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Formel 1, Ferrari lässt Vettel-Kritik nicht gelten: Autos ident

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto erteilt Sebastian Vettel eine Absage. Auto von Charles Leclerc nicht besser. Erwartungen an den zweiten Fahrer noch höher.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel sorgte nach dem Formel-1-Rennen in Portugal mit scharfer Kritik an Ferrari für Aufsehen. Vom Abstand auf Charles Leclerc frustriert, warf der viermalige Weltmeister seinem Arbeitgeber vor, den Teamkollegen zu bevorzugen. In der Medienrunde der Scuderia ruderte Vettel an der Seite von Teamchef Mattia Binotto zurück, während dieser seinen Mutmaßungen eine klare Absage erteilte.

"Die Autos von Seb und Charles sind ohne jeden Zweifel identisch", so Binotto gegenüber Sky Italia in Reaktion auf die harten Worte Vettels. Dieser hatte nach dem Grand Prix am RTL-Mikrofon mehr als deutlich seine Zweifel an der Gleichberechtigung innerhalb des Teams geäußert, nachdem er auch in Portimao gegen seinen monegassischen Stallgefährten chancenlos war.

"Das andere Auto ist deutlich schneller. Dort, wo ich die Zeit verliere, beiße ich mir schon das ganze Jahr die Zähne aus. Nur irgendein Idiot kommt vielleicht nie dahin. Ob ich vielleicht ein kompletter Idiot bin? Das wage ich zu bezweifeln", so Vettel, der in der Weltmeisterschaft nach zwölf Rennen mit 57 Punkten Rückstand in der Gesamtwertung deutlich hinter Leclerc liegt.

"Ich hoffe wirklich, dass Sebastian in der Lage sein wird, sich in Imola besser zu qualifizieren und im Rennen mehr von dem zeigen kann, wozu er im Stande ist", sucht Binotto einmal mehr nach aufbauenden Worten. Bisher waren die Versuche des Teams, Vettel aus seiner Krise zu befreien, nicht erfolgreich.

Formel 1 2020: Vettel deutet Benachteiligung durch Ferrari an!: (13:54 Min.)

Ferrari braucht Vettel im WM-Kampf

Nachdem der ehemalige Teamleader schon zu Saisonbeginn über Balanceprobleme klagte, setzte das Team beim sechsten Saisonrennen in Barcelona ein neues Chassis für ihn ein. Der erhoffte Turnaround blieb trotzdem aus. In den sieben darauffolgenden Rennen fuhr Vettel lediglich drei Mal in die Punkte und sammelte nur acht WM-Zähler. Leclerc stockte sein Punktekonto in diesem Zeitraum um 30 Punkte auf.

"Ich muss davon ausgehen, dass wir das gleiche Auto haben. Ich vertraue den Leuten um mich herum und in der Garage", nahm sich Vettel in der Ferrari-Medienrunde etwas zurück, als er von Motorsport-Magazin.com auf seine Kritik angesprochen wurde. Doch auf der Suche nach Antworten für seine Performance ist er mit seinem Latein langsam am Ende.

"Ich arbeite daran, aber es gibt nichts anderes als Arbeit, was mich da herausholen kann. Ich arbeite mit dem Team zusammen, um das Maximum herauszuholen", sagt er. Für Ferrari wäre es von enormer Wichtigkeit, wenn Vettel sein Mojo noch vor dem Abschied aus Maranello wiederfindet.

In der Konstrukteursweltmeisterschaft liegt das einstige Top-Team mit 93 Punkten nur auf der sechsten Position. Der Rückstand zu Racing Point auf Position drei beträgt 33 Zähler und ist fünf Rennen vor Saisonende damit immer noch überschaubar. "Charles ist sicherlich sehr gut, aber vielleicht erwartet man sogar noch mehr vom zweiten Fahrer", so Binotto.


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