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Formel 1

Formel 1, Ferrari-Boss haut raus: Presse brutal, Binotto bleibt

Pünktlich zum Ferrari-Heimrennen in Italien, mitten in der Scuderia-Krise, macht Big Boss Louis Camilleri eine Ansage. Presse brutal, Mattia Binotto bleibt.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Oft sprechen sie nicht gerade, die Oberen von Ferrari. Pünktlich zum Heimrennen der Scuderia in Italien, dem Formel-1-Rennen in Monza am Wochenende, hat Ferrari-CEO Louis Camilleri nun allerdings nicht nur gesprochen, sondern gleich Tacheles geredet.

In einem Interview mit keinem geringeren Blatt als der New York Times (NYT) sprach der Ferrari-Boss Klartext, zielte in der gegenwärtigen Krise seiner Renndivision allerdings alles andere als auf die Verantwortlichen bei der Scuderia, sondern ihre Kritiker - und stärkte allen voran Teamchef Mattia Binotto klar den Rücken.

„Ich habe völliges Vertrauen in Mattia Binotto und in sein Team“, sagte amerikanisch-britische Manager der NYT. „Die Resultate, um zu beweisen, was ich sage, sind nicht da, aber solche Dinge brauchen Zeit.“

Unbedingt vermeiden will Camilleri die Fehler früherer Zeiten in Maranello. „Bedauernswerterweise gab es in der Vergangenheit zu viel Druck und eine Vorgeschichte von Leuten, die fallengelassen wurden. Es handelte sich um so etwas wie eine Drehtür-Atmosphäre und dem schiebe ich einen Riegel vor“, sagte der gebürtige Ägypter in dem Interview, das die Scuderia in Auszügen auch selbst veröffentlichte.

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Damit stellte sich der CEO wie eine Wand vor das gesamte Team. Einen derartigen Schachzug eine Führungsfigur hatte Ferrari zuvor lange Zeit vermissen lassen. Nun scheint Camilleri dieses Defizit an Rückhalt gutmachen zu wollen. Jedenfalls verteidigte das Ferrari-Oberhaupt sein Team auch explizit gegen seinen schärfsten Kritiker - die italienische Presse.

„Ich will sicherstellen, dass die Stabilität erhalten bleibt - trotz des unglaublichen Drucks, der auf dem Team lastet, besonders von den italienischen Medien, die manchmal ziemlich brutal sind und ein Köpferollen fordern, aber das ist nicht die Lösung“, sagte Camilleri.

Mit der jüngsten Umstrukturierung der technischen Abteilung habe Ferrari sich bereits ausreichend neu aufgestellt und die Grundlage für die neue Ära der Stabilität geschaffen. „Da habe ich eine langfristigere Strategie eingebracht“, sagte Camilleri. Dass sich Erfolge einstellen würden, werde nun eben eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. „Du änderst eine Kultur nicht über Nacht“, sagte Camilleri.

2021 könne die Situation sich noch nicht verbessern, bestätigte Camilleri Aussagen des Ferrari-Präsidenten John Elkann von Ende Juli. Das sei frühestens mit dem neuen Reglement der Formel 1 ab 2022 möglich. Davon zeigt sich Camilleri überzeugt: „Wir haben das Talent, den Arbeitsethos und den Drang, da hinzugelangen und ich bin zuversichtlich, dass wir wieder vorne kämpfen werden.“


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