepunkt verlassen, frei nach dem Motto: "Aufhören, wenn es am schönsten ist." Erste Gerüchte über ein Ende des Engagements bei Red Bull gab es im Verlauf der aktuellen Saison zwar bereits, doch beim Großen Preis von Ungarn bestätigte Dr. Helmut Marko, dass sein Vertrag noch bis zum Ende der Saison 2024 gültig sei und er plane, diesen auch zu erfüllen.

Und auch im Sommerinterview von Motorsport-Magazin.com machte Helmut Marko nicht den Anschein, als würde er derzeit über den Ruhestand nachdenken. "Solange ich geistig und körperlich fit bin, und ich mit Faszination und Begeisterung dabei bin, und solange mir die Verantwortlichen die Chance geben, hier weiterzumachen, werde ich das auch machen", erklärte der Motorsport-Chef. "Ich fühle mich nicht als Greis, der dahin hinkt. Solange ich einen positiven Beitrag einbringen kann, ist das das Entscheidende."

Nach Mateschitz-Tod: Alte Strukturen wiederhergestellt

Dr. Helmut Marko hat in der Vergangenheit oft betont, wie elementar die Flexibilität und die Schnelligkeit, mit der bei Red Bull Racing Entscheidungen getroffen werden konnten, für den Erfolg des Teams waren. Zusätzliche Budgets für den Ausbau der Fabrik oder sonstige Investitionen konnten schnell mit Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz besprochen und genehmigt werden. Doch seit dessen Ableben und der Übernahme von Oliver Mintzlaff stand hinter der Formel-1-Operation von Red Bull ein Fragezeichen. Wie stellt sich der neue Chef beim Mutterkonzern das operative Geschäft in Zukunft vor? Und wie passen diese kurzen Arbeits- und Genehmigungswege in den zukünftigen Business-Plan?

Der Tod von Dietrich Mateschitz sorgte für ungeklärte Hierarchien im Hause Red Bull, Foto: Red Bull Content Pool - Peter Fox
Der Tod von Dietrich Mateschitz sorgte für ungeklärte Hierarchien im Hause Red Bull, Foto: Red Bull Content Pool - Peter Fox

Mittlerweile herrscht auch in diesem Punkt Klarheit. "Ich berichte direkt, früher war es Mateschitz und jetzt Mintzlaff", sprach Marko. "Wir haben die Flexibilität von schnellen Entscheidungen, das heißt, wir haben kein großes Board hinter uns, wo das wesentlich schwieriger ist. Das war nach dem Tod von Herrn Mateschitz zwischenzeitlich nicht so ganz klar, wie es weitergeht, aber das ist in der Zwischenzeit geregelt und wir haben wieder diese Freiheit und die schnelle Entscheidungsfindung, die wir bei Lebzeiten von Mateschitz hatten."