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Formel 1

Sebastian Vettel fordert Unfallanalyse: Hätte übel enden können

Die Reifenschäden von Max Verstappen und Lance Stroll in Baku schockierten ihre Formel-1-Kollegen. Sebastian Vettel etwa fühlte sich nur selbst sicher.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel & Co fordern eine genaue Aufarbeitung der Reifenschäden von Max Verstappen und Lance Stroll beim Großen Preis von Aserbaidschan. Sowohl der Red-Bull-Pilot als auch der Aston-Martin-Fahrer waren am Ausgang der schnellen Kurven vor der Start- und Zielgeraden mit plötzlich geplatzten linken Hinterreifen unvermittelt in die Barrieren gecrasht. An dieser Stelle fahren die Formel-1-Boliden rund 300 Stundenkilometer.

"Das muss untersucht werden. Bei dem Speed dort einen Defekt zu haben, ist extrem. Zum Glück ist ihnen nichts passiert, aber das muss angesehen werden, damit wir wissen, was da vor sich geht", fordert Rennsieger Sergio Perez. "Lance war vielleicht bei 270 oder 280, Max bei über 300. Bei solchen Geschwindigkeiten willst du derartige Defekt nicht haben. Wir müssen herausfinden, was da los war, damit es sich nicht wiederholt", sagt Pierre Gasly. "Ich bin aber sicher, dass es untersucht wird."

Vettel war verwirrt: Wie kann Stroll da crashen?

Selbst große Sorgen machte sich der Franzose nicht. "Ich war überhaupt nicht besorgt. Vielleicht waren es die anderen beiden [Perez und Vettel], weil ihre Teamkollegen Reifenschäden hatten", sagt der AlphaTauri-Pilot. Das traf zumindest auf Vettel nur mit Abstrichen zu.

"Ich wusste nicht, was passiert ist, ich habe nur gesehen, dass er das Auto sehr spät auf der Geraden verloren hat. Ich dachte erst, dass er vielleicht den Ausgang von Kurve 19 touchiert hat, aber dann habe ich auf meiner nächsten Runde gesehen, dass da kein Kratzer war. Ich konnte mir nicht erklären, warum man da so spät crasht", sagt Vettel.

Vettel fühlte sich sicher: War als Letzter drin

"Aber ich war sowieso auf der sicheren Seite, weil meine Reifen frischer waren, als die von allen anderen", sagt der Deutsche. Vettel war erst in Runde 18 zum Reifenwechsel von Soft auf Hard gekommen. Zu diesem Zeitpunkt fuhr einzig und allein noch Teamkollege Stroll, der allerdings schon auf den harten Reifen gestartet war, ehe diese nach 29 Runden versagten.

Formel 1: Vettel schlägt zurück: Wie gelang die Baku-Sensation?: (32:06 Min.)

"Als es Max dann auch passiert ist, war klar, dass es nur noch um die Frage 'Wer ist der nächste?' ging", sagt Vettel und fordert: "Das sollte nicht passieren. Das muss angesehen werden, denn es ist vielleicht der schlechteste Ort des Jahres, an dem du das haben willst. Das kann übel daneben gehen, weil du da so nah an der Mauer beim Boxeneingang bist."

Sebastian Vettel warnt: Hätte wegen Boxenmauer übel enden können

Vor dieser Gefahrenstelle hatte vor dem Wochenende zufälligerweise noch Nico Rosberg in einem Video zur Streckenerklärung auf seinem Youtube-Kanal gewarnt. "Ein paar Sorgen habe ich mir gemacht", gesteht Vettel deshalb doch. "Aber ich wusste, dass wir beim Restart neue Reifen bekommen und es dann okay sein sollte." Das sei allerdings schon zuvor der Fall gewesen. Vettel: "Es ist bei Lance erst nach etwa 30 Runden passiert und bei Max war es eine ähnliche Rundenzahl. Deshalb hatte ich keine Bedenken. Ich wusste, dass ich vielleicht der Letzte auf der Liste bin!"

Die Reifen sollen einer ersten Schnellanalyse Pirellis zufolge allerdings gar nicht von allein, etwa durch Verschleiß oder strukturelle Probleme, auseinandergefallen sein, sondern durch Trümmerteile auf der Strecke. So fanden die Italiener auch am Reifen Lewis Hamiltons einen sechs bis sieben Zentimeter langen Schnitt.

Pirelli plant Analyse im Eilverfahren

Noch dazu fand Pirelli an keinen anderen Reifen Hinweise auf zu große Abnutzung. Ohnehin werde in Baku mehr der rechte als der linke Hinterreifen belastet. Dass sich die Schäden Verstappens und Strolls nicht durch Vibrationen oder Druckverlust ankündigten, spreche ebenfalls für eine Fremdeinwirkung. Dann folgt der Reifenschaden akut, nicht schleichend - wie in Baku in beiden Fällen geschehen.

Den Forderungen einer Aufarbeitung kommt Pirelli nach und schickt die Reifen nun auf schnellstem Weg zur Analyse nach Italien. So will man der FIA noch vor dem kommenden Rennen in Frankreich einen Bericht vorlegen.


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