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Formel 1

Formel 1: Williams testet Teile, Russell will Mittelfeld jagen

George Russell setzt große Hoffnungen in die neuen Formel-1-Regeln 2022. Der Williams-Fahrer gibt 2020 und 2021 dennoch nicht auf. Neuen Eignern sei Dank.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Auf dem Papier erscheint der Sprung des Williams F1 Teams in der Formel-1-Saison 2020 wie eine Fehlanzeige. Mit null Punkten rangiert das Traditionsteam auf dem letzten Platz im WM-Klassement, im Vorjahr galt - allerdings mit einem glücklichen Zähler aus dem chaotischen Rennen in Hockenheim - dasselbe.

Wer die Formel 1 genauer verfolgt, weiß dennoch ganz genau: Die Truppe aus Grove präsentiert sich in dieser Saison nicht nur deutlich besser sortiert (keine peinlichen Verzögerungen bei den Testfahrten wie 2019), sondern insgesamt geschlossen näher dran an der Konkurrenz. Zumindest weitgehend auf Augenhöhe mit Haas und Alfa Romeo fuhr Williams zuletzt, auch im WM-Stand sind die beiden Konkurrenten mit acht respektive drei Punkten noch in ähnlichen Sphären unterwegs.

Williams entwickelt aktuelles Auto weiter

Ein Trend, der sich unbedingt fortsetzen soll, geht es nach George Russell. Einen Verbleib bei Williams vorausgesetzt hofft der Mercedes-Junior zwar vor allem auf die revolutionären neuen Regeln in der Formel 1 ab 2022, um sein Talent endlich auch einmal weiter vorne im Feld beweisen zu können, dennoch hat der junge Brite auch kurzfristigen Sprüngen nicht entsagt.

„Wir haben 2020 noch nicht aus dem Blick verloren - und 2021 auch nicht“, sagt Russell am Donnerstag vor dem drittletzten Saisonrennen in Bahrain. „Wir bringen weiterhin Testteile ans Auto, um uns dieses und auch nächstes Jahr zu verbessern.“

Russell will mit Williams vorbei an Alfa & Haas

Dank der neuen Besitzer Dorilton Capital sei das möglich. „Mit mehr Finanzen sind wir in der Lage, uns nicht nur auf die Zukunft - 2022 und darüber hinaus - zu fokussieren, sondern auch ein gutes Augenmerk auf 2021 zu legen, um das Auto weiter nach vorne zu bringen“, sagt Russell. Darauf brenne er regelrecht. Russell: „Hoffentlich können wir einen Schritt machen, um unsere Pace vor Alfa Romeo und Haas zu bringen und dann zu versuchen, das Ende des Mittelfelds einzuholen!“

Ausschließen will das auch Teamkollege Nicholas Latifi nicht. Der Kanadier gibt sich allerdings vorsichtiger, wie große Sprünge tatsächlich für Williams möglich sein. „Es gibt immer Gelegenheiten, um nach vorne zu kommen“, sagt der Kanadier trotz für 2021 zumindest weitgehend eingefrorener Chassis. „Das muss das Ziel sein.“

Latifi bremst: Dramatischer Unterschied unrealistisch

Schon 2020 habe man mehrfach gesehen, dass Williams sich - mal eher verdient, mal eher glücklich - in Positionen nahe der Punkteränge bringen könne. „Das wollen wir häufiger“, sagt Latifi. „Dafür müssen wir aber noch etwas mehr Performance finden. Dann können wir mehr im Mittelfeld mitmischen. Realistisch gesehen wird das Auto [2021] aber eher eine Evolution des diesjährigen Autos. Es ist unrealistisch, einen dramatischen Unterschied zu erwarten. Aber Raum für Verbesserungen gibt es definitiv. Und danach streben wir!“

Nicholas Latifi erklärt schwachen Türkei-Auftritt

Dafür muss allerdings auch der Fahrer abliefern. Etwas, was Latifi beim vergangenen Türkei Grand Prix nicht im Ansatz gelang. „In der Türkei war es eine sehr einzigartige Situation für uns alle, alle hatten Probleme mit den Reifentemperaturen“, verteidigt Latifi seine vielleicht schwächste Leistung der Saison. „Wir - ich - vielleicht mehr als alle anderen“ gesteht der Kanadier allerdings. „Das müssen wir abhaken. Vergessen dürfen wir es aber nicht. Wir müssen daraus schon lernen, uns jetzt aber auf ein komplett neues Wochenende fokussieren.“

In Bahrain erwartet Teamkollege Russell noch das inzwischen üblich gewordene Kräfteverhältnis. „Wir sollten in einer ähnlichen Situation sein, mit den Alfas und Haas kämpfen“, sagt der Brite. „Wir müssen also wieder alles zusammenbekommen, in Q2 gelangen und um einen guten Sonntag kämpfen.“

Formel 1 Bahrain: Nissany statt Russell im FP1

Auf Vorbereitungszeit im ersten Freien Training muss Russell dabei verzichten. Freitagstester Roy Nissany übernimmt sein Cockpit. Für Russell wegen des besonderen Zeitplans und der Bedingungen beim Nachtrennen in der Wüste kein Problem: „Das FP1 [zudem noch bei Tageslicht] ist aber sowieso sandig, das zu verpassen ist bei solchen Bedingungen nicht so schlimm.“


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