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Formel 1, Top-10: Das ist der 'schnellste Fahrer aller Zeiten'

Die Formel 1 stößt die Debatte um den besten Fahrer der Geschichte einmal mehr an. AWS-Auswertung bestimmt Top-10. Ayrton Senna vor Michael Schumacher.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Frage nach dem besten Formel-1-Fahrer der Geschichte ist so alt wie der Sport selbst. Angefangen beim großen Juan Manuel Fangio über Legenden wie Jim Clark, Niki Lauda oder Ayrton Senna bis hin zu Rekordweltmeister Michael Schumacher und dem heute dominanten Lewis Hamilton, brachte die Königsklasse in jeder Ära absolute Ausnahmekönner hervor. Mit der Hilfe von Amazon Web Services (AWS) versucht die Formel 1 nun einmal mehr die Frage nach dem "schnellsten Fahrer aller Zeiten" zu beantworten.

Mit Hilfe der von Formel-1-Partner AWS seit 2019 eingesetzten 'Machine Learning Technology' wurden Daten der vergangenen 37 Jahre ausgewertet, um die Top-10 zwischen 1983 und 2020 zu ermitteln. Das Ziel war eine objektive Auswertung der Performances der in diesem Zeitraum aktiven Fahrer, einzig Anhand von nackten Zahlen.

Eine Einstufung der Autos, wie sie in bisher aufgestellten Rankings häufig genutzt wurde um die Leistungen der Fahrer in Relation zu setzen, ließ die F1 bewusst außen vor. Sie zog für den Vergleich einzig die Qualifying-Resultate heran und bestimmte die Pace eines Fahrers anhand des direkten Bezugs zum jeweiligen Teamkollegen.

Die Formel 1 argumentiert, dass die Auto- und Team-Performance auf diese Weise neutralisiert wird. Mit den erhobenen Daten wurden die Fahrer bei der Berechnung durch das 'Machine Learning' in Relation zueinander gesetzt. Das Qualifying wurde als 'reinster Indikator des puren Speeds' ausgewählt.

Formel 1: Top-10 der schnellsten Fahrer zwischen 1983 und 2020

Platzierung Fahrer Zeitrückstand in Sekunden
1 Ayrton Senna -
2 Michael Schumacher 0.114
3 Lewis Hamilton 0.275
4 Max Verstappen 0.280
5 Fernando Alonso 0.309
6 Nico Rosberg 0.374
7 Charles Leclerc 0.376
8 Heikki Kovalainen 0.378
9 Jarno Trulli 0.409
10 Sebastian Vettel 0.435

Wenig überraschend setzt Ayrton Senna hier die Benchmark. Der Brasilianer erzielte bis zu seinem tödlichen Unfall 1994 in Imola an 162 Rennwochenenden 65 Pole Positions, was einer Quote von 40,1 Prozent entspricht. In zehn Saisons verlor er kein einziges Qualifying-Duell gegen einen seiner Teamkollegen.

Sein Rekord wurde erst 2006 durch Michael Schumacher gebrochen. Der siebenmalige Weltmeister rangiert mit einem Rückstand von 0,114 Sekunden auf Platz zwei des F1-Rankings. Der Kerpener gewann in seiner ersten Karriere zwischen 1991 und 2006 jeden Vergleich mit dem Stallgefährten deutlich.

An dritter Stelle folgt der aktuelle Pole-Rekordhalter Lewis Hamilton. Der Brite ging in bis dato 256 Grands Prix 92 Mal von der ersten Startposition ins Rennen. Seine Erfolgsquote liegt bei 35, 9 Prozent. Der AWS-Berechnung zufolge liegt er 0,275 Sekunden hinter Senna. Teamintern verlor er seit seinem Debüt 2007 nur ein Duell. 2011 bezwang ihn Jenson Button mit 10:9. Fünf Tausendstelsekunden dahinter folgt im Ranking Max Verstappen.

Jarno Trulli & Heikki Kovalainen in den Top-10: Fernando Alonso macht's möglich

Fernando Alonso belegt Platz vier. Er verlor in seiner Karriere nur in zwei Saisons das teaminterne Qualifying-Duell. 2004 zog er mit 7:8 gegen Jarno Trulli den Kürzeren, 2007 unterlag er Hamilton mit 7:10. Dem entgegen stehen die Jahre 2008 und 2018, in denen er Nelson Piquet junior und Stoffel Vandoorne jeweils zu Null abfertigte. Etwas, das auch Michael Schumacher mehrfach gelang.

Auffällig ist, dass bis auf Senna, Schumacher und den auf Platz neun auftauchenden Trulli ausschließlich Piloten in den Top-10 landeten, die ihre Karriere nach der Jahrtausendwende begannen. Letzterem wird sein Abschneiden gegen Alonso geholfen haben. Neben seinem Triumph über den Spanier gelang ihm 2003 ein 8:8.

Nico Rosberg und Charles Leclerc folgen auf den Plätzen sechs und sieben. Rosberg fuhr zwischen 2010 und 2012 an der Seite Schumachers. Die Qualifying-Duelle gingen in den ersten beiden Jahren mit 14:5 und 11:7 für ihn aus. In der finalen Saison des Rekordweltmeisters steht mit 10:10 ein Gleichstand zubuche.

Ab 2013 bis zu seinem Rücktritt Ende 2016 stand Rosberg im direkten Vergleich mit Hamilton. Mit 8:11, 7:12 und 9:12 unterlag er dem Briten drei Mal. Nur 2014 setzte er sich mit 12:7 durch. Leclerc hatte in seiner erst zweieinhalb Saisons überdauernden Laufbahn lediglich zwei Teamkollegen. Marcus Ericsson bezwang er in seiner Debütsaison für Sauber 2018 mit 12:8. In seinem ersten Jahr mit Ferrari stach er Sebastian Vettel durch ein 12:9 aus.

Heikki Kovalainen belegt Rang neun. Der Finne fuhr 2008 und 2009 bei McLaren Mercedes an der Seite Hamiltons und unterlag dabei mit 4:14 und 5:11 deutlich. 2010 und 2011 fuhr er bei Caterham neben Trulli und gewann die Duelle mit 12:5 und 10:6. Ohne diese Erfolge hätte er es wohl kaum in die Top-10 geschafft. Der letzte Platz im Ranking geht an Sebastian Vettel.

Der viermalige Weltmeister verlor in 13 Saisons vier Mal gegen den Teamkollegen. 2009 behielt Mark Webber bei Red Bull mit 10:9 die Oberhand, 2014 war es sein Nachfolger und Landsmann Daniel Ricciardo mit einem 11:7. Bei Ferrari zog Vettel ebenfalls zwei Mal den Kürzeren. Neben Leclerc im vergangenen Jahr schlug ihn Kimi Räikkönen 2016 mit 11:10.

Kommentar des Redakteurs: Das Ranking ist als Spielerei der Formel 1 und ihres Partners AWS zu werten. Durch die Einschränkung auf den Zeitraum von 1983 bis 2020 kann es keine vollständige Erhebung von 70 Jahren Formel 1 darstellen, womit seine Relevanz in Frage gestellt werden muss. In den Jahren 1950 bis 1982 waren mehrere im Qualifying äußerst erfolgreiche Piloten unterwegs. Jim Clark brachte es auf 33 Pole Positions. Auch Juan Manuel Fangio, Niki Lauda, Nelson Piquet, Mario Andretti, Rene Arnoux, Jackie Stewart, Stirling Mooss, Alberto Ascari, James Hunt, Ronnie Peterson und Graham Hill finden sich nach wie vor in den Top-25 der Pole-Statistik wieder. Abgesehen davon wird mit der Renn-Performance in diesem Ranking eine Disziplin völlig außer Acht gelassen, die bei der Beurteilung eines Fahrers mindestens genauso viel Gewicht wie die fliegende Runde am Samstag hat.


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