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Formel 1

Formel 1, Ferrari: Internes Duell lässt Emotionen hochkochen

Ferrari kommt in Saudi-Arabien nicht über die Plätze 7 und 8 hinaus. Das sorgt für Frust. Ein teaminternes Duell lässt kurzzeitig die Emotionen hochkochen.
von Yannik Grafmüller

Motorsport-Magazin.com - Der Große Preis von Saudi-Arabien endete für Ferrari mit einer Enttäuschung. Die beiden Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz kamen in Dschidda nicht über die Plätze sieben und acht hinaus. Zur Rennmitte gab es dann auch noch ein teaminternes Duell, das die Emotionen kurzzeitig hochkochen ließ.

In Runde 23 attackierte Sainz seinen Teamkollegen, bremste sich in Kurve eins innen vorbei. Leclerc versuchte gegenzuhalten, hatte aber keinen Platz mehr und kürzte die Schikane ab. Der Monegasse kam vor Sainz auf die Strecke zurück und verteidigte seine Position auch in den nachfolgenden Kurven - sehr zum Ärger des Spaniers.

Sainz wütet über Leclerc: Gib mir die Position zurück

Denn Sainz hatte seinen Teamkollegen nicht abgedrängt, der Monegasse sich durch das Abkürzen aber einen unfairen Vorteil verschafft. Sofort beschwerte sich Sainz daher beim Team: "Komm schon Charles, mach das nicht! Ich habe ihn überholt. Sagt ihm, er soll mir sofort die Position zurückgeben", so der Spanier im Teamradio. "Sofort, Leute. Er wird sonst eine Strafe bekommen."

Ferrari reagierte und meldete sich bei Leclerc. Der Monegasse bekam die Anweisung, Sainz vorbeizulassen: "Tauscht die Plätze.", wies Xavier Marcos, Renningenieur von Leclerc, an. Sein Schützling gehorchte und ließ den Teamkollegen eine Runde später vor Kurve drei wieder vorbei.

Kurz vor Rennende kam es dann zur Neuauflage: Diesmal war es Leclerc, der von hinten Druck machte. Die ersten beiden Attacken konnte Sainz noch abwehren, beim dritten Versuch musste er sich dann geschlagen geben: Leclerc zog in Runde 50 auf Start-Ziel mit der Hilfe von DRS vorbei. Sainz versuchte, nochmal zu kontern, fand aber keinen Weg mehr vorbei. "Das war ein schönes Duell. Ich glaube, wir haben es beide genossen", versucht Leclerc nach Rennende zu beruhigen.

Leclerc ärgert sich über Rote Flagge: Ein Desaster

Doch wie konnte es überhaupt zu diesem teaminternen Duell kommen? Schließlich war Leclerc von Platz vier gestartet und sein Teamkollege nur von P15. Das hat vor allem mit der ersten Roten Flagge zu tun. Während Sainz von der Rennunterbrechung profitierte, war Leclerc einer der großen Verlierer. Der Monegasse hatte die Safety-Car-Phase zuvor für einen Reifenwechsel genutzt, fiel dadurch von P4 auf P6 zurück.

Damit aber nicht genug: "Wir mussten den harten Reifen für den Restart aufziehen. Ich weiß nicht, was da schieflief, aber ich hatte massive Probleme mit dem Aufwärmen der Reifen. So habe ich noch mehr Positionen verloren. Das war ein Desaster", berichtet Leclerc. Von diesem Rückschlag konnte sich der Monegasse nicht mehr erholen, beendete das Rennen auf einem enttäuschenden siebten Platz. "Es ist eine Schande", meint er. "Das Potential war viel größer."

Teamkollege Sainz zeigte sich mit seinem achten Rang - angesichts Startplatz 15 - deutlich zufriedener: "Während dem ersten Stint auf den harten Reifen bin ich geflogen", meint der Spanier. "Das Auto hat sich toll angefühlt und ich konnte in den ersten Runden einige Plätze gut machen. Dann kam die Rote Flagge."

Mit dieser hadert Sainz ein wenig: "Auf eine Art hat sie mir geholfen, weil ich P9 behalten konnte. Aber ich musste dann auch 37 Runden auf den Mediums fahren. Das war unmöglich. Ich hatte eine gute Pace, bis der Medium fünf Runden vor Schluss aufgegeben hat. So musste ich Charles wieder vorbeilassen."

Binotto unzufrieden: Waren klar das drittschnellste Auto

"Wir sind nicht zufrieden mit dem Ergebnis", meint auch Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. "Wir wissen, dass wir besseres hätten erreichen können. Unsere Quali-Pace war besser als Platz sieben und acht. Wir waren klar das drittschnellste Auto an diesem Wochenende", meint der 52-jährige, gesteht aber auch: "Wir hatten einfach auch viel Pech."

Positiv aus Sicht der Scuderia: Trotz Platz sieben und acht verlor der Rennstall aus Italien nur einen Punkt auf WM-Rivale McLaren. Platz drei in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft ist Ferrari damit praktisch nicht mehr zu nehmen. Das Team aus Maranello steht ein Rennen vor Schluss bei 307,5 Punkten, McLaren liegt bei 269. In Abu Dhabi sind noch maximal 44 Punkte zu holen.