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Formel 1

Formel 1 Baku, Sainz sauer auf sich selbst: War unkonzentriert

Carlos Sainz warf beim Aserbaidschan-GP ein Top-Ergebnis für Ferrari weg. Ein heftiger Verbremser endete im Notausgang. Der Spanier macht sich Vorwürfe.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - In Monaco hatte sich Carlos Sainz sogar über einen zweiten Platz geärgert, in Aserbaidschan hätte der Spanier diesen dankend angenommen. Im Formel-1-Rennen in Baku warf der Ferrari-Pilot am Sonntag selbst ein sehr viel besseres Ergebnis weg und beendete den Grand Prix vier Positionen hinter Charles Leclerc auf dem achten Rang.

"Ich bin sehr sauer auf mich selbst. Ich habe es wieder nicht geschafft, das Wochenende ganz zusammenzubringen", klagt Sainz. Schon im Qualifying hatte sich der Spanier geärgert. Wieder unterband ein Abbruch seinen zweiten Run. Keine Verbesserung möglich, nur Startplatz sechs - während Leclerc erneut von der Pole Position loslegte.

Carlos Sainz im Notausgang: Acht Plätze verloren

Im Rennen kam Sainz seinem Teamkollegen allerdings schnell näher. Nach sieben Runden war Leclerc an der Spitze von Hamilton und Red Bull überholt worden, Sainz lag auf P6, nur vier Sekunden und zwei Plätze hinter Leclerc. Kurz nach seinem Boxenstopp in Runde zehn ruinierte Sainz alle Chancen auf ein starkes Ergebnis in Baku persönlich.

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In Kurve acht verbremste sich der Spanier heftig und rauschte in den Notausgang. Im Rückwärtsgang tastete sich Sainz zurück auf die Strecke, das allein kostete rund 20 Sekunden und auf der Strecke vier Positionen gegen Yuki Tsunoda, Lando Norris, Fernando Alonso und Antonio Giovinazzi. In letzter Konsequenz verlor Sainz sogar acht Ränge. Nach der Phase der Boxenstopps lag der Spanier nur noch auf P14. "Kein toller Tag von mir. Da habe ich einen Fehler gemacht", gesteht Sainz.

Sainz erklärt Verbremser: Reifen kalt & unkonzentriert

Wie es zu dem Verbremser kommen konnte? "Als ich die Box mit dem Hard verlassen habe, war ich sofort sehr überrascht von dem Mangel an Grip und habe mit einer blockierenden Vorderachse gekämpft", berichtet Sainz. "Im FP1 war das Aufwärmen kein so großes Problem, vielleicht weil die Strecke da wärmer war. In Kurve acht habe ich den Grip dann etwas falsch eingeschätzt, habe vielleicht auch die Konzentration verloren, weil ich an andere Dinge gedacht habe und habe einfach dieses kleine bisschen zu spät und zu hart gebremst, sodass ich alle beiden Vorderreifen zum Blockieren gebracht habe."

An der engsten Stelle des Formel-1-Kalenders ging Sainz daraufhin auf Nummer sicher. "Dann habe ich mich für den Notausgang entschieden statt zu crashen", sagt der Ferrari-Pilot. "Ich denke, ich habe da 20 oder 25 Sekunden verloren und meine Vorderreifen hatten Bremsplatten." Der Zeitverlust war allein mit dieser Szene also nicht getan, der setzte sich fort, wenngleich in vertretbarem Rahmen, so Sainz. "Ich war echt sauer auf mich selbst. Trotz der Bremsplatten war meine Recovery danach aber noch gut, ich hatte die Pace, die ich auch erwartet hatte", sagt der Spanier.

Sainz kämpfte ganzes Rennen mit Aufwärmproblemen

Bis auf P8 kämpfte sich Sainz noch zurück, leicht war es allerdings nicht. Nicht nur nach dem Boxenstopp hatte der Spanier mit den Reifen zu schaffen. "Ich habe sehr gelitten, wann immer die Vorderreifen etwas kalt waren - bei beiden Starts, am Safety-Car-Restart und nach dem Boxenstopp. Da habe ich damit gekämpft, die Vorderreifen zu fühlen und die Front hat sehr blockiert", sagt Sainz. Vor allem eben nach dem Boxenstopp. Sainz: "Das hat zu einem kostspieligen Fehler geführt, der mich heute einige Position gekostet hat und mein ganzes Rennen beeinträchtigt hat."

Immerhin habe er noch ein paar Punkte retten können. "Aber es war auf jeden Fall ein enttäuschender Tag. Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden. Wir müssen die Gründe für diese Probleme verstehen und sie für die kommenden Rennen verbessern", fordert Sainz, auch von sich selbst: "Ich muss mich darin verbessern, ein besseres Gefühl mit kühlen Reifen zu haben. Das wird mir helfen, das Wochenende ganz zusammen zu bekommen."

Ferrari startet Aufarbeitung

Das verlangt auch Mattia Binotto. Immerhin hätte sich Ferrari in Baku deutlicher von McLaren absetzen können als um zwei WM-Punkte. "Der Abstand nach hinten ist klein und auf jeden Fall kleiner, als er hätte sein können", sagt der Ferrari-Teamchef. Das wirft Binotto allerdings nicht Sainz allein vor. Der Italiener sieht auch andere Baustellen verantwortlich. So verbremste sich etwa auch Leclerc am fliegenden Restart zur Rennmitte und verlor eine Position an Sebastian Vettel. Noch dazu war Ferraris Rennpace, gerade in verwirbelter Luft nicht zufriedenstellend.

"Das war heute nicht unser bestes Rennen. Nach dem Qualifying haben wir besseres erwartet. Es war ein schwieriges Rennen, wir waren in vielen Bereichen nicht perfekt", gesteht Binotto. "Wir müssen unsere Pace im Rennen verbessern, kein Zweifel. Ich bin aber sicher, dass wir die Bereiche finden, die wir verbessern können, wenn wir alles nochmal ansehen. Das ist wichtig für uns."


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