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Formel 1

Formel 1 Monza: Mercedes-Fahrer wollten keinen Windschatten

Die ganze Formel 1 versinkt im Monza-Qualifying im Verkehrs-Chaos, nur Mercedes hält sich fein raus und holt überlegen Pole. Was Mercedes anders machte.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Highspeed-Tempel Monza: Nirgends im ganzen Formel-1-Kalender ist die Durchschnittsgeschwindigkeit höher, nirgends stehen die Piloten so lange voll auf dem Gaspedal wie im Autotdromo Nazional di Monza. Deshalb bricht seit Jahren im Qualifying ein regelrechtes Chaos aus, um möglichst viel Windschatten zu ergattern.

Auch 2020 versank ein Großteil des Feldes im Chaos - nur Mercedes hielt sich aus allem heraus und landete schließlich auf den Startplätzen eins und zwei. Im Q2 fiel erstmals auf, dass sich Valtteri Bottas sogar zurückfielen ließ, statt den Windschatten des Vordermanns zu suchen.

Im Q3 gingen die Mercedes-Piloten dann überraschend früh auf die Strecke, Valtteri Bottas eröffnete die finale Zeitenjagd vor Lewis Hamilton. Als Erster hatte Bottas gar keinen Windschatten, aber auch Hamilton ließ sich überraschend weit zurückfallen.

Formel 1, Gegner zittern: Mercedes jetzt noch stärker?: (09:38 Min.)

"Wir haben vom letzten Jahr gelernt", erklärt Hamilton. Vor einem Jahr verlor Mercedes durch das Chaos die Möglichkeit, Charles Leclercs Pole-Runde anzugreifen. "Das Strategieteam hat beim Timing einen guten Job gemacht, wir haben das gestern und heute diskutiert", so Hamilton. "Es ist eine knappe Entscheidung zwischen Clean Air und Windschatten."

Im restlichen Feld gilt der vordere Fahrer als Edelhelfer, der den Teamkollegen ziehen muss. Nicht so bei Mercedes: Bottas hatte sogar die Wahl, ob er vor oder hinter Hamilton auf die Strecke gehen wollte. Der Finne entschied sich für die Clean Air.

"Es ist dann nicht so chaotisch und man hat keine verwirbelte Luft", erklärt Bottas. "In den Kurven war ich schnell, auf den Geraden habe ich etwas verloren. Es ist aber unmöglich zu sagen, was schneller ist." Am Ende war die Runde von Pole-Setter Lewis Hamilton um die Winzigkeit von 0,069 Sekunden schneller.

Konkurrenz staunt: Mercedes kann es sich erlauben

Carlos Sainz konnte den Ausführungen der Mercedes-Piloten in der Pressekonferenz nur gebannt lauschen. "Ich glaube, die können es sich da vorne erlauben. Bei uns im Mittelfeld geht es so eng zu, da musst du jeden Windschatten mitnehmen. Die zwei Zehntel des Windschattens sind es wert, dadurch bist du dann Dritter statt Neunter."

Über zwei Zehntel können die Silberpfeil-Piloten nur schmunzeln: Sainz auf P3 hatte bereits acht Zehntelsekunden Rückstand auf Hamilton. Zwischen Platz drei und sieben lagen hingegen 0,169 Sekunden.


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