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Formel 1 - Vettel kritisiert Kalender: 23 Rennen sind zu viel

Der Formel-1-Kalender für 2022 wird 23 GPs beinhalten. Sebastian Vettel schlägt Alarm: Das sind zu viele für das Team-Personal. Familienleben unmöglich.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2021 wird mit 22 Rennen die längste in der Geschichte des Sports werden. 2022 werden - wie ursprünglich für dieses Jahr geplant - voraussichtlich sogar 23 Stationen im Kalender vertreten sein. Bereits seit Jahren wird Kritik an den Expansionplänen der Formel-1-Bosse laut. Jetzt macht auch Sebastian Vettel auf das Problem aufmerksam. Der Aston-Martin-Fahrer sagt am Rande des Türkei-GPs: "Wir müssen aufpassen, nach welchen Interessen wir uns richten."

Enorme Reisestrapazen

"Man muss sich das nur einmal durchrechnen. Wir haben 52 Wochenenden in einem Jahr und an 23 von denen finden Rennen statt plus gibt es noch ein paar Monate, wo man an den meisten Orten gar nicht fahren kann. Das sorgt natürlich für eine sehr intensive Saison", sagte Vettel.

Vor allem die Mitarbeiter der Formel-1-Teams müssen den immer anwachsenden Kalender im Formel-1-Zirkus ausbaden. Denn sie verbringen somit kaum Zeit in ihrer eigentlichen Heimat und befinden sich von März bis November oder - wie in diesem Jahr - bis Dezember auf Reisen.

Vettel: Die meisten haben Familie

"Das Ziel müsste sein, eine nachhaltige Art und Weise zu finden, um unsere Saison zu absolvieren", fordert Vettel. "Wir können schon jetzt sehen, was für eine immense Herausforderung. Es sind so viele Menschen involviert und die Wochenenden sind viel länger als das, was nur der Samstag und Sonntag, also das was man im Fernsehen sieht", merkt er kritisch an.

"Die meisten Ingenieure oder Mechaniker haben Familie oder Kinder", erklärte Vettel weiter. Für ein Familienleben bleibt bei den Reisestrapazen aber beinahe kein Platz mehr. "Es sollte so organisiert werden, dass auch diese Menschen ein normales Leben außerhalb ihrer Jobs haben", findet der vierfache Weltmeister.

Ricciardo: Team wird Ersatzfamilie

Daniel Ricciardo sieht ebenfalls das Problem und meint. Das sei nur zu schaffen, wenn die Dynamik im Team passt und die Mannschaft, mit der man das ganze Jahr unterwegs ist, zu einer Art Ersatzfamilie heranwächst. "Ich denke es ist sehr wichtig, dass man enge Kontakte zu anderen Teammitgliedern pflegt, weil man so lange von seiner Familie getrennt ist", so der Australier.

"Vor allem bei den Tripleheadern", unterstreicht Ricciardo und greift damit ein altes leidiges Thema auf. Nämlich, wenn an drei Wochenenden in Folge gefahren wird. Haas-Teamchef Günther Steiner kritisierte im Juli ebenfalls Tripleheader und plädierte dafür, lieber mehr Doubleheader einzuplanen, dafür drei aufeinanderfolgende Rennen aber zu vermeiden.

Kalender-Bestätigung diese Woche

Diese Bitte wird in der kommenden Saison wohl nicht berücksichtigt werden. In einem ersten Kalender-Entwurf für 2022, der Mitte September die Runde machte, waren bei 23 Großen Preisen erneut drei Tripleheader vorgesehen. Am 15. Oktober tagt der Motorsport-Weltrat (WMSC) in Paris. Dann könnte der erste provisorische Kalender bereits von offizieller Seite bestätigt werden.

Ein längerer Kalender mit einer größeren Anzahl an Grands Prix mehr Einnahmequellen für die Königsklasse, die von (fast) jedem GP-Austragungsort Antrittsgebühren in zweistelliger Millionenhöhe einkassiert. Diese machen etwa 30 Prozent der Einnahmen aus. Die Nachdem die Formel 1 2020 aufgrund der Coronakrise fast 400 Millionen Dollar hinnehmen musste, ist jeder zusätzliche GP eine willkommene Geldquelle.


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