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Formel 1

Formel 1: Mercedes trennt sich von umstrittenem Sponsor

Kingspan wurde in der vergangenen Woche als Sponsor des Formel-1-Teams von Mercedes vorgestellt. Kooperation nach massiver Kritik gestoppt.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Mercedes hat wenige Tage vor dem Saisonfinale der Formel-1-Saison 2021 die Trennung von einem umstrittenen Sponsor bekanntgegeben. Dem Unternehmen Kingspan, das erst letzte Woche überhaupt als Partner zu dem Team gestoßen war, wurde eine Mitverantwortung an dem Großbrand am Grenfell Tower 2017 in London vorgeworfen.

Kingspan-Deal ist Geschichte

In einem Statement der Silberpfeile heißt es am Mittwoch: "Das Mercedes-AMG Petronas F1 Team und Kingspan haben heute bekanntgegeben, dass sie sich darauf geeinigt haben, ihre Partnerschaft in gegenseitigem Einvernehmen zu beenden."

Bei der Präsentation am 1. Dezember war Kingspan als Nachhaltigkeits-Partner zum Team gestoßen. Kingspan hätte "den Vorsitz in einer Nachhaltigkeits-Arbeitsgruppe für das Team" übernehmen sollen, wie damals verkündet wurde. Ziel der Partnerschaft war es laut dem damaligen Presse-Statement, "neue Ansätze und Technologien für die Emissionsminderung im Motorsport zu entwickeln".

Bei der Auflösung der Partnerschaft eine Woche später, schreibt Mercedes: "Nach Berücksichtigung sämtlicher Faktoren sind jedoch beide Seiten zu dem Entschluss gekommen, dass es zum aktuellen Zeitpunkt, ungeachtet der positiven Auswirkungen, nicht angemessen ist, die Partnerschaft fortzusetzen. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam beschlossen, sie mit sofortiger Wirkung zu beenden. ".

Umstrittener Partner

Der Baustoff-Hersteller, der sich vor allem auf die Wärmedämmung spezialisiert hat, war in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, da Stoffe des Unternehmens in der Dämmung des Grenfell Tower verwendet wurden. Der Gebäudekomplex in West-London war 2017 aufgrund eines defekten Kühlschranks in Brand geraten. 72 Menschen starben bei dem Unglück.

Bei dem Großbrand an dem Hochhaus führte vor allem eine nicht vorschriftsmäßige Fassaden-Konstruktion dazu, dass sich die Flammen so schnell verbreiten konnten und war damit maßgeblich für das Ausmaß der Tragödie verantwortlich.

Kingspan verteidigte sich damit, dass es nicht in das Design und die Konstruktion der Fassaden-Dämmung des Gebäudes involviert gewesen sei. Es seien nur wenige seiner Produkte zum Einsatz gekommen und das auch ohne das Wissen des Unternehmens. Kingspan betonte in einer Aussendung am Mittwoch: "Wir haben die Außenverkleidung des Grenfell Tower nicht hergestellt. Unsere K15-Dämmplatte wurde in diesem unsicheren und nicht konformen System falsch eingesetzt".

Hinterbliebene schrieben Brief an Wolff

Die kritische Berichterstattung über die Zusammenarbeit mit Kingspan, die in den Tagen nach dem Deal aufkam, wurde für das Weltmeister-Team wohl etwas zu viel. Dazu kam noch ein Brief der Grenfell-United-Gruppe, die die Überlebenden des Feuer-Desasters vertritt, an Mercedes-Teamchef Toto Wolff. In diesem wurde die Zusammenarbeit als "schockierend" verurteilt.

Bereits am 3. Dezember entschuldigte sich Wolff bei den Hinterbliebenen der Todesopfer. "Im Namen unseres Teams möchte ich mich aufrichtig bei Ihnen für den zusätzlichen Schmerz entschuldigen, den diese Ankündigung verursacht hat. Es war nicht unsere Absicht dies zu tun", hieß es in dem Schreiben an die Grenfell-United-Gruppe.


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