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Formel 1 Silverstone, Bottas frustriert: Mercedes hat gepennt

Valtteri Bottas verliert in Silverstone weiter an Boden auf Lewis Hamilton und P2 im WM-Stand der Formel 1 an Max Verstappen. Kritik an Mercedes-Strategie.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Nächster Rückschlag für Mercedes-Pilot Valtteri Bottas im WM-Kampf der Formel-1-Saison 2020 gegen Teamkollege Lewis Hamilton. Nach seiner Nullnummer beim Großbritannien GP vor einer Woche verlor der Finne beim Grand Prix zur Feier von 70 Jahren F1 in Silverstone einen Sonntag später erneut Punkte auf den amtierenden Weltmeister.

Mit Platz drei gegenüber Rang zwei Hamiltons - allerdings inklusive Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde des Briten - hält sich der Schaden mit vier Punkten zwar in Grenzen, doch ist Bottas durch dieses Ergebnis im WM-Stand hinter Rennsieger Max Verstappen zurückgefallen. Dementsprechend frustriert gab sich der Finne nach dem Rennen.

Bottas kritisiert Mercedes-Strategie: Weit weg von ideal

Gerade, weil er sich nach seinem Start von der Pole Position etwas völlig anderes ausgerechnet hatte. Statt eines Konters gegen Hamilton folgte dann erneute Nackenschlag. „Ja, es ist sehr frustrierend“, stöhnte Bottas nach dem Rennen in seiner ersten Reaktion. „Wenn du von Pole startest ist es nicht ideal, Dritter zu werden.“

Der Stachel saß derart tief, dass Bottas sich sogar zu einer seltenen Kritik an Mercedes hinreißen ließ. „Als Team haben wir an einem gewissen Punkt, als Max vorbeikam, geschlafen. Meine Strategie war weit entfernt von ideal. Da können wir viel lernen“, monierte Bottas.

Bottas: Sollte Reifen managen, dann war Verstappen neben mir!

Dass er in Schwierigkeiten steckte, bemerkte Bottas genau in dem Moment, als Verstappen ihn kurz nach dem ersten Stopp des Niederländers auf der Strecke überholte. „Ich habe schon gefragt, ob ich schneller fahren soll, weil ich die Reifen gemanagt habe, habe aber einfach die Antwort bekommen, dass die Priorität weiter darauf liegt, die Reifen in gutem Zustand zu halten“, berichtete Bottas von der Phase unmittelbar vor dem Überholmanöver.

„Dann kam er aber plötzlich Seite an Seite mit mir aus der Box und hat mich in Kurve sieben erwischt. Da wusste ich, dass es knifflig werden würde. Aber ich habe noch auf eine Chance gehofft. Die hätte es in den Augen des Finnen auch geben können. Doch auch mit der nächsten strategischen Entscheidung Mercedes’ zeigte sich Bottas nicht einverstanden. „Der Mittelstint war recht kurz und dann bin ich in der gleichen Runde wie Max wieder an die Box. Da war dann klar, dass er knifflig wird“, sagte Bottas.

Wolff versteht Bottas-Frust, sieht aber keinen Taktik-Fehler

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff reagierte mit Verständnis auf den Ärger seinen Fahrer. „Ich habe gerade mit Valtteri darüber gesprochen“, berichtete der Österreicher am Abend in Silverstone auf Nachfragen zu den Aussagen seines Fahrers. „Ich denke nicht, dass wir geschlafen haben, aber akzeptiere seine Perspektive.“ Gerade, weil Bottas am Ende auch noch Hamilton habe ziehen lassen müssen, sei dessen Frust nur verständlich. Wolff: „Deshalb ist er nicht happy mit dem Ergebnis. Niemand von uns ist happy mit dem Resultat.“

Warum Wolff seiner Strategieabteilung um James Vowles keinen Vorwurf macht? „Wir hatten heute einfach das langsamere Auto“, erklärte Wolff. „Das musst du dir eingestehen.“ Dann sei es eben kaum möglich, selbst mit der besten Strategie, zu gewinnen. Bottas Punkt sei gewesen, beim zweiten Stopp das Gegenteil von Verstappen zu machen - also im konkreten Fall, weiterzufahren, den Stint auszudehnen statt dem Red Bull in die Box zu folgen.

Bottas: Hätten zweiten Stint wie Hamilton fahren sollen

„Das hätte aber nichts geändert. Max wäre mit dem frischen Reifen rausgekommen und wir hätten mit einem Reifen weitergemacht, der nicht mehr in bester Verfassung war“, sagte Wolff. „Ich bin nicht sicher, ob wir da etwas hätten besser machen können.“ Mit Hamilton agierte Mercedes allerdings anders. Der Brite dehne den vorletzten Stint bis kurz vor Rennende aus.

„Das war aber wegen der Lehren, die wir auf der Strecke gemacht haben. Als wir Valtteris Reifen zurückbekommen hatten, haben wir gesehen, dass noch viel Gummi drauf war. Deshalb haben wir Lewis’ Stint ausgedehnt“, erklärte Wolff. Vibrationen habe es bei Hamlton dann zwar gegeben. „Aber er wurde schneller und schneller und so hat Lewis Valtteri dann überholt“, sagte Wolff. Das geschah allerdings nicht an der Box, sondern auf der Strecke. Mit einem sehr viel frischeren Reifen flog Hamilton in Runde 49 einfach vorbei.

Bottas: Darum leichtes Hamilton-Opfer

„Am Ende des letzten Stints habe ich versucht, voll zu pushen, um Gelegenheiten zu kreieren. So haben die Reifen dann aufgegeben“, erklärte Bottas seine Wehrlosigkeit gegen Hamilton. „Ich habe versucht, mit Max mitzuhalten, aber die Reifen sind einfach auseinandergefallen. Ich hatte jede Menge Blasen, der Red Bull keine. Die waren heute einfach besser.“ Zumindest gegen Hamilton hätte er sich mit einer ähnlichen Strategie wie sie der Weltmeister erhielt aber behauptet, glaubt Bottas. „Ich hätte auf jeden Fall auch seinen langen zweiten Stint haben sollen, der letzte war zu lang. So habe ich die Position gegen Lewis verloren.“

Formel 1, Verstappen schlägt Mercedes: Wie war das möglich?: (11:39 Min.)


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