Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1, Max Verstappen schimpft nach Reifen-Drama auf Pirelli

Max Verstappen verliert den sichergeglaubten Sieg beim Aserbaidschan GP wenige Runden vor Rennende wegen eines Reifenplatzers. Crash mit über 300 km/h.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Wahnsinn in Baku: In Runde 47 von 51 verlor Max Verstappen den sichergeglaubten Sieg beim Aserbaidschan GP 2021. Bei Höchstgeschwindigkeit auf der Start- und Zielgeraden kam es hinten links zum Reifenschaden, Verstappen wurde Passagier und schlug mit rund 300 Stundenkilometern heftig in die Streckenbegrenzung ein.

Verstappen konnte unverletzt aussteigen, ärgerte sich aber maßlos über den Reifenschaden. Zunächst fluchte er am Funk, anschließend flog das Lenkrad und auf dem Rückweg an die Boxengasse schlug er mit dem Fuß gegen den kaputten Hinterreifen. "Was da passiert ist, ist frustrierend. Es ist schwierig, dazu etwas zu sagen. Das ganze Rennen war super, das Auto unglaublich schneller - das wäre normalerweise ein einfacher Sieg gewesen", sagte er später am ORF-Mikrofon.

Lance Stroll schied ebenfalls nach einem Reifenschaden aus - Foto: LAT Images

Der Niederländer hatte die harten Reifen bereits 33 Runden lang auf seinem Boliden. Zuvor kam es auch bei Aston-Martin-Pilot Lance Stroll zum Reifenschaden. Beim Kanadier löste sich ebenfalls der linke Hinterreifen auf der Start- und Zielgeraden auf. Stroll hatte 29 Runden auf dem Reifensatz absolviert.

Rennleiter Michael Masi schickte nach Verstappens Unfall zunächst das Safety Car auf die Strecke, entschied sich dann aber für die Rote Flagge. Während der Rennunterbrechung haben die Teams die Möglichkeit, Reifen zu wechseln.

Pirelli passte Reifendrücke an: Belastungen höher als angenommen

Erstmals brachte Pirelli die drei weichsten Reifenmischungen mit nach Aserbaidschan. Die Italiener passten nach den Freien Trainings am Freitag die Reifendrücke an der Hinterachse an. Der Mindestdruck stieg von 19,0 auf 20,0 PSI, nachdem die tatsächlichen Kräfte die Simulationen überstiegen hatten.

Weder bei Stroll, noch bei Verstappen hatte sich der Reifenschaden zuvor angekündigt. Pirelli rechnete vor dem Rennen mit einer längeren Lebensdauer des harten Reifens. Bis zu 40 Runden sollten auf dem C3 Reifen problemlos möglich sein.

"Sie hätten von der Lebensdauer her locker halten sollen. Max hat nicht gepusht, er war mehr als komfortabel unterwegs. Sie waren noch nicht abgefahren, sie wurden nicht übermäßig rangenommen", so Red Bull Teamchef Christian Horner zu Motorsport-Magazin.com. "Die Temperaturen waren gut, es war alles unter Kontrolle - und dann boom! Das kam total unerwartet."

Formel 1: Vettel schlägt zurück: Wie gelang die Baku-Sensation?: (32:06 Min.)

Verstappen: Das sagt Pirelli immer...

Während der Teamchef noch keine Rückschlüsse auf die Ursache ziehen will, schließt Verstappen Trümmerteile vom Stroll-Crash als Ursache aus: "Mehrere Fahrer sind mehrere Runden immer die gleiche Linie gefahren. Ich glaube nicht, dass da Teile waren."

Besonders gut war Niederländer nicht auf den Reifenhersteller zu sprechen: "Pirelli wird natürlich sagen, dass es irgendein Teil war, weil sie das immer sagen." Immerhin: Der Reifen ist auch nach dem Schaden in verhältnismäßig gutem Zustand. Das sollte die Analyse der Italiener erleichtern.

Für Verstappen hat der Reifenschaden sportlich dramatische Folgen: Der 23-Jährige hatte die Führung nach den Boxenstopps übernommen und dominierte das Rennen nach Belieben. Teamkollege Sergio Perez belegte zu diesem Zeitpunkt Platz zwei vor WM-Kontrahent Lewis Hamilton auf Rang drei. Nur aufgrund Hamiltons Fehler beim Neustart verlor Verstappen keine Punkte im WM-Kampf auf Hamilton.


Weitere Inhalte: