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Formel 1

Sebastian Vettel unterstellt: Leclerc-Ferrari klar schneller

Sebastian Vettel holt im Formel-1-Rennen in Portugal endlich wieder einen Punkt. Statt sich zu freuen wettert er: Charles Leclercs Ferrari klar schneller!
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Nach zwei Nullnummern in Folge erzielte Sebastian Vettel beim ersten Formel-1-Rennen in Portugal seit 24 Jahren am Sonntag in Portimao endlich wieder einen WM-Zähler. Dank eines späten Überholmanövers gegen seinen ehemaligen Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen schob sich der vierfache Formel-1-Weltmeister im Endergebnis auf den zehnten Rang.

Formel 1 2020: Vettel deutet Benachteiligung durch Ferrari an!: (13:54 Min.)

Eine Schlussattacke auf einen weiteren Ex-Kollegen, Daniel Ricciardo, scheiterte an gutem Teamwork bei Renault. Esteban Ocon spendierte dem Australier Windschatten und verhinderte so ein noch etwas besseres Resultat für Vettel. Klar im Schatten seines Teamkollegen Charles Leclerc hätte der Hesse damit allerdings noch immer gestanden. Der Monegasse bestätigte sein starkes Qualifying-Ergebnis (P4) diesmal auch im Rennen 1:1. Als einziger Fahrer neben Verstappen wurde Leclerc nicht von Mercedes überrundet.

Sebastian Vettel: Charles Leclerc in anderer Klasse

Teamintern herrschte bei Ferrari somit einmal mehr Licht und Schatten. Seinem Ärger darüber machte Vettel in Portugal so deutlich wie nie zuvor Luft. Nach dem Qualifying hatte Vettel bereits angemerkt: „Das ist nicht einfach mehr geschlagen werden, das ist eine andere Klasse.“ Ein Lob für Charles Leclerc, so schien es. Nach dem Rennen jedoch schlug Vettel im TV-Interview allerdings ganz andere Töne an.

„Einerseits bin ich zufrieden, weil ich das Gefühl hatte, ein gutes Rennen gefahren zu sein. Ich habe mich am Anfang schwergetan und Plätze verloren, wäre danach auch zwei oder drei Mal fast abgeflogen. Danach bin ich aber ein gutes Rennen gefahren“, sagte Vettel zunächst, ein letztes Mal am RTL-Mikrofon. Kai Ebel wird bei den letzten Saisonrennen nicht mehr vor Ort sein, 2021 überträgt der Kölner Sender die F1 nicht mehr.

Vettel deutet im TV-Interview an: Schlechterer Ferrari als Leclerc?

Dann folgte der Hammer: Stellt Ferrari Vettel ein schlechteres Auto hin als Leclerc?

Vettel: „Andererseits ist es aber offensichtlich: Das andere Auto ist deutlich schneller. Dort, wo ich die Zeit verliere, beiße ich mir schon das ganze Jahr die Zähne aus. Nur irgendein Idiot kommt vielleicht nie dahin. Ob ich vielleicht ein kompletter Idiot bin? Das wage ich zu bezweifeln. irgendwann sollte man ja mal Glück haben und die Kurve auch treffen, ich treffe sie nie. Und wenn, dann nur annähernd mit sehr viel Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite sieht das viel leichter aus …“

Ein recht deutlicher Vorwurf, schon mehr als nur zwischen den Zeilen formuliert. „Es tut natürlich weh“, schob Vettel noch hinterher.

Vettel rudert zurück: Muss von gleichem Auto ausgehen

In der etwas später stattfindenden Medienrunde für die schreibende Zunft ruderte Vettel, nun unmittelbar auf dem Stuhl neben den wachsamen Ohren seines Teamchefs Mattia Binotto platziert, plötzlich zurück. „Ich muss davon ausgehen, dass wir dasselbe Auto haben. Ich vertraue den Leuten um mich herum und in der Garage“, sagte Vettel auf direkte Nachfrage von Motorsport-Magazin.com, ob er glaube, Leclerc verfüge über besseres Material.

Vettel weiter: „Die eine Sache ist, was die Stoppuhr oder die Rundenzeit sagt. Die andere ist mein Gefühl. Ich kämpfe echt damit, die guten Runden zusammen zu bekommen, konstant zu sein und den Grip zu spüren, den Charles wohl fühlt. Ich arbeite daran, aber es gibt nichts anderes als Arbeit, was mich da herausholen kann. Ich arbeite mit dem Team zusammen, um das Maximum herauszuholen.“

Vettel leidet trotz Punkt in Portimao: Ritt auf Rasierklinge

Auch, dass die Charakteristik des SF1000 ein Nachteil für ihn sei, glaubt Vettel nicht. „Ich fahre sehr lange Rennen. Manchmal hast du Autos, die dir mehr liegen, mal weniger. Aber du musst dich daran anpassen, so gut du kannst. Das versuche ich auch dieses Jahr“, sagte Vettel.

Über kleine Lichtblicke wie den Punkt in Portimao kann sich der Deutsche dabei längst nicht mehr freuen. „Ich freue mich nicht über einen Punkt. Für einen zehnten Platz bin ich nicht hier“, klagte Vettel. Zumal das Rennen hinten heraus zwar ganz passabel gelaufen, insgesamt jedoch noch immer kein Zuckerschlecken gewesen sei. „Ich habe heute unheimliche Schwierigkeiten gehabt, in den Anfangsrunden überhaupt irgendwie Temperatur aufzubauen, wie gestern schon“, schilderte Vettel.

„Das Auto war das gesamte Rennen über schwer zu fahren, es war sehr digital. Der Grip ist immer sehr plötzlich abgerissen und es war schwer, Vertrauen aufzubauen. Deshalb kommt der Speed auch nicht so ganz. Die Runden sind ein Auf und Ab. Es fehlt an Konstanz. […] Mal geht’s ne Runde, mal nicht. Wie auf der Rasierklinge. Wenn ich es mal nicht ganz genau treffe, dann falle ich sofort richtig ab und bin sofort viel langsamer“, berichtete der Ferrari-Pilot grübelnd und ließ am TV-Mikro abermals tief blicken: „Ich weiß nicht ob ich etwas sagen soll, vielleicht besser nicht …“

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