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Formel 1

Trotz Formel-1-Dominanz: Red Bull hält an Update-Plan fest

Fünf Rennen, fünf Siege: Red Bull dominiert die Formel 1 gerade. Dr. Helmut Marko erklärt die Stolpersteine Richtung Titel und den Update-Plan.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Herr Dr. Marko, wird die Weltmeisterschaft jetzt langweilig?
Dr. Helmut Marko: Unser Lauf ist nicht schlecht. Es ist gut, in drei Rennen 77 Punkte zu holen. Aber wenn man vorne fährt, dann ist das Leben so viel einfacher und dieser Sieg war noch viel einfacher als vergangenen Sonntag.

Was kann Sie noch stoppen?
Dr. Helmut Marko: Es werden andere Strecke und andere Reifenmischungen kommen. Aber sehen wir uns McLaren an: Wenn bei denen alles zusammenpasst, dann sind sie plötzlich auf Augenhöhe. Wir wissen aber wie stark Mercedes ist und was sie noch leisten können. Es ist aber beruhigend, wenn man so souverän gewinnt.

Sie hatten ja ursprünglich einen Update-Plan bis zur Sommerpause. Haben Sie den jetzt angepasst, weil man gesehen hat, dass weniger vielleicht reicht?
Dr. Helmut Marko: Nein. Obwohl uns Herr Wolff im nächsten Jahr zwei Sekunden abhängen wird [lacht], bleiben wir bei unserem Zeitplan, weil der garantiert, dass die Entwicklung am Auto entsprechend weitergeht und auf der anderen Seite hat das mit dem 2022er Auto überhaupt nichts zu tun.

Mercedes hat Updates für Silverstone angekündigt, haben Sie ebenfalls neue Teile?
Dr. Helmut Marko: Das fragen wir den Herrn Wolff [lacht].

Haben Sie aktuell das bessere Auto und den besseren Motor?
Dr. Helmut Marko: Und den besseren Fahrer, also die drei Komponenten.

Sergio Pérez erhielt für sein Verhalten im Duell gegen Charles Leclerc zwei 5-Sekunden-Strafen - Foto: LAT Images

Mit Sergio Perez dürften Sie weniger zufrieden gewesen sein. Sind Sie mit den Strafen einverstanden?
Dr. Helmut Marko: Nein. Ich finde, die Strafen sind zu hart. Also wenn, dann hätte eine genügt…

Die erste oder zweite Strafe?
Dr. Helmut Marko: Also ich hätte eher gesagt, die zweite ist eine Folge der ersten Strafe. Ich meine, wir wollen enges Racing sehen. Auch die Strafe von Norris habe ich nicht als richtig empfunden. Vor allem, wenn du ihn nicht mal berührst oder abdrängst. Die fahren ja alle am Limit und solange da niemand abfliegt.

Sie hätten Norris also nicht bestraft?
Dr. Helmut Marko: Nein.

Dr. Helmut Marko: 'Wir haben vor nichts Angst'

Was war da mit dem Cut am rechten Hinterreifen bei Verstappen los?
Dr. Helmut Marko: Wir haben nach dem Reifenwechsel einen Cut gesehen und dann haben wir noch einen Stopp eingelegt. Nicht, um auf die schnellste Runde zu gehen, die hatten wir eh schon. Und von den anderen hätte keiner einen freien Stopp machen können. Max ist dann ohne volle Motorleistung direkt wieder 1.4 oder 1.6 Sekunden schneller gefahren.

Also hat Verstappen im Rennen schon relativ früh die Motorleistung runtergedreht?
Dr. Helmut Marko: Vor allem sind wir nicht über die Kerbs gefahren. Wir haben ja die Beschädigung mitbekommen, die der Hamilton sich da geholt hat. Wir haben Max gesagt, dass er von den Kerbs wegbleiben soll. Das war von den Zeiten her nicht viel langsamer - ein paar Hundertstel pro Kurve -, aber sicherer und auch von den Reifentemperaturen her waren wir souverän.

Max Verstappen feierte beim Österreich GP seinen vierten Sieg aus fünf Rennen - Foto: LAT Images

Wissen Sie, wo er sich den Cut zugezogen hat?
Dr. Helmut Marko: Nein. Und der war auch nicht bedrohlich, aber wenn ich an Baku denke und du 24 Sekunden Vorsprung hast, dann machst du das.

Was war eigentlich mit dem Yuki Tsunoda los? Kennt der die eigene Strecke nicht oder zumindest die Boxeneinfahrt?
Dr. Helmut Marko: Vielleicht müssen wir schauen, dass die Sitzposition höher ist. [lacht]

Wovor haben sie nun mehr Angst: Vor dem Sprint-Qualifying, vor der Rennstrecke oder den neuen Reifen?
Dr. Helmut Marko: Wir haben vor gar nichts Angst. Wir stellen uns dem und wollen aus allem das Maximum herausholen. Silverstone war in der Vergangenheit absolutes Mercedes-Land. Da haben wir vorheriges Jahr nur durch die Reifenproblematik ein Rennen gewinnen können. Wir gehen aber mit sehr viel Selbstvertrauen in das Wochenende. Wir haben nämlich gesehen, dass unser Auto bisher auf jeder Strecke siegfähig war. Aber wenn wir das auch noch gewinnen können, dann blicken wir schon positiver auf den WM-Titel.


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