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Formel 1

Mercedes erklärt: Darum Frontflügel geklebt statt gewechselt

Lewis Hamilton trug beim Unfall mit Max Verstappen leichte Schäden davon. Mercedes reparierte den Frontflügel, statt ihn zu wechseln. Warum?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Totalschaden bei Red Bull von Max Verstappen, kleinere Blessuren am Mercedes von Lewis Hamilton: Der amtierende Formel-1-Weltmeister kam bei der Kollision im Titelkampf glimpflich davon. Trotzdem war die Rennunterbrechung für seine Mechaniker stressiger, als sie hätte sein müssen.

Mercedes erkannte eine angeknackste Felge und einen Schaden am Frontflügel. Beides Komponenten, die sich binnen weniger Sekunden wechseln lassen. Doch statt die Nase samt Frontflügel einfach auszutauschen, entschied sich Mercedes zur Reparatur.

Gut zu erkennen: Silbernes Tape am Reifensensor - Foto: LAT Images

"Der Flügel war aerodynamisch überhaupt nicht beeinträchtigt", verrät Mercedes' James Allison, der Anfang Juli vom Technischen Direktor zum CTO aufstieg. "Alle Teile, die Abtrieb generieren und Performance-relevant sind, waren intakt."

Reifensensor hängt an Kabel

Lediglich die Befestigung der Infrarotkamera, die innen an der Frontflügelendplatte installiert ist, hatte die Berührung nicht überstanden. Die Kamera ist nach hinten gerichtet und misst die Oberflächentemperatur des Vorderreifeins. Die Kamera selbst hatte den Kontakt überlebt, hing aber nur noch am Kabel.

Die Mechaniker befestigten den Sensor während der Rennunterbrechung mit Kleber und Tape. Ein durchaus unüblicher Vorgang in der Formel 1. "Wir wussten sehr, sehr genau, wie die Balance des Autos mit diesem Frontflügel an diesem Tag war. Wir wollten das Auto nicht aus der Balance bringen, indem wir einen neuen Frontflügel montieren. Denn kleine Fertigungstoleranzen am Frontflügel hätte uns eine leicht andere Balance gegeben", erklärt Allison.

Normalerweise sitzt die Kamera in einem schwarz lackierten Karbon-Gehäuse - Foto: LAT Images

Neben Fertigungstoleranzen ist auch die Einstellung der Frontflügel-Flaps mit einer gewissen Varianz verbunden. Die Flaps werden während des Rennwochenendes mehrfach verstellt. Die Einstellungen werden zwar auch für die Ersatzteile übernommen, minimale Abweichungen kann es dabei trotzdem geben.

Die Reparaturarbeiten waren dem Boliden anzusehen. Statt der schwarz lackierten Karbonhalterung konnte man an der linken Seite silbernes Tape erkennen. "So konnten wir aber sicherstellen, dass wir nach dem Restart die identische Performance wie zuvor haben würden", so Allison.


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