Schon das Qualifying in Imola war für Mercedes eine Schlappe biblischen Ausmaßes. Startplatz 11 für Russell, Startplatz 13 für Hamilton für den Sprint. Wenn man das Qualifying an einem Wochenende verhaut, dann aber am liebsten an einem Sprint-Wochenende, dachte sich Russell am Samstag noch. Dann nämlich hätte man eine zusätzliche Gelegenheit, die Ausgangslage für das Rennen zu verbessern.

Die Ausgangslage für den Grand Prix ist sogar noch schlechter. Während Russell seine Position halten konnte, verlor Hamilton sogar noch eine Position. Der amtierende Konstrukteursweltmeister startet von den Plätzen 11 und 14 in den Emilia Romagna GP 2022. "Heute ist der Tiefpunkt unserer ersten vier Rennen", fasste Toto Wolff die Performance passend zusammen.

"Wir hatten heute auch keine guten Starts, was nicht zu uns passt, denn in letzter Zeit hatten wir immer solide Starts", ärgert sich George Russell. Trotz deutlich höherer Temperaturen brachte Mercedes die Soft-Reifen nicht sofort zum Arbeiten. Russell verlor in der Startrunde eine Position, Hamilton sogar zwei.

Aber auch in den restlichen 20 Runden des Sprints wollte die Aufholjagd nicht so recht gelingen. Beide Piloten machten nur noch eine Position gut. Dafür machte Mercedes drei Gründe aus. Einerseits war man im DRS-Zug gefangen. Da der F1 W13 nicht gerade für seine überlegene Höchstgeschwindigkeit bekannt ist, taten sich Russell und Hamilton besonders schwer.

Nach Imola-Sprint: Mercedes am Tiefpunkt -
Nach Imola-Sprint: Mercedes am Tiefpunkt -Foto: LAT Images

Dazu kam, dass Überholen in Imola generell schwer ist. Das Performance-Delta zwischen den Autos muss dafür groß sein. Das war es im Mittelfeld für Mercedes nicht. "Es reicht nicht, vier oder fünf Zehntelsekunden schneller zu sein, um überholen zu können. Wenn wir freie Fahrt gehabt hätten, hätte sich ein ähnliches Bild ergeben wie bei den bisherigen Rennen, in denen wir nach vorne gekommen sind", ist Toto Wolff überzeugt.

Und dann konnte Mercedes seine Stärke nicht ausspielen. Normalerweise geht der Silberpfeil recht schonend mit den Reifen um. 21 Runden waren für Mercedes aber zu kurz. Davon wurden zudem drei Runden hinter dem Safety Car abgespult.

Am Sonntag gibt es immerhin die dreifache Distanz. Das könnte Mercedes doppelt helfen. Der Reifenverschleiß wird ein entscheidenderer Faktor. Dazu könnten sich die DRS-Züge durch die Strategie auflösen. "Das längere Rennen sollte es den Autos ermöglichen, sich besser zu verteilen, was hilfreich sein wird", meint Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin.

Dann könnte Mercedes die eigene Pace nutzen. Vor allem für den erfolgsverwöhnten Hamilton wäre das wichtig. "Es ist so schmerzhaft. Es ist schwierig, es gibt dafür keine Worte", so der Formel-1-Rekordsieger nach dem Sprint. Die Geschichte des Garagen-Zoffs zwischen ihm und Wolff nach dem Qualifying kassierte der Teamchef gleich wieder ein: "Es ist ziemlich lustig, wie das interpretiert wurde. Wir waren beide frustriert über unsere Performance und hatten die gleiche Meinung - es war einfach purer Ärger darüber."