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Formel 1

Formel 1 Katar 2021: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Vor dem ersten Katar-GP der Formel 1 ist die Ausgangslage heute ungewiss. Startaufstellung wegen drohender Strafen auch gegen Max Verstappen unter Vorbehalt
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Hoch überlegen sicherte sich Lewis Hamilton im Qualifying die Pole Position für das erste Rennen der Formel-1-Geschichte in Katar (Start heute 15 Uhr, live bei Sky). Mit einer halben Sekunde Vorsprung sicherte sich der Titelverteidiger die beste Ausgangslage für den heutigen Grand Prix neben Max Verstappen. Valtteri Bottas belegte, schon deutlich abgeschlagen, Platz drei vor einem sensationellen Pierre Gasly.

Dahinter sollen sich in der Startaufstellung Fernando Alonso und Lando Norris in Reihe drei anschließen, gefolgt von Carlos Sainz, Yuki Tsunoda, Esteban Ocon und Sebastian Vettel. Sergio Perez folgt nach einem bitteren Q2-Aus erst auf P11, auch Charles Leclerc auf P13 und Daniel Ricciardo auf P14 starten hinter den eigentlichen Möglichkeiten ihrer Ferrari- bzw. McLaren-Boliden.

Doch all das gilt nur wenige Stunden vor dem Rennstart nur unter Vorbehalt. Gleich drei Fahrer in den Top-10 müssen sich vor dem Rennen noch bei den Stewards verantworten und sind von Strafversetzungen bedroht.

2. - S wie Straf-Verhandlungen

Bei diesen Fahrern handelt es sich mit Max Verstappen und Valtteri Bottas neben Carlos Sainz ausgerechnet um zwei Piloten der Spitzenteams. Die Startaufstellung kann sich also insbesondere ganz vorne noch deutlich auf den Kopf stellen.

Und das ist nicht allzu unwahrscheinlich, müssen sich alle drei Beschuldigten für Gelbvergehen am Ende des Qualifyings verantworten. Dort sollen sie unter gelben Flaggen in Folge eines langsamen Pierre Gasly auf der Start-Ziel-Geraden nicht ausreichend verlangsamt haben - im Fall Verstappens geht es sogar um doppelt gelb geschwenkte Flaggen. Vergehen, für die in der Vergangenheit drei bis fünf Plätze Strafe üblich waren.

3. - S wie Start

Sind die Strafverfahren geklärt, steht die Startaufstellung und es wird erst so richtig spannend. Dem Start in Katar blickt die Formel 1 heute ganz besonders gebannt entgegen. Auf dem 5,3 Kilometer langen Wüstenkurs scheint Überholen wegen der zahlreichen Highspeed-Passagen als äußerst knifflig, umso größere Bedeutung messen die Fahrer dem Start und 371 Meter langen Sprint bis zur ersten Bremszone bei.

Pierre Gasly qualifizierte sich deshalb sogar bewusst mit weichen Reifen für Q3. Der Franzose versuchte trotz guter Pace erst gar nicht, mit dem strategisch vermeintlich besseren Medium ins Finale zu gelangen. "Ich will nicht auf dem Medium starten", erklärt Gasly. "Der Weg zur ersten Kurve ist hier ziemlich lang und da war mir von Beginn des Wochenendes an klar, dass ich meine Performance am Start und in der ersten Runde maximieren will."

Daher die Wahl des bessere Traktion bietenden Soft. Einen Vorteil genießt Gasly damit allerdings nur gegen Hamilton, Verstappen, Bottas und Sainz - sonst qualifizierte sich niemand mit Medium für Q3. Ob Gasly am Start mit allzu vielen Fahrern dieser Gruppe überhaupt in Berührung kommen wird, ist wegen der ausstehenden Strafen allerdings noch fraglich.

Weniger fraglich ist hingegen, welche Startseite im Vorteil sein dürfte. Die Pole liegt auf der linken Seite der Startaufstellung, also der Ideallinie. Nur die ist etwas besser vom hartnäckigen Wüstensand befreit. "Ich hoffe, dass Lewis und ich auf der sauberen Seite der Startaufstellung guten Grip haben. Wir sind zu zweit gegen Max, hoffentlich können wir da etwas ausrichten", sagt Bottas.

4. - S wie Strategie

Nach dem Start bietet vor allem die mehr als einen Kilometer lange Hauptgerade Überholchancen - doch so ganz ist in der Formel 1 niemand davon überzeugt. Immerhin gehen der Gerade schnelle Kurven im letzten Sektor voraus. Kann ein Verfolger hier überhaupt ausreichend dicht folgen? "Von dem bisschen Trainings-Erfahrung wissen wir, dass es wohl nicht einfach ist hinterherzufahren", weiß Hamilton. Reicht es nicht, führt wohl kaum ein Weg an der Strategie vorbei, um überholen zu können - und hier wird es interessant.

Ob der Katar-GP schneller mit einem Stopp oder zwei zu bewältigen ist, scheint nicht sicher. "Die Reifen nutzen sich nicht groß ab. Wir starten vorne alle drei auf Medium, und der Hard ist der C1. Das könnte lange gehen. Aber es konnten einer oder zwei Stopps werden", meint Hamilton.

Pirelli rät aufgrund des rauen Streckenbelags und der schnellen Kurven von Katar hingegen klar zu zwei Stopps, um die 57 Rennrunden zu bewältigen. Auf dem Papier ideal: Erst ein Stint auf Medium, dann Wechsel auf Hard, dann für den Schlussstint zurück auf Medium. Alternativ soll es auch ohne den harten Pneu gehen, mit Soft-Medium-Medium. Auch Medium-Hard-Soft sei vorstellbar, allerdings eher langsamer. Diese Strategie könnte allerdings, je nach Umständen, wegen der schnellsten Rennrunde von Interesse sein.

5. - S wie Strecke

Einige Eigenarten des 5,380 Kilometer langen Asphaltbands des Losail International Circuit haben wir bereits erwähnt. Rau ist der Asphalt, extrem schnell sind die meisten Kurven - im Grunde zählt einzig Kurve sechs als etwas langsameres Eck - und rar die offensichtlichen Überholstellen. Immerhin handelt es sich eigentlich um eine Motorradstrecke.

Die Autos leiden in Katar extrem - Foto: LAT Images

Der vielleicht wichtigste Aspekt sind allerdings die Streckenbegrenzungen. Track Limits und Kerbs waren im Training ein großes Thema. Nicht nur die gefürchteten Streichungen von Rundenzeiten waren zu beklagen, sondern auch zahlreiche Beschädigungen der Boliden. Nikita Mazepin musste wegen nötiger Reparaturen gleich das gesamte zweite Training auslassen, auch andere Fahrer wie Lando Norris verpassten Zeit auf der Strecke. Im Qualifying forderte der unerbittliche Kurs weitere Opfer: Erst den Frontflügel von Mazepin (ja, schon wieder), dann von Gasly.

Mochte die Safety-Car-Wahrscheinlichkeit wegen der komfortablen und asphaltierten Auslaufzonen vor dem Wochenende noch gering erscheinen, hat sich das spätestens seit Freitag ins Gegenteil verkehrt. Vorjahresdaten zum SC-Risiko gibt es in Katar natürlich keine, doch erscheint die eine oder andere Neutralisierung wegen diverser Trümmer auf der Strecke alles andere als abwegig.

6. - S wie Stewarding

Ebenfalls zu einem Safety Car können Kollisionen führen - und die, oder generell Zweikämpfe, stehen im Rennen ganz besonders im Fokus. Grund dafür ist das Stewarding in und nach Brasilien. Der als legal eingestufte Verteidigung Verstappens in Runde 48 gegen Hamilton ruft zumindest diverse Bedenken auf den Plan, wie es nun um das Racing in der Formel 1 bestellt sein könnte.

Als gefährlich bezeichnete etwa Toto Wolff die Entscheidung. "Meiner Ansicht nach kannst du jetzt einfach in eine Kurve reinhalten und das andere Auto von der Linie fahren. Das könnte in Zukunft zu einigen dreckigen Manövern führen", fürchtet der Mercedes-Teamchef. In der Fahrerbesprechung mit FIA-Rennleiter Michael Masi kam das Thema am Freitag zur Sprache - würde offensichtlich allerdings nicht abschließend geklärt.

Klarheit herrscht jedenfalls längst nicht bei jedem. "Es ist immer noch nicht klar, was die Track-Limits sind. Die weiße Linie ist es beim Überholen eindeutig nicht mehr", wettert etwa Lewis Hamilton. Deshalb sei er nun bereit, seine Fahrweise anzupassen. "Wir haben nur nach Beständigkeit verlangt. Wenn es in diesem Rennen dasselbe ist wie im letzten, dann sollte natürlich für uns alle in diesem Szenario dasselbe gelten", sagt der Brite. Doch das heißt auch: Hält dann jemand dagegen, knallt es. Generell können wir heute gespannt sein, ob im Zweikampfverhalten nach Brasilien nun eine neue Härte herrscht.

7. - S wie Sieger

Viele Daten haben wir nicht, eigentlich gab es nur das zweite Training mit Longruns unter repräsentativen Bedingungen. FP1 und FP3 wurden bei Tageslicht und deutlich höheren Temperaturen ausgetragen als die zweite Session, das Qualifying und auch das nun bevorstehende Rennen. Doch selbst im FP2 gibt es kaum belastbares Material - vergleichbare Longruns von Mercedes und Red Bull auf Medium und Hard gab es nicht.

Generell fuhr überhaupt nur Bottas einen Dauerlauf auf Medium, der mit zehn Runden Länge auf einem Niveau mit Hamiltons Soft-Longrun von sieben Runden lag. Der wiederum war zwei Zehntel schneller als Verstappen auf dem weichen Reifen. Mercedes scheint also, sehr vorsichtig formuliert, über einen minimalen Vorteil zu verfügen.

Das Qualifying spricht allerdings dafür, dass dieser Vorteil gewesen sein könnte. Zumal Hamilton am Freitag auch noch mit einem noch alles andere als optimalen Setup fuhr - allerdings galt das zum Teil auch für Max Verstappen. Der Niederländer fährt seit Samstag allerdings auch mit einem suboptimalen Flügel. Weil der DRS-Mechanismus am RB16B mit den in Katar gewünschten sehr steilen Flügeln dem Druck in der langen DRS-Zone nicht standhielt, fährt Red Bull nun generell mit etwas weniger Abtrieb - nicht optimal für die Rundenzeit und den Reifenverschleiß, dafür besser in Sachen Topspeed. Kommt es zur Strafversetzung, kann das eher helfen ...


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