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Formel 1

Perez mit Kampfansage: Regelmäßig zwei Red Bull vor Mercedes

Sergio Perez ist bei Red Bull angekommen. Der Mexikaner gibt ambitionierte Ziele aus und spricht offen über seinen Rausschmiss bei Racing Point.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Es war das vorerst letzte Beben eines spektakulären Transferkarussells zur Formel-1-Saison 2021: Nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi verkündete Red Bull, dass Sergio Perez Alexander Albon ersetzen wird.

Formel 1 2021, Red Bull: Kampfansage an Mercedes: (11:12 Min.)

Nun ist der Mexikaner bei seinem neuen Rennstall angekommen. "Wenn du hier bist, verstehst du sofort, warum sie so erfolgreich sind", sagte Perez nach seinem Antrittsbesuch in Milton Keynes. "Sie haben die Infrastruktur, die Entwicklungsmöglichkeiten und sehr fähige Leute. Das ist sehr unterschiedlich zu den Teams, mit denen ich bislang gearbeitet habe."

Perez fuhr zwar 2013 eine Saison lang für McLaren, allerdings befand sich Woking damals gerade im Sinkflug. Zuletzt fuhr er sieben Jahre lang für Force India, respektive Racing Point. Team Silverstone, wie der Rennstall auch gerne genannt wird, gilt als eines der effizientesten Teams der Formel 1, holt aus verhältnismäßig wenig Geld viel Performance.

Aber an das Niveau von Red Bull kam Racing Point selbst im vergangenen Jahr nicht heran, als die finanziellen Mittel plötzlich vorhanden waren und große Teile des Weltmeister-Mercedes übernommen wurden.

Perez über Racing-Point-Rauswurf: Harter Schlag

2021 will Team Silverstone als Aston Martin den nächsten Schritt machen - aber ohne Perez. Der Mexikaner wurde trotz starker Leistungen und gültigem Vertrag rausgeworfen. Das Team wollte unbedingt Sebastian Vettel verpflichten. Lance Stroll, Sohn von Rennstallbesitzer Lawrence Stroll, stand nicht zur Diskussion.

"Das war ein harter Schlag", erinnert sich Perez an seinen Rausschmiss. "Ich habe alles für das Team gegeben und habe das nicht erwartet." Die Kündigung kam nach einer besonders schweren Zeit für den 30-Jährigen.

Lance Stroll erhielt den Vorzug gegenüber Sergio Perez - Foto: LAT Images

Perez verpasste wegen einer Corona-Erkrankung die beiden Rennen in Silverstone. "Ich hatte ein sehr hartes Jahr", resümiert Perez. "Ich war der erste Fahrer, der das Virus hatte. Jetzt ist es schon etwas normaler, wenn sich jemand infiziert. Aber damals war es so, als wäre man der dümmste Mensch der Welt, weil man das Virus hat. Es war schwer für mich, damit umzugehen. Und es war aufgrund der Vertragssache auch zu einer sehr kritischen Phase meiner Karriere."

Nur einen Monat später erfuhr Perez offiziell von seinem Rauswurf. "Als es passiert ist, war ich aber ziemlich entspannt. Denn ich habe mir gedacht: Ich hatte schon eine tolle Karriere und ich bin mit mir im Reinen ", so Perez.

Aber die Karriere des Familienvaters sollte bald erst so richtig Fahrt aufnehmen: In der Türkei fuhr er bei schwierigen Bedingungen ein starkes Rennen und wurde Zweiter. Wenig später holte er beim Sakhir GP sensationell seinen ersten Sieg in der Formel 1.

Mit Sieg und Konstanz zum Red-Bull-Cockpit

Ein Sieg, der Perez da Red-Bull-Cockpit ein gutes Stück näher brachte. "Sicherlich hatte das einen Einfluss, aber ich bin seit zehn Jahren in diesem Sport. Die Leute wissen inzwischen, was ich kann", glaubt Perez. "Der Sieg hat geholfen, aber es war mehr die Konstanz, die ich über die Jahre gezeigt habe. Letztes Jahr hatte ich ein besseres Paket, da konnte ich mehr zeigen. Es ist selten nur ein Rennen in der Formel 1, das dein Leben ändert."

Nun sieht sich der Mexikaner selbst in der Pflicht: "Das ist eine neue Herausforderung, eine neue Möglichkeit, mir selbst zu beweisen, dass ich den nächsten Schritt machen kann. Es scheint, als hätte ich nun das richtige Material in der Hand. Jetzt muss ich sicherstellen, dass es auch funktioniert."

Das Ziel ist klar: "Wir müssen definitiv die Lücke zu Mercedes schließen. Hoffentlich können wir sie regelmäßig mit beiden Autos schlagen und sind eine große Herausforderung für sie. Hoffentlich wird es dadurch ein besseres Spektakel für die Formel 1. Es braucht nur ein wenig, um das ganze Bild zu ändern."

Zerbricht auch Perez an Verstappen?

Der Maßstab, an dem schon zwei von Perez' Vorgängern scheiterten, ist weiterhin Max Verstappen. Der Vergleich zum Niederländer hat Pierre Gasly und Alexander Albon das Genick gebrochen. "Das wird eine große Herausforderung für mich", weiß auch Perez. "Wir wissen alle, wie talentiert und wie schnell Max in den letzten Jahren war und wie komplett er jetzt ist. Er ist definitiv einer der Besten und einer der Schnellsten, wenn nicht sogar der Schnellste, im aktuellen Feld."

Alexander Albon sah kein Land gegen Max Verstappen - Foto: LAT Images

Perez versucht schon vorab die Erwartungen zu managen: "Das wird eine massive Herausforderung und er ist schon lange hier. Er weiß, was er vom Auto braucht. Es wird eine großartige Herausforderung, ich freue mich darauf, mit ihm zu arbeiten und das Team gemeinsam zu pushen."

Für die Eingewöhnung in sein neues Team arbeitet Perez bereits intensiv mit den Ingenieuren zusammen. Die ersten Sessions im Simulator hat er schon hinter sich gebracht: "Ich habe dadurch eine gute Vorstellung, wie das Auto ist. Es ist jetzt in meinem Hinterkopf." Simulatorsessions sind auch dringend nötig, gibt es doch 2021 weniger Zeit als je zuvor, um sich an ein neues Arbeitsgerät zu gewöhnen.

Australien-Verschiebung kommt Perez gelegen

Nur drei Testtage gibt es vor dem Saisonstart. Jeder Fahrer hat somit nur anderthalb Tage im Auto, ehe die Saison 2021 startet. Perez nimmt es gelassen: "Das ist sehr wenig, aber es ist für alle so. Viele Fahrer wechseln das Team, da wird spannend zu sehen, wer sich am schnellsten an ein neues Team anpasst."

Die Australien-Verschiebung samt Verlegung der Wintertests nach Bahrain kommt dem Red-Bull-Neuling gelegen: "Das ist keine schlechte Sache, vor allem weil es in Europa zu dieser Zeit sehr kalt sein kann. So ist es eine gute Referenz, weil wir erst den Test und dann ein Rennen dort haben werden. Das hilft mir, ein bisschen schneller auf Speed zu kommen."

Formel 1 2021, Red Bull: Kampfansage an Mercedes: (11:12 Min.)


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