Zum ersten Mal seit 2007 startet heute wieder ein Ferrari beim Formel-1-Saisonauftakt von der Pole Position. 0,123 Sekunden fuhr Charles Leclerc schneller als Weltmeister Max Verstappen, der von Startplatz zwei ins Rennen geht. Die zweite Startreihe ist ein Abbild der ersten: Carlos Sainz im Ferrari vor Sergio Perez im Red Bull.

Wer hat die besten Karten für Auftaktsieg in Bahrain? Wer gewinnt das erste Rennen einer neuen Ära? Kann vielleicht Mercedes noch ein Wörtchen mitreden? Lewis Hamilton wurde in seinem Silberpfeil immerhin 'Best of the Rest' und startet von Platz fünf. Der Motorsport-Magazin.com-Favoritencheck zum Bahrain-GP 2022.

Ferrari sticht Red Bull fürs Qualifying aus

Max Verstappen war der Topfavorit auf die Pole. Im Q3 passte es beim Weltmeister aber nicht mehr zusammen. Ferrari hatte sich besser auf die Qualifikation vorbereitet. Am Vorabend fuhren Charles Leclerc und Carlos Sainz jeweils zwei Qualifying-Simulationen und opferten einen Satz Soft-Reifen, anstatt den im wenig repräsentativen FP3 zu nutzen.

Der Plan ging auf, vor allem für Carlos Sainz. Der Spanier war zuvor noch auf der Suche nach erheblich viel Pace. "Im Qualifying habe ich sie dann schließlich gefunden", freute sich der Spanier, der nur 0,003 Sekunden hinter Verstappen landete.

Verstappen schielt auf Renn-Vorteil bei Red Bull

"Wir haben ein gutes Rennauto", sagte Verstappen nach dem Qualifying mehrmals. Überholen war auf dem Bahrain International Circuit schon mit der alten Fahrzeuggeneration möglich. Dazu sind Reifenabbau und Verschleiß extrem hoch. Vor allem die Hinterachse leidet in den vielen Traktionsphasen.

Während Verstappen angesichts der speziellen Bahrain-Herausforderungen auffallend optimistisch war, zeigten sich bei den Ferrari-Piloten diesbezüglich etwas zurückhaltender. Hat die Scuderia Rennpace geopfert, um auf Pole zu stehen? "Nein, das glaube ich nicht", entgegnet Charles Leclerc.

Allerdings ließ man durch die zwei Quali-Simulationen am Freitagabend die Longruns etwas schleifen. "Das ist kein Problem, weil wir hier letzte Woche erst getestet haben. Da brauchen wir das nicht unbedingt", meint Leclerc. Bei seinem Teamkollegen Sainz sieht das etwas anders aus: "Die Longruns sind für mich ein großes Fragezeichen. Ich bin erst im Qualifying auf Touren gekommen, jetzt ist die Frage, ob das auch im Renntrimm so ist."

Reifen-Strategie als Schlüssel für Bahrain-GP

Am Start ist Sainz auf jeden Fall eine Gefahr für Verstappen. "Ich weiß noch aus unserer Zeit bei Toro Rosso, wie gut Carlos startet", erinnert sich Verstappen. Der Spanier zählt zu den besten Startern im Feld. Dazu scheint der Ferrari-Motor das stärkste Aggregat im Feld zu sein. Der 352 Meter lange Sprint bis zum ersten Bremspunkt wird die erste Bewährungsprobe.

Carlos Sainz ist heute auf der Jagd nach seinem ersten Sieg -
Carlos Sainz ist heute auf der Jagd nach seinem ersten Sieg -Foto: LAT Images

Neu in der Formel-1-Saison 2022 ist die Reifenregel am Start. Auch die Top-10 dürfen ihre Startreifen frei auswählen. Pirelli rechnet aufgrund des aggressiven Asphalts und des Streckenlayouts mit einer Zweistopp-Strategie über die 57 Rennrunden.

Die beiden Ferrari-Piloten und Verstappen haben extra einen Satz Soft-Reifen aufgespart. Ihnen bleibt so für das Rennen ein frischer Satz übrig. Sergio Perez auf P4 musste im Qualifying einen Satz mehr einsetzen. Trotzdem könnte der Mexikaner ein Geheimtipp sein: Perez ist für sein extrem gutes Reifenmanagement bekannt, und Startplatz vier ist für ihn ein gutes Qualifying-Ergebnis.

Kann Mercedes in Bahrain doch überraschen?

Kann aber womöglich Mercedes noch ein Wörtchen um den Rennsieg mitreden? George Russell startet zwar nur von Platz neun, aber Hamilton - ebenfalls für sein Reifenmanagement bekannt - startet direkt hinter dem Favoriten-Quartett. Auch er hat noch einen frischen Satz Soft übrig.

"Wenn einer der beiden Red-Bull- oder Ferrari-Fahrer Probleme hat, könnte sich für Lewis eine Chance ergeben", meint Mercedes' Strecken-Chefingenieur Andrew Shovlin. Aus eigener Kraft aufs Podium, oder sogar um Sieg kämpfen, daran glaubt Hamilton noch immer nicht: "Wir sind nicht schnell genug, um zu gewinnen." Teamchef Toto Wolff stimmt zu: "Wir müssen realistisch sein, was unser derzeitiges Leistungsniveau angeht, und das bedeutet, dass wir das drittschnellste Team im Feld sind."

Fazit: Prognosen zwischen Red Bull und Ferrari sind nahezu unmöglich. Es macht aber den Anschein, als hätte Verstappen seinen RB18 mehr in Richtung Rennen abgestimmt. Strategisch steht es zwischen Red Bull und Ferrari zwei zu zwei. Hamilton und Mercedes sollten aus eigener Kraft keine Rolle im Kampf ums Podium spielen.