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Formel 1

Formel 1 Abu Dhabi, Test-Tag 1: Mercedes P1, Red Bull crasht

Der erste Tag des Formel-1-Tests in Abu Dhabi endet mit Mercedes-Bestzeit. FE-Champ Nyck de Vries vorne. Bottas debütiert bei Alfa, Red Bull crasht.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2021 findet mit zwei Testtagen in Abu Dhabi ihren Abschluss, und den ersten beendete Mercedes als schnellstes Team. Der amtierende Formel-E-Meister Nyck de Vries markierte im 2021er-W12 die Bestzeit in einem Test, bei dem zwei sehr unterschiedliche Programme gefahren werden. Red Bulls Nachwuchs-Pilot Jüri Vips sorgte indessen für etwas Kleinholz.

Zwar fuhren alle Teams bis auf Williams mit zwei Autos die neun Stunden durch - aber mit zwei radikal unterschiedlichen Testprogrammen. Ein Auto ist ein 2021er-Modell für einen Nachwuchs-Piloten. Auf der anderen Seite fuhren die Einsatz-Piloten in umgebauten 2019er-Autos, um die für 2022 kommenden 18-Zoll-Pirellis zu testen. Hier stand am Dienstag schon George Russell im Mercedes am Start, während Valtteri Bottas erstmals einen Alfa pilotierte. Weltmeister Max Verstappen war ebenfalls mit dabei.

Mercedes holt sich erste Test-Bestzeit

Wie zu erwarten führten aber die Standard-2021er-Autos mit den Nachwuchspiloten das Klassement an. Nyck de Vries, der neben seiner Vollzeit-Beschäftigung bei Mercedes' Formel-E-Team auch den F1-Ersatzmann mimt, markierte mit einer 1:23.194 in einer letzten Zeitenjagd in der letzten Stunde die Bestzeit. Hinter de Vries reihte sich mit 1.3 Sekunden Rückstand Red Bulls F2-Hoffnung Liam Lawson ein, der den 2021er-AlphaTauri fahren durfte, gefolgt von Alpines frischgebackenem F2-Meister Oscar Piastri.

P. Fahrer Team Programm Zeit Rückstand Runden
1 Nyck de Vries Mercedes Nachwuchs 1:23.194 77
2 Liam Lawson AlphaTauri Nachwuchs 1:24.517 + 1.323 125
3 Oscar Piastri Alpine Nachwuchs 1:24.523 + 1.329 131
4 Pato O'Ward McLaren Nachwuchs 1:24.607 + 1.413 92
5 Guanyu Zhou Alfa Romeo Nachwuchs 1:25.142 + 1.948 119
6 Jüri Vips Red Bull Nachwuchs 1:25.198 + 2.004 97
7 Nick Yelloly Aston Martin Nachwuchs 1:25.333 + 2.139 118
8 Daniel Ricciardo McLaren Reifen 1:26.262 + 3.058 95
9 Lance Stroll Aston Martin Reifen 1:26.579 + 3.385 143
10 Robert Shwartzman Ferrari Nachwuchs 1:26.694 + 3.500 73
11 Charles Leclerc Ferrari Reifen 1:25.989 + 3.795 87
12 Valtteri Bottas Alfa Romeo Reifen 1:27.183 + 3.989 127
13 Antonio Fuoco Ferrari Reifen 1:27.324 + 4.130 146
14 Yuki Tsunoda AlphaTauri Reifen 1:27.348 + 4.154 131
15 Logan Sargeant Williams Nachwuchs 1:27.476 + 4.282 92
16 Esteban Ocon Alpine Reifen 1:27.553 + 4.359 128
17 Max Verstappen Red Bull Reifen 1:28.013 + 4.189 124
18 George Russell Mercedes Reifen 1:28.062 + 4.868 132
19 Mick Schumacher Haas Reifen 1:28.499 + 5.305 100

Die drei verdrängten in der letzten Stunde Pato O'Ward von der Spitze. O'Ward, 2021 Dritter in der IndyCar-Meisterschaft mit McLaren, hatte diesen Test von McLaren-Motorsportchef Zak Brown als Belohnung für seinen ersten IndyCar-Sieg erhalten, schlug sich beachtlich und war schwer begeistert: "Das war die beste Erfahrung, die ich in meinem Rennfahrer-Leben je hatte! Was das Fahrgefühl angeht, kommt nichts an dieses Ding ran." O'Ward fehlten am Ende 1.4 Sekunden: "Ich wollte nicht gleich auf großen Boss machen, voll reinhalten und in der Mauer landen."

Guanyu Zhou, nächstes Jahr bei Alfa Romeo Teamkollege von Valtteri Bottas, fuhr mit dem 2021er-Alfa auf den fünften Platz, vor Red-Bull-Junior Jüri Vips im Red Bull und Aston-Martin-Simulatorfahrer Nick Yelloly.

Vips verunfallt mit Red Bull, Defekt bei Williams

Drei Unterbrechungen gab es am Dienstag, zwei davon gingen auf Defekte zurück. Am Morgen rollte Daniel Ricciardos McLaren aus, später am Nachmittag musste Logan Sargeant bei seinem Formel-1-Debüt als Williams-Junior zwischen den letzten beiden Kurven mit einem Problem an der Power Unit abstellen.

Nur bei Red Bull gab es ein bisschen Schrott: Nachwuchs-Pilot Jüri Vips drehte sich am Vormittag in Kurve 14 in die Wand und zerbröselte dabei den Frontflügel seines RB16B. Der Schaden hielt sich allerdings in Grenzen und Red Bull konnte am Nachmittag sein Programm fortsetzen.

McLaren führt F1-Reifentester an

Die 18-Zoll-Tester blieben wie zu erwarten bei den Rundenzeiten hinter den Nachwuchs-Piloten zurück, schließlich fahren sie veraltete und umgebaute Autos. Daniel Ricciardo beendete den Tag nach 95 Runden mit einer 1:26.262 und knappen drei Sekunden Rückstand auf dem achten Platz und führte die Reifentester an. Hinter ihm folgten Lance Stroll und Charles Leclerc.

Valtteri Bottas debütierte bei Alfa mit einem zwölften Platz, vor Ferrari-Testfahrer Antonio Fuoco, der sich die 18-Zoll-Pflichten mit Leclerc teilte. Ferrari fuhr mit 146 die meisten Runden. Yuki Tsunoda und Esteban Ocon folgten dahinter. Der frisch gebackene Weltmeister Max Verstappen beendete seine Saison mit 124 Reifentest-Runden, und wird nun das Feld für Sergio Perez räumen.

George Russell fuhr im Mercedes-Testfahrzeug auf den 18. von 19 Rängen, schlug nur Mick Schumacher. Russell wird morgen erneut zum Einsatz kommen, da sich sein neuer Teamkollege Lewis Hamilton den Einsatz spart.

Zur Verfügung standen den Teams alle fünf Reifenmischungen von Pirelli. Die schnellsten Zeiten wurden auf dem C5, also auf der weichsten Mischung, gefahren. Nur Tsunoda und Leclerc blieben auf dem etwas härteren C4.

Aussagekraft dürfte der Test keine haben. Für die Nachwuchs-Piloten ist es lediglich eine Test-Chance in Autos, die danach eingemottet werden. Die 18-Zoll-Tests dienen primär dazu, Teams und Pirelli Informationen zum Verhalten der Reifen zu geben. Einige Teams testeten außerdem die neuen Standard-Felgen. Die Rundenzeiten spielen schon allein deshalb keine Rolle, weil die eingesetzten Fahrzeuge eben umgebaute Altmodelle sind.