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Formel 1

Formel 1, Gasly-Knüller trotz Flügel-Fiasko: Schock im Auto

Pierre Gasly bestätigt im Qualifying in Katar AlphaTauris starke Form mit einem Top-4-Ergebnis. Dabei fliegen dem Franzosen Flügel und Reifen um die Ohren.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Überflieger Pierre Gasly: Bereits zum 15. Mal im 20. Qualifying der Formel-1-Saison 2021 qualifiziert sich der Franzose von AlphaTauri - in der Teamwertung Sechster - in Katar für einen Startplatz in den ersten drei Reihen der Startaufstellung. Im Zeittraining auf dem Losail International Circuit reicht es sogar zum vierten Platz. Damit schlägt der Franzose mit Sergio Perez einmal mehr sogar einen Red Bull, auch auf Valtteri Bottas im Mercedes (P3) fehlen mit eineinhalb Zehntel Rückstand keine Welten.

Abgezeichnet hatte sich das bereits im Training. Bei der Premiere in Katar mischte Gasly von Beginn an weit vorne mit, fuhr am Freitag in beiden Sessions auf Rang zwei. "Das Qualifying war klasse, das ganze Wochenende war richtig, richtig gut bislang. Diese Strecke ist eine meiner liebsten. Die Balance des Autos ist einfach klasse und wir können voll ans Limit gehen. Echt toll, hier zu fahren", schwärmt Gasly bei Motorsport-Magazin.com.

Pierre Gasly: War sogar Bottas schlagbar?

Die Strecke hat der Franzose spätestens durch sein auch noch starkes Resultat im Qualifying bereits in seine Top-5 aufgenommen. "Du machst hier einfach die ganze Zeit etwas. So viel Highspeed, jede Menge-Kräfte und Adrenalin", ergänzt Gasly am Sky-Mikrofon.

Wäre sogar noch mehr möglich gewesen? "Auf der letzten Runde in Q3 hatte ich mich schon um 1,5 Zehntel verbessert, das hätte uns also sehr nah an Valtteri herangebracht. Ich weiß nicht, ob er sich verbessert hat, aber unsere Runde kam echt gut zusammen", sagt der ehemalige Red-Bull-Fahrer. Doch sollte Gasly seinen letzten Schuss nicht ins Ziel bringen. In Kurve 15 kam der Franzose auf einen der in Katar extrem aggressiven Kerbs, riss sich den Frontflügel ab, der daraufhin seinen rechten Vorderreifen aufschlitzte.

Gasly: Wissen, dass unser Frontflügel zerbrechlich ist

"Aus Kurve 15 raus habe ich ein bisschen mehr gepusht, aber es war ein ziemlicher Schock im Auto, den ganzen Flügel zu verlieren. Das hat den ganzen rechten Vorderreifen gesprengt und das war es dann", schildert Gasly die Szene. Ob er zu weit auf dem Kerb gewesen sei, wisse er nicht. "Aber wir wissen, dass unser Frontflügel echt schwach ist, verglichen mit anderen. Wir haben ihn in Bahrain verloren, in Monza und in Sotschi auf den Kerbs", erinnert Gasly. "Der scheint echt fragil zu sein. Wir wissen muss es nochmal genauer ansehen, aber es schien mir nicht, als wäre ich super weit drüber gefahren. Er ist einfach urplötzlich gebrochen."

Immerhin hatte die Szene keine negativen Konsequenzen. P4 aus dem ersten Run hielt allen Schlussattacken der Konkurrenz stand, wobei so mancher auch wegen resultierender gelber Flaggen abbrach, etwa Fernando Alonso von WM-Konkurrent Alpine. "Wir haben nicht erwartet, dass die hier so schnell sind", staunt Gasly. "Ich war schon von unserer Performance beeindruckt, ehrlich gesagt. Wir scheinen noch schneller zu sein als gewöhnlich, aber sie scheinen viel schneller zu sein als üblich." Dass man beide Ferrari und McLaren geschlagen habe verdeutliche, die große Performance.

Gasly bewusst auf Soft: Will erste Runde maximieren

"Am Ende des Tages haben wir unseren Job gemacht und waren Vierter hinter den beiden Top-Teams. Ein echt beeindruckendes Wochenende des Teams", schwärmt Gasly von seiner Truppe - und kann dabei auch Teamkollege Yuki Tsunoda einschließen. Der Japaner schaffte zumindest den Sprung ins Q3 und qualifizierte sich dort als Achter vor Esteban Ocon in der zweiten Alpine. "Das ist wichtig, gerade für die Strategie", sagt Gasly. "So starten wir beide eine Position vor dem anderen Auto. Aber es wird interessant und ein enger Kampf."

Doch verzichtete Gasly dabei auf einen Vorteil? Im Q1 testete der Franzose bereits die Medium-Reifen und schien später schnell genug für einen Q3-Einzug auf diesem haltbareren Pneu. Doch der Franzose versuchte das nicht einmal, sondern setzte voll auf Soft. "Ich will nicht auf dem Medium starten", erklärt Gasly auf MSM-Nachfrage. "Der Weg zur ersten Kurve ist hier ziemlich lang und da war mir von Beginn des Wochenendes an klar, dass ich meine Performance am Start und in der ersten Runde maximieren will", erklärt Gasly.

Formel 1 Katar: Hilft Gasly sogar Max Verstappen?

Helfen könnte der Franzose durch den sensationellen vierten Startplatz am Start so womöglich sogar Verstappen gegen Mercedes - als Ersatz des Schwesterteams für Perez. "Ich versuche es", sagt Gasly bei Sky. "Aber ich fahre keinen Red Bull und habe nicht ihre Pace. Aber ich versuche es. Wenn wir eine Chance am Start, in der ersten Runde oder auch noch im Rennen haben, warum nicht, wenn die Pace gut genug ist. Aber ich erwartet sie bei der Rennpace doch deutlich stärker als."

So weit vorne nicht eingreifen sollte Yuki Tsunoda. Dennoch ist der Japaner mit seiner Leistung und Platz acht zufrieden. Es sei gut zu zeigen, dass sich das Team auf ihn verlassen könne, so der F1-Rookie. "Es war am Ende eine gute Runde. Ich bin zufrieden mit meiner Performance", sagt Tsunoda. Womöglich sei sogar noch etwas mehr drin gewesen, mutmaßt der Japaner. "Aber ich musste leider schon im Q1 zwei Sätze Soft benutzen. Das war schade, denn so musste ich dort einen Satz opfern, der für Q3 gedacht war", erklärt der Youngster.

Yuki Tsunoda mischt mit: Alpine im Visier

Jetzt ruhe der Fokus im Duell mit Alpine voll auf dem Start. "Denn Überholen wird hier schwer, denke ich. Da wird der Start der Schlüssel. Das Ziel ist, vor Alpine zu kommen und Punkte zu holen", sagt Tsunoda. Vorteil - oder zumindest mal kein Nachteil: In Katar kennen selbst die erfahrenen Piloten den Kurs nicht besser als die Rookies. "Das sind auf jeden Fall mal gleiche Bedingungen - ganz anders auf jeden Fall als zuletzt in Brasilien", sagt Tsunoda. "Und ich habe mich hier gut an die Strecke gewöhnt und bin schnell auf Speed gekommen!"


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