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Formel 1, Racing Point: Sebastian Vettel fehlt nur Liebe

Sebastian Vettel taumelt 2020 durch seine letzte Formel-1-Saison mit Ferrari. Neues Team ab 2021 sicher: Bei uns bringen wir Vettel wieder in Bestform.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Dem Glanz eines viermaligen Weltmeisters wird Sebastian Vettel mit seiner Form in der Formel-1-Saison 2020 nur noch selten gerecht. In seinem sechsten und letzten Jahr bei der Scuderia Ferrari fährt der Deutsche seinem Teamkollegen Charles Leclerc nahezu durchgehend hinterher. Einzig bei den Grands Prix in der Steiermark und in Ungarn kaufte Vettel dem Youngster zumindest knapp den Schneid ab. Ansonsten liegt der Monegasse vorne, nicht selten deutlich. Ein 9:2 im Qualifying-Duell spricht eine deutliche Sprache, genauso ein 63:17 nach WM-Punkten.

Hinzu gesellt sich eine hohe Fehlerquote. Erst im vergangenen Rennen auf dem Nürburgring verlor Vettel wieder seinen Ferrari. Wer den 33-Jährigen nicht nur auf der Strecke beobachtet, sondern Vettel auch bei TV-Interviews und den 2020 digitalen Medienrunden und Pressekonferenzen lauscht, der gelangt schnell zu dem Schluss: Die mentale Komponente spielt bei diesen Leistungen des Ferrari-Piloten in der F1-Saison 2020 eine entscheidende Rolle.

Sebastian Vettel 2020 ein Schatten seiner selbst

Spätestens seit klar ist, dass die Scuderia nach 2020 nicht mehr mit Vettel plant, tut sich der Heppenheimer schwer. Warum das so ist? Dazu äußerten sich in den vergangenen Wochen bereits diverse Experten, ehemalige Wegbegleiter und Vertraute Vettels. Die Quintessenz: Vettel muss sich rundum wohlfühlen, alles auf ihn ausgerichtet sein, nur dann bringt er seine Bestform, die - so die meisten - noch irgendwo in ihm schlummert.

Teamduell Ferrari: Sebastian Vettel vs. Charles Leclerc

Statistik - RennenVettelLeclerc
Rennduell26
Ø Rennplatzierung10,226,88
Bestes Rennergebnis62
Statistik - Qualifying
Q1-Aus10
Q2-Aus74
Q3-Einzug37
Qualifying-Duell29
Ø Qualifying-Platzierung11,828,27
Bestes Qualifying-Ergebnis54
Ø Abstand Teamkollege (Sek.)+ 0,220-
Statistik - Saison
Starts1111
Siege00
Schnellste Rennrunden00
Podien02
Top-1056
Ausfälle23
WM-Punke1763
WM-Rang138

So sieht es auch Andrew Green, Technischer Direktor bei Racing Point. Bei den Briten soll Vettels Sahneform ab 2021 wieder zum Vorschein kommen. Sonst hätte das dann Aston Martin genannte Team den Deutschen kaum verpflichtet. „Ich bin zuversichtlich, dass wir aus Seb wieder das Beste herausholen können“, sagt Green.

Racing Point: Vettel fehlt bei Ferrari die Liebe

Genau wisse Racing Point nicht, was Vettels gegenwärtige Probleme bei Ferrari verursache. „Diese Informationen haben wir nicht“, sagt Green. Für den Briten liegt die Erklärung allerdings nahe. „Er braucht etwas Liebe, die er gerade vielleicht nicht bekommt“, vermutet Green. Das Talent sei Vettel jedenfalls gewiss nicht plötzlich ausgegangen. Green: „Er ist ein mehrfacher Weltmeister, da verlernst du das Autofahren nicht!“

Formel 1 2021: Kann Vettel mit Aston Martin gewinnen?: (10:34 Min.)

Somit handelt es sich für Green um reine Kopfsache. „Gerade ist er mental nicht gut drauf. Er hat sein Mojo etwas verloren“, sagt der Technikchef. Ein Problem, das niemand besser ausräumen könne als Racing Point, meint Green. „Wir können Seb helfen. Wir sind einfach das beste Team, wenn es darum geht, Fahrer wieder geradezubiegen und sie wieder zurück in ihren Sweetspot zu bekommen. Deshalb denke ich, dass wir ihm wirklich helfen können.“

Force India brachte schon Sergio Perez zurück auf Spur

Ein Beispiel bildet Sergio Perez, den Vettel 2021 bei Racing Point beerbt. Der Mexikaner legte 2011 und 2012 bei Sauber einen starken Start in seine Formel-1-Karriere hin. Das weckte das Interesse McLarens. In Woking lief es 2013 allerdings nicht, das Team ließ Perez fallen. Force India, das heutige Racing Point, griff dankend zu. Perez rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen über die Jahre deutlich, allem voran mit gleich fünf Podestplätzen trotz Zeiten erdrückender Überlegenheit der großen Drei - Mercedes, Ferrari und Red Bull.

„Wir sind sehr auf den Fahrer fokussiert. Wir nehmen uns jede Menge Zeit, um unsere Fahrer zu verstehen, arbeiten mit ihnen und bauen eine wirklich starke Beziehung und ein starkes Band zu unseren Fahrern auf“, beschreibt Green die Philosophie des Teams. Ein Ansatz, der Sebastian Vettel sehr entgegenkommen dürfte. Die politischen Spielchen bei Ferrari hatten ihm das Leben immer schwer gemacht. Das wurde erst kürzlich durch Äußerungen Vettels in einem Podcast mehr als deutlich.

Green: Racing Point hält Politik von Fahrern fern - anders als Ferrari

Genau diese Politik halte Racing Point von seinen Fahrern fern, so Green. „Das hilft dabei, sie zu fördern und sich wohl und sicher zu fühlen statt sich um Dinge zu sorgen, die sich hinter ihrem Rücken abspielen. Wir lassen die ganze Politik weg und das erlaubt ihnen einfach, sich ganz darauf zu fokussieren, das Auto zu schnell wie möglich zu fahren“, sagt Green. „Ich denke, wir können Sebastian wieder hinbekommen.“

„Wir haben die Fähigkeit, die Tools und die Leute, um ihm ein Auto zu geben, das er wieder fahren kann und in dem er sich wohlfühlt, sodass wir ihn und seinen Kopf wieder in die richtige Verfassung bekommen“, versichert Green und verspricht den noch immer zahlreichen Vettel-Fans: „Dann wird es alles zurückkommen! Ich bin absolut zuversichtlich, dass wir ihn wieder hinbekommen. Es wird eine aufregende Zeit, ich kann es nicht erwarten, dass er nächstes Jahr seinen Fuß in die Fabrik setzt!“

Weltmeister Vettel soll Aston Martin auf neues Level bringen

Nicht umsonst verpflichtete Racing Point den Deutschen. Mit - und dank - Vettel will man als Aston Martin den nächsten Schritt gehen. „Er wird eine völlig neue Dynamik in das gesamte Team bringen. Das zeigt Lawrence’ Absicht, wohin er das Team bringen möchte. Ich denke, es ist ein richtig starkes Statement. Er ist ein mehrfacher Weltmeister. Er wird eine Arbeitsweise mitbringen, die wir zuvor noch nicht erlebt haben, und genau das wollen wir“, sagt Green.

Formel 1, Danner: Vettel mit Aston Martin nur im Mittelfeld?: (17:23 Min.)

„Wir wollen jemanden, der bereits in der Situation war, es geschafft hat und uns zeigen kann, was es dazu braucht. Was braucht es, um zu beginnen, Rennen zu gewinnen? Was braucht es, um einen Meistertitel zu gewinnen? Das bringt er mit.“

Racing Point setzt also voll und ganz auf die Karte Vettel. Etwas, das bei Ferrari seit dem Aufstieg Leclercs längst nicht mehr galt. Aber etwas, das Vettel einfach braucht, um zu funktionieren. Das sagt jeder, der mit Vettel einmal zusammenarbeitete. Die Voraussetzungen für eine neue sportliche Heimat mit der ersehnten Wohlfühlatmosphäre stimmen also. Kommt damit auch der Erfolg zurück? Eine Frage, die nur die Zeit beantworten wird.


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