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Formel 1

Formel-1-Reifenschäden: FIA-Boss nimmt Pirelli in Schutz

Reifenschäden und Regeländerungen sorgten zuletzt in der Formel 1 für Unmut. FIA-Präsident Jean Todt besorgt, stellt sich aber hinter Pirelli.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Zum wiederholten Mal fiel Formel-1-Reifenausstatter Pirelli 2021 durch dramatische Reifenschäden negativ auf. Nach den plötzlichen Reifenplatzern an zwei Autos in Baku gab es wieder viele Diskussionen, Regeländerungen - und in Frankreich trotzdem Kritik.

Während Fahrer und Teams nicht unbedingt glücklich über die Lage waren, halten die Formel-1-Regelhüter der FIA sich nobel zurück. Im Gegenteil, Präsident Jean Todt äußerte zwar seine Sorgen, stellte sich am Ende aber hinter den Alleinausrüster der Serie.

FIA-Präsident nach Baku-Reifenschäden besorgt

"Ich machte mir natürlich große Sorgen - sofort in dem Moment, als es passierte", unterstrich Todt am Rande des Frankreich-GPs gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Ich habe unsere Leute angerufen, habe [Pirelli-Sportchef] Mario Isola angerufen und mit ihm gesprochen, mehrmals."

Pirelli und die FIA arbeiteten nach den Schäden von Baku zusammen neue, verschärfte Regeln für den Umgang mit den Reifen aus. "Um sicherzustellen, dass alle Teams die Reifen auf die gleiche Art nutzen", unterstrich Todt noch einmal. Das soll mit höheren Mindest-Reifendrücken und einer strammeren Überwachung ebendieser erreicht werden soll.

Eine neue Technische Direktive der FIA deckt Pirellis Bitten ab. Jetzt müssen die Teams immer, wenn sie auf der Strecke sind, den Mindest-Reifendruck von Pirelli einhalten. Wer das nicht tut, wird bestraft. Damit ist praktisch sichergestellt, dass alle mit ähnlichen Drücken fahren. Davor konnten die Teams den Druck nach der Messung fallen lassen. Je nachdem, wie viel sie riskieren wollten - bis an die 2 PSI unter dem (meist um die 20 PSI liegenden) Limit, heißt es.

FIA nimmt Pirelli in Schutz: Formel-1-Job schwierig

Die höheren Reifendrücke machten die Fahrer in Frankreich aber nicht glücklich. Auch bei den Teams klang teils verkappter Unmut durch - die Änderungen kamen schließlich nach Beschwerden vonseiten Pirellis, dass die aus Sicherheits-Zwecken gestellten Vorgaben nicht eingehalten worden waren.

Max Verstappen flog nach dem Reifenschaden mit hoher Geschwindigkeit ab - Foto: LAT Images

Pirelli-Sportchef Mario Isola trat am Freitag im Fahrerbriefing noch einmal an, um sich zu erklären. Für die Fahrer ist es eine Sicherheitsfrage - niemand will mit unsicheren Reifen fahren. Auf der anderen Seite verschlechtern aufgeblasene Hinterreifen das Handling.

Todt wollte keine Sicherheitsbedenken äußern. "Ich muss sagen, ich respektiere die Schwierigkeit von Pirellis Job", ergänzte er. "Es ist sehr schwierig. Wir dürfen nicht vergessen, 2021 wären neue Regeln mit 18-Zoll-Reifen gekommen, das wurde natürlich aus bekannten Gründen um ein Jahr verschoben."

"Deshalb gab es von uns Anpassungen bei der Aerodynamik, um die Autos ein bisschen einzubremsen", erinnerte Todt. Denn Formel-1-Reifen zu bauen ist nicht leicht: Pirelli erhält vorab immer Vorgaben, was die nächste Reifengeneration leisten soll, und muss zugleich mit Teams umgehen, die immer schnellere Autos bauen und immer nach Tricks suchen, um mehr aus den Reifen zu holen.

Pirelli hatte zugleich die Konstruktion der Reifen für die letzte Saison vor der 18-Zoll-Ära verstärkt. Bis Baku hatte auch alles funktioniert, die Reifen waren belastbarer, und Pirelli setzte sogar die Mindest-Drücke meist niedriger an. Mit diesem Laissez-faire-Ansatz ist seit Frankreich wieder Schluss.


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