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Formel 1, Trainings-Analyse: Red Bull lässt Mercedes zittern

Red Bull gab am Freitag in Österreich den Ton an. Mercedes im Würgegriff von Max Verstappen? WM-Leader mahnt vor Lewis Hamiltons Pace. Die Trainingsanalyse.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Nach dem für viele Experten überraschenden Sieg von Max Verstappen vor einer Woche in Frankreich reiste Red Bull nun als Favorit zum Heimspiel in Österreich. Der Blick auf die Ergebnislisten verdeutlicht den Eindruck: Verstappen fuhr in beiden Freitagstrainings Bestzeit. Dazu distanzierte er die Konkurrenz in Anbetracht der Runde relativ deutlich.

"Aber das war nicht das wahre Bild, Lewis wurde die schnellste Runde gestrichen", mahnt der WM-Leader sofort. Tatsächlich wäre die Tagesbestzeit an Lewis Hamilton gegangen, hätte er auf seinem schnellsten Versuch nicht minimalst die Strecke verlassen. So blieb gar nur Rang vier mit vier Zehntelsekunden Rückstand.

Es war prinzipiell ein eigenartiger Trainingsfreitag. Weil die Meteorologen Regen prognostizierten, gab es bereits im 1. Freien Training viel Fahrbetrieb und sogar Longruns. Der Regen aber ließ auf sich warten, das 2. Freie Training fand weiterhin bei trockenen Bedingungen statt. Erst als der Porsche Supercup auf die Strecke ging, öffnete der Himmel seine Schleusen.

Formel 1 Boxenstopps bald langsamer! Steckt Mercedes dahinter?: (09:58 Min.)

Red Bull mit Honda-Power Gefahr für Mercedes

Obwohl die inoffizielle Bestzeit an Mercedes und Hamilton ging, zeigte sich Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko extrem optimistisch. "Wir haben noch nicht aufgedreht, mal sehen wie die Topspeeds sind", sagte der Grazer gut gelaunt.

Die Geraden sind inzwischen Mercedes' Schwachstelle. Spätestens seit der letzten Ausbaustufe, die die Japaner in Frankreich zündeten, ist der Honda-V6 ein ernsthafter Gegner für Mercedes. In Spielberg ist der Honda-Antrieb traditionell stark: Der Red Bull Ring liegt 700 Meter über dem Meeresspiegel. Der große Honda-Turbolader mag diese Bedingungen.

Dazu kann es sich Red Bull erlauben, mit kleineren Heckflügel zu fahren, weil das restliche Auto genügend Abtrieb generiert. Dadurch ist der RB16B eine Waffe auf den Geraden. Bei den Topspeeds sah Red Bull auf den ersten Blick schon am Freitag fantastisch aus: 322,3 für Verstappen, 311,5 Stundenkilometer für Hamilton.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Auf der schnellsten Runde war Verstappen auf den Geraden deutlich langsamer. Hier hieß es nur 308,5 zu 307,6 für Verstappen. Verstappens absoluten Topwerte wurden beim Longrun im Windschatten erzielt. Normalerweise haben die Teams am Freitag auch noch den alten Motor im Einsatz. Red Bull dürfte auf den Geraden noch deutlich Luft nach oben haben.

Bottas und Perez suchen Anschluss

"Wir liegen noch etwas zurück, vor allem auf einer schnellen Runde", bestätigt Lewis Hamilton daher. Bei dem Teamkollegen lief es deutlich schlechter. Valtteri Bottas bekam nicht nur eine Strafversetzung von drei Startplätzen aufgebrummt, sondern musste sich auch noch mit Platz zwölf zufriedengeben.

"Wir hatten nur einen Versuch mit weniger Benzin an Bord und der war etwas chaotisch. Deshalb war die Rundenzeit nicht überragend", erklärt der Finne. Außerdem verrät er: "Lewis und ich sind mit relativ unterschiedlichen Setups gefahren, weshalb wir jede Menge Daten haben, um sie heute Abend zu analysieren. Daraus können wir jetzt die besten Dinge für das Qualifying und das Rennen herauspicken."

Sergio Perez stellte den zweiten Red Bull immerhin auf Rang neun. "Wir brauchen noch etwas Feintuning, um mehr Potential aus dem Auto herauszuholen. Wenn man hier ein paar Zehntel findet, macht das einen riesigen Unterschied", wirft der Mexikaner ein.

Red Bull Ring beschert jede Menge Longrun-Daten

Beschweren wir uns in dieser Saison bislang über zu wenig Longrun-Daten am Freitag, sieht es in Österreich ganz anders aus. Einerseits ist die Strecke extrem kurz, weshalb mehr Runden gefahren werden. Andererseits gab es eben auch schon Dauerläufe im 1. Training.

Formel 1, Österreich I: Longruns auf Soft-Reifen

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Session Stint
Hamilton 21 11 1:09,559 FP2
Perez 19 10 1:09,933 FP2 1
Stroll 14 6 1:09,938 FP2 2
Sainz 31 20 1:10,143 FP2
Perez 20 10 1:10,148 FP1
Gasly 18 9 1:10,197 FP1
Bottas 18 9 1:10,249 FP2 1
Leclerc 27 15 1:10,254 FP1
Vettel 15 7 1:10,278 FP2 2
Sainz 22 13 1:10,291 FP1
Ricciardo 20 4 1:10,291 FP1
Norris 25 18 1:10,357 FP2 1
Alonso 24 11 1:10,407 FP1
Tsunoda 24 14 1:10,479 FP2
Bottas 18 8 1:10,547 FP1
Norris 21 12 1:10,619 FP1
Ricciardo 23 16 1:10,646 FP2
Ocon 19 7 1:10,668 FP1
Giovinazzi 27 15 1:10,724 FP2
Vettel 20 9 1:10,736 FP1
Stroll 19 10 1:10,792 FP1
Giovinazzi 19 7 1:10,977 FP1
Schumacher 13 5 1:11,376 FP2 1
Mazepin 18 9 1:12,687 FP1

Trotzdem bleiben einigen Daten aus. Max Verstappen zum Beispiel fuhr keinen Longrun auf den Soft-Reifen. Die Bestzeit auf der weichen Mischung ging deutlich an Lewis Hamilton. Nicht einmal Dauerlauf-Experte Sergio Perez konnte ihm dabei das Wasser reichen. Allerdings fuhr der Mexikaner seinen Soft-Stint nur mit vollem Tank. Als das Auto leichter wurde, wechselte er auf die harten Reifen.

Interessant: Nach den exorbitanten Reifenproblemen in Frankreich geht Ferrari in Österreich auf Nummer Sicher. Charles Leclerc und Carlos Sainz fuhren extrem lange Stints. Auf den weichen Reifen sahen die Zeiten stark aus, auf den harten Reifen war Charles Leclerc nicht besonders schnell.

Formel 1, Österreich I: Longruns auf Medium-Reifen

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Session Stint
Verstappen 28 12 1:09,757 FP1
Hamilton 20 9 1:10,108 FP1
Alonso 27 16 1:10,148 FP2
Ocon 25 16 1:10,229 FP2
Russell 24 10 1:10,553 FP1
Ricciardo 20 4 1:10,590 FP1
Räikkönen 26 13 1:10,627 FP2
Stroll 29 15 1:10,668 FP2 1
Vettel 28 14 1:10,702 FP2 1
Tsunoda 24 10 1:10,708 FP1
Latifi 26 19 1:10,768 FP2
Schumacher 13 4 1:10,952 FP2 2
Schumacher 23 12 1:11,846 FP1
Mazepin 21 12 1:11,982 FP2

Bei den Medium-Reifen gab es im 1. Training einen Schlagabtausch zwischen Hamilton und Verstappen - mit deutlichem Vorteil für den Niederländer. Allerdings sollten den FP1-Runs nicht allzu viel Bedeutung beigemessen werden. "Für den Nachmittag haben wir ein paar Veränderungen am Setup vorgenommen und damit sah unsere Pace sowohl auf einer Runde als auch auf Long Runs etwas besser aus", verrät Mercedes Ingenieur Andrew Shovlin.

Formel 1, Österreich I: Longruns auf Hard-Reifen

Fahrer Reifen-Alter Stint-Länge Zeit Session Stint
Verstappen 31 13 1:09,712 FP2
Bottas 11 9 1:09,820 FP2 2
Perez 17 4 1:09,858 FP2 2
Russell 19 17 1:09,920 FP2
Leclerc 27 16 1:10,151 FP2
Norris 14 4 1:10,442 FP2
Latifi 20 8 1:10,862 FP1

Während es auf den weichsten Reifen keine Daten von Verstappen gibt, gibt es auf den härtesten keine Longruns von Hamilton. Verstappen gewinnt dafür den Vergleich mit Valtteri Bottas knapp. Dabei waren die Reifen des WM-Leaders aber bereits deutlich älter. Dazu fuhr Bottas seinen Hard-Run am Ende mit etwas leichterem Auto. Trotzdem scheint der Mercedes auf den harten Reifen erneut sehr gut zu funktionieren.

Formel 1 Boxenstopps bald langsamer! Steckt Mercedes dahinter?: (09:58 Min.)


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