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Formel 1, Hamilton wundert sich: Auto nach Comeback anders

Lewis Hamilton hat die ersten Formel-1-Sessions nach seiner Corona-Erkrankung geschafft. Probleme bei Mercedes erschweren Training mehr als Fitness.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton ist zurück im Auto. Erst am späten Donnerstagabend hatte Mercedes die Rückkehr des Weltmeisters aus seiner Zwangspause wegen einer Infektion mit dem Coronavirus bestätigt, einen Tag später saß Hamilton wie gewohnt in seinem Mercedes. Allerdings erwischte der Brite am Freitag in Abu Dhabi nicht gerade einen Auftakt nach Maß. Die Nachwirkungen von Covid-19 zeichneten dafür allerdings nicht verantwortlich, stattdessen technische Probleme bei Mercedes.

Dafür interessierte sich Hamilton dementsprechend sehr viel mehr. Zu seiner Erkrankung wollte er sich nur ungern äußern. „Mir geht’s gut, ich bin froh, wieder da zu sein“, hieß es lediglich. „Ich will da gar zu tief einsteigen. Es war eine Erfahrung, klar. Ich bin einfach froh, wieder im Auto zu sein und dankbar, wieder beim Team zu sein. Es ist wie der erste Tag zurück in der Schule.“

Hamilton braucht Eingewöhnungszeit

Da ging selbst Toto Wolff mehr ins Detail. "Er sieht fit aus und fühlt sich gut, als ob es nie passiert wäre", sagte der Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei Sky Sports F1. "Aber ich schätze, es war eine harte Woche."

Obwohl Hamilton nur ein Rennwochenende verpasste - ohne den aktuellen Tripleheader wäre es also eine reguläre Pause von zwei Wochen zwischen zwei Rennen gewesen - brauchte der Brite eine gewisse Zeit, um sich wieder einzufinden. Hamilton. „Es fühlt sich so an, als wäre ich echt lang nicht im Auto gewesen. Ich musste mich mit dem Auto neu vertraut machen. Das Auto war nicht ganz so, wie es war, als ich es verlassen habe. In der Hinsicht, dass die Balance nicht dieselbe war wie zuvor. Aber ich arbeite daran, dass ich mich wieder wohl fühle."

FP1: Bremsproblem kostet Hamilton 40 Minuten

Hamilton weiter: "Es hat eineinhalb Sessions gedauert, um wieder in den Flow zu kommen. Auch, wenn es nur so eine kurze Zeit war, die ich nicht im Auto saß. Aber wir haben unser Programm geschafft.“ Angesichts der Probleme an seinem Boliden erscheint das fast erstaunlich. Im ersten Training verpasste Hamilton gleich einmal 40 Minuten wegen nötiger Reparaturen am Bremssystem. Die Bremse griff permanent leicht, sodass an einen regulären Trainingsbetrieb zunächst nicht zu denken war. „Es gab Probleme mit dem Setup der Pedale und mit den Bremsen“, berichtete Hamilton und lobte seine Mechaniker: „Sie haben einen tollen Job gemacht, es so schnell zu ändern. Wir haben nur 40 Minuten verloren. Sonst war die Session okay.“

Das erste Training bei Tageslicht beendete der Brite auf dem fünften Rang. Im aussagekräftigeren zweiten Training - nun wie Qualifying und Rennen unter Flutlicht - ging es wieder in gewohntere Gefilde. Platz zwei, zwei Zehntel hinter Teamkollege Valtteri Bottas. „Das noch etwas besser, auch wenn wir am Ende nicht mehr den Longrun fahren konnten. Das müssen wir dann morgen nachholen“, sagte Hamilton.

FP2: Kupplung & rote Flagge stoppen Longrun

In die Quere gekommen war dem Briten dabei gleich zweierlei. Zum einen sorgte ein Motorschaden am Alfa Romeo von Kimi Räikkönen für eine Unterbrechung der Session, noch dazu verlor Hamilton durch Kupplungsprobleme in der Boxengasse und einen Lenkrad-Wechsel etwas Zeit. „Es war definitiv ein etwas chaotischer Tag“, gestand Hamilton deshalb. "Wir hatten ein paar Probleme, aber haben uns durchgekämpft, und ich weiß, dass morgen besser wird. Wir haben heute viel getestet, und arbeiten auch hart am nächsten Jahr."

Valtteri Bottas unterdessen sendete mit Platz eins im zweiten Training ein Lebenszeichen. „Es war gut, ein gutes Training. Das Auto fühlte sich ziemlich gut an“, freute sich der zuletzt hart in die Kritik geratene Finne. „Aber wir immer können wir noch an der Balance arbeiten, um die Balance wirklich über die ganze Runde zusammenzubekommen. In manchen Kurven kämpfe ich noch mit der Vorderachse, in anderen mit der Hinterachse, aber insgesamt fehlt nicht so viel, wie die Zeit zeigt.“

Valtteri Bottas rätselt: Warum ist der Soft so schlecht?

Vor allem müsse Mercedes jetzt den Soft-Reifen verstehen. „Es war knifflig. Ich habe die Softs heute nicht ins Fenster bekommen. Meine erste Runde habe ich angefangen und sie hatten gar keinen Grip“, berichtete Bottas. „Da waren sie sicherlich unterhalb des Betriebsfensters. Auf der nächsten Runde haben sie dann heftig überhitzt.“

Das war mit bloßem Auge zu erkennen. Gleich in der ersten Kurve ging Bottas weit, seine schnellste Zeit - die Bestzeit - erzielte er somit auf dem Medium. Das galt allerdings auch für Hamilton und Max Verstappen dahinter. Dieses Duo fiel allerdings den Track Limits zum Opfer. Wäre die Runde nicht gestrichen worden, hätte Hamilton mit dem Soft eine zwei Zehntel schnellere Zeit gesetzt als Bottas.

Das mag angesichts des weicheren Reifen nicht gewaltig erscheinen, an diesem Freitag allerdings vielleicht schon. So sei der Medium - Stand Jetzt - der bessere Reifen. „Daran müssen wir noch arbeiten. Denn heute fühlte es sich deshalb so an, als wäre der Medium der bessere Reifen, aber das sollte ja nicht so sein“, sagte Bottas. „Wenn wir alles aus dem Soft herausholen können, sollte der besser sein.“

Wie Hamilton - nur nicht in der TV-Übertragung ersichtlich - lief es auch beim Finnen nicht komplett rund. "Wir hatten ein Problem mit Valtteris Gaspedal, das wir vorsichtshalber während des zweiten Trainings gewechselt haben", berichtete Chefingenieur Andrew Shovlin.


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