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Formel 1, Menschenrechte in Bahrain: Brief ergreift Hamilton

Ein Elfjähriger fordert Lewis Hamilton auf, sich für seinen zum Tode verurteilten Vater einzusetzen. Die Geschichte macht den Mercedes-Fahrer traurig.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton ist zu einem Aushängeschild der Formel 1 bei Themen wie Umweltschutz, Diversität und Menschenrechte gewachsen. Er hat im Jahr 2020 eine Kommission gegründet, deren Ziel es ist, die Vielfalt im Motorsport zu steigern und die Gründe für die bislang fehlende Vielfalt zu ergründen. Vor dem Rennen in Bahrain erhielt er drei Briefe, in denen er aufgefordert wurde, seine Stellung als erfolgreicher und anerkannter Fahrer zu nutzen, um auf die Situation politischer Gefangener in dem Land aufmerksam zu machen. Die Schreiben wurden ihm bei seiner Ankunft überreicht.

"Ich werde ihren Inhalt in den kommenden Tagen detailliert prüfen", sagte Hamilton vor dem ersten Rennen in Bahrain. Einen Tag nach dem Grand Prix wurde beim siebenfachen Weltmeister eine Covid-Infektion diagnostiziert, in deren Folge er sich zehn Tage in Isolation begab. Beim Abu Dhabi GP am vergangenen Wochenende wurde Hamilton bei der offiziellen FIA-Pressekonferenz gefragt, ob er die Zeit genutzt habe, um sich mit den Briefen zu befassen.

"Ja, natürlich habe ich das gemacht. Ich hatte mehr Zeit, um sie zu lesen. Nach dem ersten Rennen hatte ich gehofft, mehr Zeit zu haben und mich mit dem Kronprinzen zu unterhalten. Aber die meiste Zeit war ich bettlägerig und konnte niemanden sehen", berichtete er.

Ein Brief stammte vom elfjährigen Ahmed Ramadhan. Seinem Vater Mohammed Ramadhan wird vorgeworfen, für den Tod eines Polizisten bei einem Bombenanschlag verantwortlich zu sein. Der Vorfall soll sich 2011 während der Massenproteste ereignet haben. Im Juli bestätigte das Oberste Gericht Bahrains das Todesurteil gegen Ramadhan. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete das Urteil als "grob unfair", weil der Angeklagte gefoltert worden sei, um sein Geständnis abzulegen.

Elfjähriger richtet emotionale Botschaft an Hamilton

Ein durch das Bahrain Institute for Rights and Democracy (BIRD) verbreitetes Foto zeigt den Jungen mit seiner Botschaft an Hamilton. Er malte den Mercedes mit der Startnummer 44 und schrieb die Botschaft "Lewis, bitte rette meinen Vater" auf den Brief.

Der siebenmalige Weltmeister war von der Botschaft ergriffen. "Ich denke, das Traurigste für mich ist, dass ein junger Mann in der Todeszelle ist und sein Schicksal nicht klar ist. Sein Sohn hat mir einen Brief geschrieben und der hat mich wirklich getroffen", sagte er. "Letztendlich ist es nicht meine Verantwortung, mich über Orte zu äußern, über die ich nicht alles weiß. Aber ich denke, wir müssen immer zusammenarbeiten, um Veränderungen und Verbesserungen anzustreben."

Für ihn steht fest: "Alle Leben sind wichtig. Es gibt definitiv Arbeit im Hintergrund und ich werde es definitiv nicht unbemerkt lassen."

Hamilton hatte neben dem scheidenden Formel-1-Chef Chase Carey, dessen Nachfolger Stefano Domenicali, FIA-Präsident Jean Todt und einem Vertreter von Formel-1-Sponsor Rolex zusätzlich einen offenen Brief erhalten, der von 17 Menschenrechtsorganisationen unterzeichnet war. Sie kritisierten unter anderem, dass der Grand Prix weiterhin stattfindet, obwohl die Menschenrechte in dem Land zunehmend missachtet und Gegner des Rennens unterdrückt würden.

Hamilton will Situation verbessern

Die Unterzeichner forderten die Empfänger auf, sicherzustellen, dass die Opfer von mit dem Grand Prix verbundenen Missbräuchen gerecht behandelt und entschädigt werden. Außerdem sollen sie friedliche Proteste gegen das Rennen ermöglichen sowie ihre eigene Menschenrechtspolitik umsetzen und damit nicht zu Menschenrechtsverletzungen in Bahrain beitragen.

Auch dieser Aufgabe will sich Hamilton annehmen. Der 35-Jährige sagte: "Das Menschenrechtsproblem an einigen Orten, an denen wir sind, ist ein konsequentes und massives Problem und ich denke, es ist sehr, sehr wichtig. Wir sind wahrscheinlich einer der wenigen, die in so viele verschiedene Länder reisen, und ich denke, als Sport müssen wir mehr tun. Ich denke, wir haben einen Schritt in diese Richtung getan, aber wir können immer mehr tun."


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