Noch bevor das erste Rennen der Formel-1-Saison 2022 richtig begonnen hat, überraschen die zehn Teams mit vielen unterschiedlichen Philosophien. Vor allem Mercedes sorgte mit einem extrem schlanken Auto für viel Aufsehen. Welches Konzept das richtige ist, lässt sich aufgrund der frühen Station der Saison noch nicht sagen.

Doch was, wenn sich ein Team mit seinem Konzept verzettelt hat und sich eine andere Philosophie als deutlich stärker herausstellt? AlphaTauri-Teamchef Franz Tost macht sich keine Hoffnung, dass zumindest sein Formel-1-Team die Möglichkeit hätte, für den Fall der Fälle ein anderes Konzept zu kopieren - Budget Cap als Spielverderber.

Budget Cap verhindert Wechsel zu anderer Aero-Philosophie

Mercedes sorgte für viele verblüffte Gesichter, nachdem das Team mit einem sehr radikalen Seitenkasten-Konzept bei den Testfahrten in Bahrain auftauchte. Auch Red Bull zeigte am Samstagmorgen neue Updates, während Ferrari nach wie vor mit sehr weiten und aerodynamisch nach innen gewölbten Seitenkästen unterwegs ist.

Viele verschiedene Lösungen, mit der die einzelnen Teams trotz eines engmaschigen neuen technischen Reglements für viel Überraschungen sorgen konnten. "Ich denke, es ist sehr interessant und innovativ, mit was Mercedes da aufgetaucht ist", zeigte sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner von den neuen W13-Seitenkästen beeindruckt.

Ferrari hat als einziges Team nach innen gewölbte Seitenkästen -
Ferrari hat als einziges Team nach innen gewölbte Seitenkästen -Foto: LAT Images

Mercedes-Pilot George Russell betont unterdessen allerdings, dass es nicht darum geht, wie das neue Konzept aussieht, sondern wie schnell es ist. "Es ist ziemlich beeindruckend, aber es ist egal, wie es aussieht. Wir müssen abwarten, wie schnell es auf der Strecke ist", betonte der Brite jüngst.

Wie schnell die einzelnen Konzepte sind, wird aber erst das Qualifying beim in einer Woche anstehenden Auftakt in Bahrain zeigen. Trotz des Bewusstseins eines jeden Teams, dass die Saison 2022 vor allem durch viel Entwicklung gekennzeichnet werden sein wird, gibt es ein gewisses Restrisiko. Während der Saison nämlich auf ein anderes Konzept umzusteigen und etwa das extreme Mercedes-Konzept zu kopieren, wird im Laufe der Saison nicht möglich sein, wie AlphaTauri-Teamchef Franz Tost am Samstag erklärt.

"Es sind ja nicht nur die Seitenkästen. Das ist nur ein Teil davon. Wenn du was ändern müsstest, müsstest du die ganze Aerodynamik-Philosophie ändern", betont der Österreicher. Eine bestimmte Aerodynamik-Philosophie ist nämlich nicht nur an einem Element wie den Seitenkästen festzumachen. Schließlich wird ein Auto von der Front bis zum Heck als ganzes entwickelt. Wer also etwas das Seitenkasten-Konzept ändert, müsste so auch das ganze Auto ändern. Dies würde einen großen Aufwand bedeuten. Vor allem in zeitlicher, aber auch finanzieller Sicht - und das zu Zeiten eines Budget Caps, das 2022 bei 140 Millionen US-Dollar liegt.

Während AlphaTauri auf einen Undercut setzt, hat Mercedes eine Art #Overcut' gewählt -
Während AlphaTauri auf einen Undercut setzt, hat Mercedes eine Art #Overcut' gewählt -Foto: LAT Images

Allein bei der Entwicklung eines Unterbodens gebe es laut Franz Tost zu Beginn über sechzig Muster, die in gleich vielen Testobjekten resultieren würden, bis schließlich zwei oder drei Unterböden entstehen. "Ich denke nicht, dass wir den Aufwand betreiben könnten, weil wenn man auf die Cost Cap blickt, dann sind wir bei unserer Kalkulation am Ende der Saison ziemlich am Limit. Ich denke nicht, dass wir den Aufwand betreiben könnten, ein komplett neues Auto zu bauen", erklärt der AlphaTauri-Teamchef.

Beste Aero-Philosophien werden sich herauskristallisieren

Zumal AlphaTauri bestimmte Teile von Red Bull bezieht und damit in der Entwicklung zu einem gewissen Grad eingeschränkt ist. Beide Teams setzen bei den Seitenkästen auf einen sogenannten Undercut, bei dem der Luftstrom zwischen dem Unterboden und dem unteren Teil der Seitenkästen geleitet wird.

Doch dass diese Pluralität bei den verschiedenen Konzepten über die kommenden Jahre anhalten wird, betrachtet etwa Red-Bull-Teamchef Christian Horner als unwahrscheinlich. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich bestimmte Konzepte über einen Zeitraum herausbilden und etablieren. "Was wir in der Formel 1 sehen, ist, dass es bei den Design-Philosophien über die Zeit eine Tendenz zur Konvergenz gibt", so Horner.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sieht dies genauso. "Das [neue] Reglement wurde geschaffen, um eine Konvergenz zu schaffen. Jetzt kannst du aber sehen, dass es noch viele Unterschiede beim Bodywork und den Seitenkästen gibt", erklärt der Binotto im Rahmen der Testfahrten in Bahrain. "Vielleicht werden sie sich in der Zukunft annähern."

Brutales Mercedes-Upgrade! Aber ist es legal?: (14:12 Min.)