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Formel 1

Formel 1: Räikkönen lässt Alfa wieder hoffen, Giovinazzi stumm

Kimi Räikkönen sichert Alfa Romeo in Sotschi das beste Saisonergebnis. Iceman taktiert im Regen richtig und punktet. Antonio Giovinazzi ohne Funk geliefert.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kimi Räikkönen hat sein Formel-1-Comeback nach zwei verpassten Rennen wegen einer Infektion mit dem Coronavirus beim Großen Preis von Russland 2021 mit dem bislang besten Saisonergebnis Für Alfa Romeo Racing gekrönt. Lange Zeit sah es für den Finnen in Sotschi nach einem weiteren undankbaren elften Platz aus, doch bei einsetzendem Regen kurz vor Rennende taktierte Räikkönen mit einem frühen Wechsel auf Mischreifen richtig und rutschte so auf den achten Platz nach vorne.

Die vier Punkte lassen Sauber im WM-Kampf gegen Williams wieder hoffen. Antonio Giovinazzi ging derweil erneut leer aus. Das Rennen des Italieners wurde von einer Berührung im Startgetümmel und Funkproblemen allerdings deutlich beeinträchtigt.

Formel 1 Sotschi: Räikkönen gewinnt am Start drei Plätze

Einen ersten Grundstein legte Räikkönen mit gleich drei Positionsgewinnen in der Startrunde. Von P13 gestartet kam der Finne nach den ersten 5,848 Kilometern als Zehnter zurück über die Linie. "Das war ein guter Start, ich habe ein paar Plätze geholt", sagt Räikkönen. "Dann bin ich für den Großteil des Rennens einer Alpine [Esteban Ocon] hinterher. Das Auto fühlte sich gut an, aber wir waren zu langsam, um vorbeizukommen. Wenn die Geraden kamen, hatte ich keine Chance. Überholen war nicht leicht, vor allem im DRS-Zug."

Nach einem frühen Reifenwechsel in Runde 15 - parallel mit Ocon - hing Räikkönen noch immer hinter dem Franzosen fest und bezog nach Ende der regulären Boxenstopps auf dem elften Platz Position, Max Verstappen im Red Bull war per Overcut vorbeigezogen. Dann verschlechterten sich die Bedingungen. Zwei Plätze verlor Räikkönen so auf der Strecke gegen Charles Leclerc und Sebastian Vettel, ehe sich der Finne in Runde 47 als einer der Ersten für einen Wechsel auf Intermediates entschied.

Räikkönen entscheidet selbst: Intermediates besser

Anders als an der Spitze musste der Finne nicht überzeugt werden, sondern beantragte diesen Call selbst. "Ich dachte, es sei schon zu nass, und war einer der ersten, die gewechselt haben. Das hat uns am Ende richtig geholfen", berichtet Räikkönen. "Da haben wir mit den Reifen die richtige Entscheidung getroffen. Sicher ist unser Auto nicht im Regen normalerweise nicht das Beste, aber wir haben zum richtigen Zeitpunkt gestoppt, hatten guten Speed in den letzten Runden und haben ein paar Autos überholt. Nicht schlecht. Wir haben das Beste getan, was wir konnten und wir wurden dafür mit ein paar Punkten belohnt", freut sich der Finne. "Es war gutes Ergebnis, wofür wir hart gekämpft haben."

Xevi Pujolar, leitender Ingenieur von Alfa Romeo an der Strecke, gewährt einen näheren Einblick in die Entscheidungsprozesse. "Wir haben ihn gefragt, ob es zu nass für Slicks sei", berichtet Pujolar. "Es war sein Call, reinzukommen. Wir wussten, dass wir einfach für einen Call bereit sein mussten. Für uns am Kommandostand sind solche Bedingungen schwer zu verstehen. Sie [die Fahrer] sind diejenigen, die da draußen fahren. Wir waren einfach bereit und haben den Fahrer gesagt, sie sollen uns einfach wissen lassen, wenn es zu viel ist und wir an die Box müssen. Bei Kimi war das ein guter Call. So konnten wir Positionen gewinnen."

Alfa überzeugt von Norris-Strafe: Stewards verwarnen nur

So spülte es Räikkönen bis auf P7 nach vorne. Kurz vor Rennende fing der lange Führende Norris den Finnen nach einem späten Wechsel auf Intermediates noch ab. P8. Doch Alfa Romeo hoffte noch auf eine Strafe gegen den Briten. Norris hatte bei der Boxeneinfahrt die Linie überfahren. Für dieses Vergehen hatte Räikkönen im Vorjahr in Mugello immerhin noch eine Zeitstrafe von fünf Sekunden kassiert, genauso Yuki Tsunoda erst dieses Jahr in Spielberg. Das hätte in Sotschi gereicht, um im Resultat wieder vor Norris zu gelangen.

Doch die Stewards beließen es in diesem Fall bei einer Verwarnung. Die lackierte Fläche bei der Einfahrt zu überfahren, werde wegen der verschlechterten Bedingungen als nicht vorhersehbar und unabsichtlich bewertet, hieß es. Eine Entscheidung, die bei Sauber nicht gerade gut ankommt, wie schon diverse Retweets Pujolars auf Twitter andeuten.

Doch auch vier statt sechs Punkte lassen Alfa Romeo in der WM-Wertung nun zumindest wieder etwas hoffen. George Russell erzielte mit P10 zwar auch einen Zähler, dennoch holte Sauber zumindest drei Punkte auf Williams auf. Mit 16 Punkten Rückstand ist der Vorsprung der Truppe aus Grove allerdings noch immer komfortabel. "Wir pushen aber jedes Rennen weiter", sagt Pujolar. "Wir kämpfen bis zum Saisonende!" Zuletzt hatte der Spanier nach dem zweiten Williams-Big-Point in Spa schon fast aufgegeben. Nach Ungarn hatte Alfa noch gehofft. Sieben Punkte aufzuholen hielt man in der zweiten Saisonhälfte noch für realistisch.

Antonio Giovinazzi: Erst Startunfall, dann kein Funk

Keinen Beitrag leisten konnte auch in Sotschi einmal mehr Antonio Giovinazzi. Der Italiener kam nicht über den 16. Platz hinaus. Erneut schlechte Argumente für einen Verbleib bei Alfa Romeo? Nicht ganz. Giovinazzis Rennen war gleich doppelt beeinträchtigt. Im Startgetümmel berührten sich Giovinazzi und Mick Schumacher leicht, die Italiener musste die Auslaufzone und fiel zurück. "Ich wurde in Kurve zwei von irgendjemandem getroffen und habe viele Plätze verloren. Dann hing ich eine ganze Weile hinter Haas und Williams", klagt der 27-Jährige.

Noch dazu streikte das gesamte Rennen über der Boxenfunk. Pures Gift, gerade in der Phase einsetzenden Regens, aber schon zuvor von Nachteil. "Ich hatte von Runde eins bis zum Ende keinen Funk, also war es unmöglich mit dem Team zu kommunizieren. Das war ein sehr schwieriger Nachmittag, besonders als der Regen am Ende kam und ich mit der Box nicht über den Reifenwechsel sprechen konnte. Das wäre wichtig gewesen", berichtet Giovinazzi.

Giovinazzi geliefert: Kein Funk im Regenchaos

"Heute hat es das ziemlich schwer gemacht, es war ein kniffliges Rennen", bestätigt Pujolar. "Neben dem Benzinmanagement gab es am Ende dann auch noch das Wetter. Ein paar Runden lang hatten wir irgendwann mal Funk, sodass zumindest er uns hören konnte, aber wir ihn nicht. Aber nach ein paar Runden war es dann ganz verloren", klagt der Strecken-Ingenieur. So konnte man den Italiener nicht über die optimalen Rundenzeiten informieren "Das hat seine Performance am Ende des ersten Stints beeinträchtigt, weil wir so nicht am Optimum fahren konnten", erklärt Pujolar.


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