Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1 bricht mit Tradition: Monaco nur noch drei Tage

Die Formel 1 macht 2022 Schluss mit einem Exoten im Kalender: Das Monaco-Wochenende wird von vier auf drei Tage gekürzt. Die Fahrer sind wenig begeistert.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - In der kommenden Formel-1-Saison 2022 bricht die Königsklasse des Motorsports mit einer uralten Tradition. Das außergewöhnliche viertägige Rennwochenende beim Großen Preis von Monaco wird auf die sonst gewohnten drei Tage Streckenaction am Stück eingedampft. Das bestätigte F1-CEO Stefano Domenicali nach vorherigen Gerüchten und Medienberichten nun in einem Interview mit CNN.

"Monaco wird drei Tage sein, am Stück", sagte der Italiener. "Also Freitag, Samstag und Sonntag statt Donnerstag, Unterbrechung und dann Samstag und Sonntag. Das ist die Änderung, die wir nächstes Jahr einführen."

Formel 1 seit 1950 mit Ruhetag in Monaco

Im Fürstentum hatte die Formel 1 zuvor seit dem Debüt 1950 stets am Freitag pausiert. Am Donnerstag trug die Formel 1 die beiden ersten Freien Trainings aus, ehe es nach einem Tag Pause am Samstag mit dem regulären Programm weiterging.

Dieses spezielle Format rührte von terminlichen Gründen der Formel-1-Geschichte. So fand der Große Preis von Monaco traditionell am Wochenende von Christi Himmelfahrt statt. Der Donnerstag war ein gesetzlicher Feiertag und bot so die Möglichkeit für ein verlängertes Wochenende, in dessen Mitte zumindest für einen Tag die Motoren schweigen sollten.

Formel 1 will kürzeres Monaco wegen Back-to-Back mit Spanien

Zuletzt war das bereits weniger der Fall. Die Rahmenserien der Formel 1 fuhren auch am Freitag. Doch für die Königsklasse blieb dieser Ruhetag immer - auch ohne einen Termin an Christi Himmelfahrt. So war zudem eine Belieferung der um die Strecke verteilten Lokale gewährleistet, den Einwohnern ein Tag der Ruhe geboten und der Gastronomie, Party-Szene und Hotellerie ein zusätzlicher Tag für Einnahmen eingeräumt.

Nun wollte die Formel 1 allerdings unbedingt eine Verkürzung: Immerhin soll der Grand Prix von Monaco 2022 (29. Mai) als Back-to-Back-Rennen mit dem Spanien-GP (22. Mai) fungieren, wie aus einem kürzlich veröffentlichten provisorischen Rennkalender des gut informierten Portals Racefans.net hervorging. Durch die Verlegung des Trainings auf den Freitag bleibt für die Logistik so ein ganzer Tag mehr Zeit.

Alonso: Schlecht, wir lieben Monaco!

Die Verhandlungen mit dem gastgebenden Automobilclub von Monaco über einen neuen Vertrag (Vertragsende zuvor 2021) sollen auch deshalb schwierig gewesen sein. Noch dazu muss dem Bericht zufolge nun auch Monaco eine Antrittsgebühr zahlen statt Teile der Einnahmen und Steuern an den kommerziellen Rechteinhaber abzugeben.

Bei den Fahrern stößt die Verkürzung des Monaco-Wochenendes auf ein eher negatives Echo. "Schlecht! Wir alle lieben Monaco. Ein Tag weniger dort zu sein ist nicht gut", sagte Fernando Alonso in Sotschi. Zudem sei zusätzliche Zeit im Fürstentum wichtig für Sponsorentermine.

Vettel: Dinge, die Spaß machen, sterben aus

Sebastian Vettel zeigt sich ebenfalls nicht allzu begeistert. "Vielleicht macht es keinen großen Unterschied, aber es hat immer Spaß gemacht, einen Tag frei zu haben", sagte der Deutsche. "Nicht, um Party zu machen, aber um etwas mehr Zeit für die Vorbereitungen zu haben. Es war einfach eine Monaco-Sache." Mit einer Mischung aus Gram und Humor fügte der bekennende Traditionalist und Purist an: "Aber da Dinge, die Spaß machen sowieso aussterben, ist das vielleicht der Grund, warum es auf drei Tage verkürzt wurde. Es hat Spaß gemacht, also lass es uns nicht mehr machen."

Teamkollege Lance Stroll nannte mit Blick auf den auch 2022 anvisierten Kalender mit 23 Rennen noch ein anderes Argument. "Bei so vielen Rennen gibt einem dieser Zeitplan mal einen Tag mehr, um zu entspannen", sagte der Aston-Martin-Fahrer. Formel-1-Routinier Kimi Räikkönen - schon immer alles andere als ein Freund des Trubels von Monaco - äußerte sich dennoch nicht erleichtert. "Ich habe keine Meinung", sagte der Finne. 2022 ist der Rekordstarter der Königsklasse ohnehin nicht mehr dabei.

2022: Formel 1 plant 23 Rennen mit frühem Saisonende

Domenicali unterdessen nannte in dem Interview noch einige weitere Details, die den kürzlich aufgetauchten provisorischen Kalender bestätigten oder ergänzten. So soll der Frankreich-GP stattfinden und die Saison deutlich früher enden als 2021. In diesem Jahr endet die Saison mit derzeit 22 geplanten Rennen erst am 12. Dezember in Abu Dhabi, der Entwurf nannte für 2022 den 20. November als Termin für das Finale einer Saison mit 23 Läufen. Offiziell verkündet werden soll alles am 15. Oktober nach der nächsten Sitzung des Weltmotorsportrats. Das Debüt in Miami ist unterdessen schon terminiert. Der Veranstalter bestätigte am Donnerstag den bereits kolportierten achten Mai.