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Formel 1

Formel 1, Italien: Sainz-Sensation in Monza-Qualifying

Carlos Sainz krönte sich im Formel-1-Qualifying in Italien zum Best of the Rest. Wieso der McLaren in Monza plötzlich zu einem Low-Downforce-Monster wurde.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Carlos Sainz war der Überraschungsmann beim Qualifying zum Großen Preis von Italien. Dabei wurden im Vorfeld zum Formel-1-Wochenende in Monza Red Bull und Renault höher gehandelt als McLaren. Doch bereits im Training zum Grand Prix von Italien zeigten die orangenen Boliden ihre Pace und beim Qualifying am Samstag war Carlos Sainz der Mann der Stunde.

In allen drei Qualifying-Segmenten war Sainz voll bei der Musik dabei und duellierte sich mit Perez um die dritte Position, dicht gefolgt von Verstappen und dem äußerst engen Mittelfeld. Im ersten Qualifying-Abschnitt platzierte er sich noch hinter dem Racing-Point-Piloten auf Rang 4. Doch in Q2 drehte sich dann das Momentum zugunsten des zukünftigen Ferrari-Piloten.

Erst gelang Sainz als einer der wenigen Fahrer eine Verbesserung im zweiten Versuch in Q2, wodurch er Perez hinter sich lassen konnte. Im entscheidenden dritten Qualifikations-Segment kam es noch einmal zum selben Spiel. Der Racing-Point legte im ersten Run vor, doch im zweiten Outing fand der McLaren-Pilot noch etwas Zeit und überflügelte den Mexikaner, der sich nicht mehr verbessern konnte.

Revanche für Spa-Enttäuschung

In der Pressekonferenz nach dem Qualifying zeigte sich Sainz hocherfreut über seine Startposition: "Ich bin sehr glücklich, wieder vorne dabei zu sein nach der Enttäuschung von Spa", kommentierte er seine Performance. In der letzten Woche konnte Carlos Sainz nach einem starken Qualifying am Sonntag nicht an den Start gehen, da sein Wagen schon vor dem Rennstart einen technischen Defekt erlitt.

Warum sein MCL35 auf der Highspeed-Strecke von Monza so gut funktioniert, konnte sich auch Sainz selbst nicht ganz erklären. "Normalerweise würde man Red Bull oder Renault auf dieser Strecke vor uns erwarten", sagte Carlos Sainz. "Im letzten Jahr hat unser Wagen mit sehr wenig Downforce nicht gut funktioniert, dieses Jahr ist unser Wagen mit wenig Flügel etwas robuster", wagte er Erklärungsversuch.

Im ultraengen Mittelfeld der Formel 1 können aber Kleinigkeiten bereits viel bewirken. Sainz meinte nach dem Qualifying: "Zwei Zehntel machen den Unterschied, ob wir auf P3 landen oder nur auf P8 oder P9." Deshalb sei es bei der Qualifying-Session in Monza äußerst wichtig gewesen, dass man den Windschatten-Effekt auf den langen Gerade für sich nutzen konnte.

Sainz hatte Norris im Griff

Während Sainz mit dem dritten Platz, die beste Startposition seiner Karriere einstellte – Beim Großen Preis der Steiermark war er erstmals von so weit vorne weggefahren – konnte Lando Norris wenige Akzente setzten. Der 20-jährige Brite blieb in allen Qualifikations-Abschnitten hinter Sainz und konnte sich am Ende Startplatz 6 sichern und äußerte sich selbstkritisch zu seine Leistung: "Ich habe auf meiner letzten schnellen Runde ein paar Fehler zu viel eingebaut", so Norris, "es frustriert einfach ein bisschen, dass solch kleine Dinge, so viel kosten können." Im teaminternen Qualifying-Duell glich Sainz dadurch heute aus, in der Fahrer-WM fehlen ihm allerdings 22 Punkte auf Norris.

Rennen in Monza: Podium möglich?

Um gute Punkte und möglicherweise sogar ein Podium ergattern zu können, sieht Carlos Sainz einen harten Kampf mit Verstappen und Ricciardo auf sich zukommen: "Im Long Run sah Red Bull und Renault schneller aus als wir. Im Rennen erwacht Red Bull immer zum Leben, deshalb wird es schwer werden, Verstappen hinter uns zu halten." Gegen Renault rechnet sich Carlos Sainz bessere Chancen aus, da Ricciardo und Ocon nur von den Plätzen 7 und 12 in den Grand Prix starten. Doch auch Racing Point will Sainz nicht unterschätzen: "Mit ihrem neuen Auto sind sie immer ein Fragezeichen und sehr schwer einzuschätzen."

Die Hoffnung auf ein mögliches zweites Podium seiner Karriere will der 26-Jährige deshalb etwas dämpfen. "Ich werde natürlich versuchen, alle hinter mir zu halten. Aber es ist ein langes Rennen und Monza ist eine Strecke auf der man überholen kann, deshalb will ich mir keine zu großen Erwartungen machen."

Auch wenn im morgigen Rennen für Sainz nicht allesnach Plan läuft, hat der McLaren-Pilot gute Chancen das beste Italien-Resultat seiner Karriere einzufahren. Bisher hat der ehemalige Renault-Pilot nämlich nur einen achten Platz aus dem Jahr 2018 im königlichen Park von Monza zu Buche stehen.


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