In der Formel 1 haben vermeintliche Großsponsoren von fragwürdiger Integrität, die plötzlich doch keine Millionen wert sind, lange Tradition - und keines der aktuellen Teams kann das besser bezeugen als Haas. In einer Zeitspanne von drei Jahren hat das Team zwei Namenssponsoren mit kolportierten Millionenverträgen nicht nur verloren, sondern war auch noch in diverse rechtliche Streitereien verwickelt.

Einem kleinen Team mit immer schon knapp bemessenen Finanzen tut das weh. Erst das Debakel um Rich Energy 2019, dann die womöglich auf den nächsten Rechtsstreit zusteuernde Trennung von Nikita Mazepin und dessen Sponsor Uralkali. Jetzt sitzt Haas ohne Hauptsponsor da, aber das könnte auch vorerst so bleiben. Denn nach diesen zwei Desaster-Aktionen schwört das Team Besserung, und ist bereit, die finanziellen Schmerzen 2022 erst einmal durchzustehen.

Einen Hauptsponsor will man auf jeden Fall. "Es soll ein Business sein und keine Geldverbrennungsmaschine", stellt Haas-Teamchef Günther Steiner klar. Momentan muss Gründer und Besitzer Gene Haas, der zugleich auch Eigentümer des Maschinenbau-Giganten Haas Automation ist, das Team am Laufen halten. Das kann er - aber eigentlich soll das Team schon seit mehreren Jahren auf eigenen Beinen stehen. Daher auch die beiden Versuche mit Rich Energy und Uralkali.

Haas erlebte schon zwei Sponsor-Blamagen in der Formel 1

Doch beides waren Fehlschläge. Erst Rich Energy: Der 2019 vereinbarte Deal mit dem britischen Energy-Drink-Hersteller war ein monatelanges Debakel. Ob das Unternehmen je die Mittel hatte, um den großen F1-Sponsor-Deal zu stellen, ist rückblickend mehr als fragwürdig, unabhängig von spektakulären Streitereien, etwa als Haas in Monaco das Logo vom Auto entfernen musste, weil ein britisches Gericht entschieden hatte, dass Rich Energy es von einem Fahrrad-Hersteller abgekupfert hatte.

Im September wurde die Partnerschaft gelöst, ein Jahr musste das Team wieder ohne Hauptsponsor auskommen. Erst 2021 fand Haas einen neuen Hauptsponsor, nämlich den russischen Chemiekonzern Uralkali. Der kam gemeinsam mit Nikita Mazepin als Fahrer, dessen Vater sitzt bei Uralkali im Aufsichtsrat. Während rein wirtschaftlich diese Partnerschaft wohl astrein war, so ging sie 2022 zum Saisonstart zu Bruch, als internationale Sanktionen infolge Russlands Invasion der Ukraine die Partnerschaft immer schwieriger und schließlich unmöglich machen zu drohten.

Günther Steiner mit Haas-Eigentümer Gene Haas -
Günther Steiner mit Haas-Eigentümer Gene Haas -Foto: Sutton

Gepaart mit einem Formtief, welches 2019 begann und 2021 in null WM-Punkten mündete, ist die Partnerliste von Haas heute noch sehr kurz. Gegenwärtig umfasst sie nur 13, keiner davon ist Titelsponsor (zum Vergleich: die alten Hinterbänkler-Freunde von Williams haben 26, Alfa hat inzwischen 37 plus einen Titelsponsor), und sie wächst auch nur langsam - aber das sei inzwischen nicht mehr der Performance geschuldet. Dank guten Vorsaison-Tests und einem starken Saisonstart mit bislang 15 WM-Punkten stehen inzwischen Interessenten vor der Tür, verrät Steiner.

Haas will Formel-1-Sponsorsuche 2022 richtig machen

Warum kommt offiziell dann nichts? "Wir warten auf das richtige Paket", sagt Steiner. Das Team hat die Tiefschläge der Vergangenheit nicht vergessen. 2022 hat es sich erst mit einem neuen Marketing-Direktor an der Vermarktungsfront neu aufgestellt, und jetzt werden alle Interessenten auf Herz und Nieren geprüft: "Wir sind momentan in einer sicheren Lage. Da macht es keinen Sinn, etwas schnell durchzupeitschen, das du in sechs Monaten bereust."

"Wer ernsthaft interessiert ist, kann auch drei bis sechs Monate warten", erklärt Steiner. "Da haben wir keinen Stress. Wenn wir denken, dass der Deal für die Zukunft nicht gut genug ist, dann müssen wir ihn dieses Jahr nicht zum Abschluss bringen."

"Manchmal hilft es dir mittel- und langfristig mehr, wenn du aufs richtige Ding wartest", sagt Steiner. "Wir sind jetzt mit unserer Performance in einer guten Position. Nun brauchen wir mittel- und langfristig gute kommerzielle Entscheidungen."

Unsicher ist momentan nebenher noch die Lage mit Uralkali. Der Ex-Sponsor drohte zuletzt mit Klage, weil Haas die bereits einbezahlten Millionen für die Saison 2022 einbehalten haben soll. Wie die Lage sich mit dem russischen Unternehmen entwickelt, das will Steiner nicht kommentieren: "Ich habe keine Details, das liegt bei den Anwälten. Momentan müssen wir einfach auf die nächsten Schritte warten."

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